Ist die Nicht-Existenz des Äthers bewiesen?

Im Kapitel 2 (Fehler-Katalog), Seiten 41 bis 42, der Dokumentation (2004) von G. O. Mueller finden Sie folgende, sehr aufschlußreiche Informationen unter dem Kurztitel „A: Äther / Fehler Nr. 1″:

Zitat:

Der Michelson-Morley-Versuch (MMV) 1881/87 soll die Nicht-Existenz des Äthers bewiesen haben

Diese Behauptung wird von allen Autoren als eine der Grundlagen der SRT angegeben. Sie ist unzutreffend: denn der MMV sollte die Drift gegen einen ruhenden Äther nachweisen. Wer das behauptete Nullergebnis des MMV annimmt, kann nur folgern, daß der Äther nicht ruht. Deshalb wurde von manchen Autoren zur Erklärung des behaupteten Nullergebnisses die Mitführung des Äthers angenommen. Der Nachweis der Nicht-Existenz des Äthers war durch den MMV überhaupt nicht möglich.

Über die Durchführung des originalen MMV 1881 und 1887 werden in den Fachveröffentlichungen und Propagandaschriften der Relativistik bis heute die wesentlichen Umstände nicht berichtet, so daß sogar viele Kritiker die Propaganda der Relativisten glauben; noch 1977 hat Theimer (S. 16) als unbestritten anerkannt: „Der Versuch wurde zu verschiedenen Jahreszeiten wiederholt, auch zur Zeit entgegengesetzter Bewegung der Erde gegenüber der Sonne: das Ergebnis blieb Null.“ Nichts davon ist wahr.

Erstmals 1993 (!) haben Collins/Pinch (Golem, zitiert nach 2. ed. 1998), S. 29-43, eine kritische Analyse des Versuchsverlaufs 1887 vorgelegt: der Versuch hätte unter 6 Bedingungen durchgeführt werden müssen (S. 35); durchgeführt wurden ganze 6 Meßreihen, und zwar um 12 Uhr am 8., 9. u. 11. Juli sowie um 18 Uhr am 8., 9. u. 12. Juli: wegen der enttäuschenden Meßwerte brachen die Experimentatoren das Experiment jedoch ab; nicht durchgeführt wurden:

(1) die Wiederholung zu verschiedenen Jahreszeiten;
(2) die Wiederholung in einem transparenten Gebäude;
(3) die Wiederholung in großer Höhe über dem Meeresspiegel.

Genau diese 1887 unterlassenen Messungen zu verschiedenen Jahreszeiten brachten später D. C. Miller, der außerdem das transparente Gebäude und die Höhenlage auf dem Mt. Wilson Observatory verwirklichte, die eindeutig positiven Werte für Laufzeitunterschiede und die erwartete deutliche jahreszeitliche Schwankung: wo eine periodische Schwankung klar zu erkennen ist, sind die Meßwerte relevant, die im übrigen auch nach ihrer Größe erheblich waren.

Die vollständige Durchführung des MMV 1887 ist also nur ein berühmtes Märchen der Physikwissenschaft, und die spätere erfolgreiche Durchführung und Entlarvung des Märchens durch D. C. Miller überhaupt kein Wunder. Auf der Grundlage von 1887 hat Albert Einstein 1905 angeblich unsere Vorstellungen von Raum und Zeit revolutioniert.

Die Unvollkommenheit auch des Instruments von 1887, der Abbruch des Experiments durch die Experimentatoren und die Nicht-zur-Kenntnisnahme dieser beiden Umstände sind ein schwerer Fehler der physikalischen Forschung und eine Hauptursache für die – um 1905 noch tragische – Verirrung von H. A. Lorentz und Albert Einstein, die später vorsätzlich zum System ausgebaut worden ist.

Die Behauptung einer Nicht-Existenz ist erkenntnistheoretisch das problematischste Unterfangen. Sie kann grundsätzlich keinesfalls durch ein einziges Experimentergebnis bewiesen werden. Sie kann jedoch grundsätzlich bereits durch ein einziges Experiment widerlegt werden: dies ist in der Folgezeit wiederholt geschehen.

Die unvollständige Durchführung des MMV 1887 ist natürlich nicht von Relativisten aufgedeckt worden, übrigens auch nicht von Physikern, sondern – eine schöne Pointe – von den Wissenschaftssoziologen Collins und Pinch: die Physik ist für die Physiker viel zu schwer, wenn ihnen die Soziologie nicht kritisch dabei hilft. Beide Soziologen wurden daraufhin von den Machthabern der Relativistik in den USA vor ein Anklage-Symposium geladen, worüber sie in der 2. ed. 1998 berichten: sie hatten nichts zu widerrufen.

Der MMV 1881 verwendete zum ersten Mal das von Michelson konzipierte Interferometer. Die konstruktiven Probleme waren so groß, daß dieser erste Versuch kein verwertbares Ergebnis bringen konnte. Die Wiederholung 1887 mit einem verbesserten Instrument erbrachte einen so geringen Laufzeitunterschied der Lichtstrahlen in verschiedenen Richtungen, daß Michelson selbst aus Enttäuschung darüber von einem Nullergebnis sprach, obwohl auch das verbesserte Instrument noch kein definitives Ergebnis bringen konnte. Deshalb sind in den folgenden 40 Jahren weitere Interferometer-Versuche gemacht worden, die unabweisbare positive Ergebnisse brachten.

Bemerkenswerterweise ist Michelsons eigene Beurteilung als „Nullergebnis“ nicht nur bei Relativisten, sondern auch bei Kritikern bis heute anzutreffen. Die Unterdrückung der weiteren Versuchergebnisse von Michelson über Sagnac bis zu Dayton C. Miller in der allgemeinen Wahrnehmung ist eine der größten Leistungen der Relativistik.
——————————
Michelson, Albert Abraham: On the relative motion of the earth and the luminiferous aether. In: American journal of science. Ser. 3, Vol. 34. 1887, November, S. 333-345. Zugleich in: Philosophical magazine. Ser. 5, Vol. 24. 1887, December, S. 449-463. Abdruck in: Swenson 1972. – Swenson, Loyd S., Jr.: The ethereal aether: a history of the Michelson-Morley-Miller Aether-Drift Experiments, 1880 – 1930. 1972. 361 S. – Collins, Harry M.: The Golem: what everyone should know about science / Harry Collins, Trevor Pinch. Cambridge: Univ. Pr., 1993. 164 S. Vgl. 2. ed. 1998. Dt. Ausgabe: Der Golem der Forschung: wie unsere Wissenschaft die Natur erfindet. 1999. 

(Zitatende)

Zahlreiche weitere Hinweise zu dem Buch von Harry Collins und Trevor Pinch finden Sie in der Dokumentation von G. O. Mueller, wenn Sie den Suchbegriff „Golem“ aufrufen.

Kommentare

  1. Gerhard Kemme 7. Juni 2009 (08:57 Uhr)

    Ein Experiment kann immer nur so gut sein, wie die Qualität der theoretischen Vorarbeit gewesen ist. Will man einen Stoff nachweisen, dessen Existenz nicht unmittelbar durch die Sinnesorgane oder durch handelsübliche Messgeräte erfahrbar ist, dann wird man mit Modellvorstellungen arbeiten müssen, die auch explizit beschrieben worden sind, bevor man den Versuch startet. Der Äther wird traditionell erstmal als eine Substanz angesehen, die den Weltraum füllt und in welche Gas- Flüssigkeits- und Festkörper eingebettet sind. Bei dem Experiment von Michelson und Morley findet die Messung per Interferometer in der Lufthülle statt. Implizit ist also das ursprüngliche Modell des Äthers so auf die Lufthülle ausgedehnt worden und es soll anscheinend der Äther des Weltraums den Gaskörper der Lufthülle einfach so durchströmen – hier hätte ein neuer Denkansatz kommen müssen: Zu vermuten wäre, dass an der Abgrenzung zwischen Space und Lufthülle ein Energieaufwand erforderlich ist, damit ein Austausch stattfinden kann. Innerhalb der Lufthülle würde der Äther vermutlich auch in physikalisch veränderter Form vorliegen, z.B. komprimiert mit höherer Dichte. So kann der MM-Versuch nur als Nachweis angesehen werden, dass eine absurde Vorstellung vom Äther nicht bestätigt werden konnte.

Einen eigenen Kommentar schreiben