Was will uns der Dichter damit sagen?
G. O. Mueller schreibt auf Seite 32 seiner Dokumentation „Das Gedankenexperiment„ vom Mai 2009:
Zitat:
Was will uns der Dichter damit sagen?
Eine der interessanten Stellungnahmen zu den landesüblichen Skandalen sehen wir in der sibyllinischen Äußerung des Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz zu Asse, immerhin von jemandem, der weiß, wovon er spricht (seltener Fall!): „Wenn wir unsere Glaubwürdigkeit nicht zurückgewinnen, werden wir das Problem niemals auf demokratischem Weg lösen“ (s. oben, S. 28; TS, 7.7.08). Da geraten die Deutschlehrer ins Nachdenken: „Was will uns der Dichter damit sagen?“
Wenn ein Endlager für unsere strahlenden Kostbarkeiten nicht auf demokratischem und rechtsstaatlichem Weg zustande kommt, weil niemand es haben will („niemals“), dann werden wir eines Tages in Deutschland aufwachen, und die Bundeswehr und die Polizei haben alle wichtigen öffentlichen Einrichtungen besetzt, ein Notstandskommitee verkündet über alle Medien seine Beschlüsse. Der Atommüll nimmt überhand, er muß in ein Endlager möglichst tief unter der Erde, und die Bevölkerung der Landschaft des Endlagers muß evakuiert werden, weil auf längere Sicht alles, was wir verbuddeln, wieder hoch ins Grundwasser kommen kann.
Das Endlager muß natürlich etwas weiter entfernt von den maßgeblichen Persönlichkeiten in Hamburg, Frankfurt und München eingerichtet werden, weshalb die Entscheidung auf X-Stadt, Y-Berg oder Z-Hausen in den östlichen Ländern gefallen ist. In der Gegend ist die Bevölkerung durch sozialen Zusammenbruch bereits weitgehend vertrieben, die Restbevölkerung wird in die übrigen Bundesländer evakuiert, zunächst in Auffanglager. Es herrscht Kriegsrecht, alle Grundrechte sind bis auf weiteres ausgesetzt, nächtliche Ausgangssperren werden irgendwelche Aktionen der Bevölkerung gegen die erforderlichen Atomtransporte und Evakuierung verhindern. Die örtlichen Kommandanten geben alles weitere durch Plakatanschlag und über die Medien bekannt. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Das Problem würde auf nicht-demokratischem Weg gelöst. Der Atomstaat wäre da.
Im Gegensatz zum Atomstaat ist der Relativitäts-Staat schon lange da. Auch er löste ein Problem, nämlich den offensichtlichen Zusammenbruch der Speziellen Relativitätstheorie wenigstens vor der Öffentlichkeit zu vertuschen, auf nicht-demokratischem Weg durch Abschaffung der Wissenschaftsfreiheit; die Kritik und ihre Autoren sollten in einem „Endlager“ der Verleugnung und Verleumdung verschwinden.
Der Relativitätsstaat wurde 1922 in Leipzig ausgerufen, am Montag, den 18. September, auf der Hundertjahrfeier der Naturforscher (Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte) in Leipzig. Im Saal verkündete der „Reichskanzler der Physik“ den Anwesenden, daß sie freie Forscher seien, während die hinausgeworfenen abartigen Kritiker der Relativitätstheorien als öffentlichen Protest nur noch einen Handzettel verteilen konnten, den „Handzettel der 19“ Unterzeichner, darunter auch Nobelpreisträger; vgl. Kapitel 3, S. 270 – 275.
Die Parallelität der Strukturen, einmal nur befürchtet und das andere Mal schon etabliert, ist frappierend. Vergleiche haben immer ein Ergebnis.
Die aktuellste Entwicklung (August 2008) des Asse-Skandals zeigt allmählich einen Hang zum Skurrilen. Die aufgetretenen radioaktiven Laugen stammen sehr wohl aus den bisher dort abgeworfenen Fässern, weshalb jetzt neue, stabilere Fässer entwickelt werden sollen, die 500 Jahre lang (!) halten und – das ist der Clou – aus der Tiefe des einen „Endlagers“ eventuell wieder einmal herausgeholt und in einem anderen „Endlager“ verbuddelt werden können. Darf man sich das „Endlager“ als eine Art Wanderpreis vorstellen, damit im Laufe der Zeit alle deutschen Stämme einmal das Vergnügen haben?
(Zitatende)
Beste Grüße Ekkehard Friebe
- 1. Juli 2009
- Projekt G.O. Mueller
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