13 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 13  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.14      Evolutionäre und revolutionäre Wissenschaftsentwicklung und die Rolle der Aussenseiter
Sowohl die „normale“ Entwicklung einer Wissenschaft als auch „Sprünge“ bzw. „Diskontinuitäten“ im Rahmen dieser Entwicklung in Form ausserordentlicher, prin­zipiell neuer Entdeckungen lassen sich unter einen evolutionären Begriff subsumieren. Lediglich die jeweiligen Ablaufgeschwindig­keiten sind unterschiedlich. Unter dem Be­griff der Evolution wird im allgemeinen ein primär kontinuierliches Phänomen gesehen, das ohne grössere „Sprünge“ abläuft; innerhalb dieses „gradweisen“ Sich-Veränderns kann es dennoch grössere „Entwicklungsstufen“ geben: Speziell die moderne Kata­strophentheorie, die eng mit der Evolutionstheorie verknüpft ist, zeigt, dass sich Pha­sen kontinuierlichen Wachstums mit sprunghaften Phasen ablösen, die dann grosse Veränderungen hervorrufen.

Unter den Begriff der Evolution könnte man also auch jenen Begriff subsumieren, der (aus der Sozialgeschichte stammend) den Revolutionsbegriff darstellt. Es gibt dem­nach keine radikalen Unterschiede zwischen Evolution und Revolution, sondern der Unterschied liegt lediglich in der verschiedenen Ablaufgeschwindigkeit bzw. im Wachstumsmodus des Wissens.

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12 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 12  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.11         Die Bestrafung des vom  „rechten Weg“ Abweichenden
Stuhlhofer schreibt dazu: „Als Strafe in der Wgs. betrachte ich negative Äusserungen über Forscher. Also nicht ein Ignorieren (= der Forscher wird überhaupt nicht erwähnt), sondern der Forscher wird erwähnt, …und (es gibt) kritische oder geringschätzige Bemerkungen über ihn. Naheliegend ist die Vermutung, dass es zu sol­chen Bestrafungen kommt, wenn ein Naturforscher Irrtümer vertreten hat…. Es muss sich dabei um einen bedeutenden Naturforscher handeln; nur bei ihnen sind Irrtümer auch der Rede wert. Die Irrtümer unbedeutender Naturforscher bemerkt die Wgs. gar nicht, weil sie auf diese unbedeutenden Naturforscher gar nicht achtet.“ [Anmerkung 50: F. Stuhlhofer (1987): „Lohn und Strafe in der Wissenschaft“, S. 327]

1.12         Der Aussenseiter als Theoretiker
Heute ist es zumeist so, dass Aussenseiter vor allem im Bereich der Theorie zu finden sind; nur selten sind sie im Bereich der Empirie tätig. Ausnahmen bestätigen jedoch diese „Regel“: S. Marinov ist zum Beispiel ebenso eifriger Experimentator, wie W. Schauberger. [Anmerkung 51: Vgl. 3. Kapitel]

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11 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 11  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.9 Der wissenschaftssoziologische Aspekt
Der Sozialphilosoph G. Schwarz bezeichnet diesen Aspekt als „evolutiven Aspekt“, der ja zunächst den Sinn hat, die Veränderungen in der Gesellschaft überhaupt erst möglich zu machen. Bei Untersuchungen, deren Anfänge bis in die 30-er Jahre zurück­reichen und in den 50-er und 60-er Jahren intensiviert wurden, hat sich gezeigt, dass bestimmte Personen nicht anerkannt bzw. akzeptiert werden und aus Gruppen aus­geschlossen werden. G. Schwarz: „Das ist immer dann der Fall, wenn jemand neu in eine Gruppe hineinkommt…

Die Erklärung dafür ist noch nicht ganz gelungen, aber ein wichtiger Punkt ist sicher der, dass jemand, der neu zu einer Gruppe dazukommt, deren Struktur verändert. [Anmerkung 44: Dies gilt nur für kleine Gruppen. Das Eindringen in grössere Gruppen ist leichter, als das Ein­dringen in kleinere, geschlossene Gruppen. Anders verhält es sich bei Gruppen, die nur einen lockeren inneren Zusammenhalt haben.]…….Viele Aussenseiter sind dadurch charakterisiert, dass sie eine von der Gruppenmeinung abweichende Meinung haben und diese abweichende Meinung wird von der Gruppe eben nicht akzeptiert.“

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10 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 10  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung),  Zitat:

1.8.1.1 Die Bewahrung der Gruppenidentität
Dazu schreibt Eibl-Eibesfeldt: „…Die bindende Vertrautheit der Gruppenmitglie­der basiert… auch darauf, dass eigentlich alle mehr oder weniger nach gleichen Nor­men handeln und sich damit auch gegenseitig verstehen… Zugleich ist die Einhaltung der gruppenspezifischen Norm ein Mittel der Absetzung gegen andere, die als Fremde nicht den gleichen Normen anhängen… Die Gruppennorm wird verteidigt. Es gibt eine normangleichende Aggression, die sich gegen solche Gruppenmitglieder wendet, die in auffälliger Weise von der Gruppennorm abweichen. Diese normangleichende oder normerhaltende Aggression durchläuft verschiedene Eskalationsstufen, und zwar in allen Kulturen in sehr ähnlicher Weise. Sie führt schliesslich zu einer Ausstossungsreaktion, wenn der Abweichende sich nicht angleichen kann.“ [Anmerkung 36: I .Eibl-Eibesfeldt, „Biologie des menschlichen Verhaltens“, S.409
Eibl-Eibesfeldt erwähnt in diesem Buch Arbeiten von A. Seywald aus den Jahren 1977 und 1980 und berichtet, dass Seywald ein Gedicht aus dem Jahr 1780 aus dem „Niedersächsischen Wochenblatt für Kinder“ [Anmerkung 37: Niedersächsisches Wochenblatt für Kinder, 1780, 3.Teil, Bremen] entdeckt hatte, das „die Problematik so treffend beschreibt“.

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09 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 9  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.8         Der Aussenseiter im Rahmen der Gesellschaft
R. Riedl vertritt die Ansicht: „Ein Aussenseiter wird durch seine Gesellschaft zum Aussenseiter. Sein Milieu macht ihn dazu. Wenn jemand eine Entdeckung macht, die beweisen soll, dass das bisherige Paradigma verändert werden muss, dann kann dieser Entdecker ja gar nicht von seiner wissenschaftlichen Gesellschaft, in der er sich befindet, als Entdecker gefeiert werden, sonst wäre „es“ ja den anderen auch schon aufgefallen; sondern er wird behandelt, wie jener schlechte Tischler, der den missglückten Tisch, den er gemacht hat, auf schlechtes Werkzeug zurückführt. Ihm wird gesagt: Wenn Sie uns er Paradigma verwendet hätten, dann wären Sie gar nicht erst in Schwierigkeiten ge­kommen. Sie verwenden offenbar ein anderes Paradigma (ein anderes Werkzeug)… kein Wunder, dass der Tisch, den Sie fabriziert haben, in unser Muster nicht hineinpasst! Das ist Soziologie der Wissenschaft. Das heisst, es gibt den Bund der Wissenschaftler, der festlegt, was Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit ist und was nicht.“ [Anmerkung 28: R. Riedl in R. Schlögl (1988): „Aussenseiter der Wissenschaft“, Radiokolleg]

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08 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 8  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl. 

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.5 „Outsider“ und „Insider“  
Zwangsläufig ist es auf dem Gebiet der Mathematik, vor allem aber in der Philoso­phie schwieriger als in den vorwiegend experimentellen Wissenschaften, „Outsider“ von „Insidern“ zu unterscheiden. Viele Wissenschafter, vor allem jene, die grundlagentheo­retisch orientiert sind, übersteigen permanent die Grenzen ihres Fachgebietes; denn: Grundlagenforschung ohne Erkenntnistheorie ist nicht möglich. R. Riedl meint dazu: „Jeder theoretische Grundlagen­forscher, der etwas Neues geleistet hat, war zugleich immer auch Erkenntnistheoretiker. Er hat, wenn auch nicht systematisch, Erkenntnis­theorie betrieben; er hat grundsätzliche, erkenntnistheoretische Aussagen formulieren müssen.“ [Anmerkung 24: E. Oeser in R. Schlögl (1988): „Aussenseiter der Wissenschaft“, Radiokolleg]  

Wie steht es nun konkret um das Verhältnis zwischen „Outsidern“ und „Insidern“? Der Insider als Vertreter der „Normalwissenschaft“ ist ja dadurch zu charakterisieren, dass er seinem Fachgebiet treu und innerhalb der Grenzen dieses Gebietes bleibt.

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07 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 7  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung), Zitat:

1.4.3 Das Streben nach Universalität. Die Unfertige Idee

Auch Universalität kann Kennzeichen eines Aussenseiters sein: So war zum Beispiel Leonardo da Vinci in diesem Sinne sicherlich ein Aussenseiter. Ebenso wie Linne oder Leibniz, so konnte auch er das Wissen seiner Zeit im Grossen und Ganzen noch über­schauen. Ich werde später  –  im 4.Kapitel  –  noch auf die Frage zurückkommen, wieso das Streben nach Universalität, bzw. universelles Denken eine grosse Rolle für unser Thema spielt, bzw. markantes Kennzeichen vieler Aussenseiter der Naturwissenschaft ist.
An dieser Stelle möchte ich nur andeuten, dass die heuristisch so fruchtbare Methode der Herstellung von Analogien nur dann möglich ist, wenn das Denken fächerübergreifend ist. Wer sich also – überspitzt formuliert – ständig nur in den engen Grenzen seines Fachgebietes bewegt, kann nur schwerlich neue, revolutionäre Ideen entwickeln. Ein In­diz für diese Behauptung ist, dass heutzutage interdisziplinäres Denken mehr und mehr gefordert wird und sich als fruchtbar erwiesen hat. Leonardo da Vinci hat übrigens von sich gesagt, er sei ein Mann ohne Bildung. Er hatte zwar viele Ideen neuzeitlicher Wissenschaft vorweggenommen, sich selbst jedoch als Dilettant bezeichnet. Der Nachteil der Universalität ist: Man gelangt nur schwer „in die Tiefe“; ihr Vorteil jedoch ist der „freie Blick“.

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06 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 6  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl. 
Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung),  Zitat: 

1.4 Mögliche Kennzeichen von Aussenseitern

1.4.1 Die aussergewöhnliche Haltung mancher Aussenseiter der Wissenschafts- bzw. der Ideengeschichte gegenüber 

Ein Kennzeichen von Aussenseitern kann sein, dass sie (zumindest) einen Teil der Tradition der jeweiligen Wissenschaft ignorieren, also einen mehr oder weniger grossen Teil der wissenschaftlichen Evolution als Irrweg bezeichnen. Wie in den folgenden beiden Kapiteln auszuführen und an Hand der konkreten Fallstudien zu belegen sein wird, gehen solche Forscher ab einem bestimmten Punkt in der Wissenschaftsgeschichte ihren eigenen Weg. Es gibt für sie einen bestimmten (Zeit-)Punkt, ab dem sie jegliche Weiterentwicklung der Wissenschaft leugnen. Für Schauberger zum Beispiel beschreitet die Wissenschaft seit Kepler im Grossen und Ganzen einen Irrweg.
Viktor und Walter Schauberger beziehen sich mit ihren Theorien ausdrücklich auf Pythagoras und Kepler und beschritten seit Kepler sozusagen ihren eigenen wissen­schaftlichen Weg [Anmerkung 16: Vgl. Fallstudie im 3.Kapitel]. Auch die Vorstellung von Piazzi Smyth, die alten Ägypter hätten sozusagen echte wissenschaftliche Erkenntnisse im Sinne von wahrer Wissenschaft und im Sinne eines ausgearbeiteten System entwickelt und seine Überzeugung jegliche weitere Entwicklung seither, sei ein Irrweg gewesen, gehört hierher.

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05 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 5  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.

Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung)

Zitat:

1.3  Versuch einer Begriffsklärung

Aussenseiter ist eine Person dann, wenn sie entweder von Anfang an „aussen“ steht, „von aussen“ kommt oder „nach aussen“ gedrängt wird; wobei „aussen“ „ausserhalb der Gemeinschaft“ bedeutet. Es wird sich zeigen, dass der Begriff „Aussenseiter der Wissenschaft“ äusserst vielschichtig ist: Zunächst lässt sich ein Einteilungsschema aufstellen, in dem Aussenseiter beurteilt werden nach: 

1.3.1      sozialer und beruflicher („ausserwissenschaftlicher“) Herkunft
Beispiele: Michael Faraday war ursprünglich Buchbinder und von niedriger sozialer Herkunft; Alfred Russell Wallace war ebenfalls von niedriger sozialer Herkunft und zunächst Vermessungsgehilfe.

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04 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 4  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Zitat:

Kapitel 1: EINLEITUNG

Das Schicksal eines Grossen der wissenschaftlichen Welt, der es nicht leicht hatte, sich in ihr zurechtzufinden… mahnt zur Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft den neben uns strebend sich bemühenden Mitmenschen gegenüber.“ W. Schütz über Julius Robert Mayer [Anmerkung 1: W. Schütz (1972): „Robert Mayer“, S.9]

Aussenseiter der Wissenschaft spielen meiner Meinung nach eine ganz wichtige Rolle – sie versuchen zu kritisieren, wo der Wissenschaftsbetrieb vielleicht betriebsblind geworden ist; sie versuchen aufzuzeigen, wo die Physik oder eine andere Wissenschaft möglicherweise einen Irrweg gegangen ist und sie tun es meist in einer s ehr. selbstlosen Weise. Wenn jemand etwas revidieren möchte, so muss er sich natürlich immer wieder von den alten Ideen der Wissenschaft etwas abseparieren können.“ Roman Sexl [Anmerkung 2: R. Sexl in R. Schlögl (1988): „Aussenseiter der Wissenschaft – Phantasten oder Wegbereiter neuen Denkens?“, Radiokolleg]

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