Interview mit UnZeitgenossen – Albert Einstein

Es folgt jetzt ein weiterer Beitrag aus der Zeitschrift Abenteuer Philosophie“, Nr. 102. 
Autorin: Barbara Fripertinger 

Zitat:
Interview mit UnZeitgenossen – Albert Einstein
Vor wenigen Wochen besuchten wir Albert Einstein in seiner neuen Wahlheimat Princeton in New Jersey während seiner Arbeit am Institute for Advanced Study. Wir suchten ein Gespräch mit ihm, einmal jenseits von Relativitätstheorie und reiner Wissenschaft – und lernten dabei den „Philosophen Einstein“ kennen.

(1) AP: Sie sind eine echte Kapazität in der modernen Physik – in der modernen Wissenschaft. Wie geht es Ihnen damit?
Einstein: Eine Ironie des Schicksals, dass die anderen Menschen mir selbst viel zu viel Bewunderung und Verehrung entgegengebracht haben, ohne meine Schuld und ohne mein Verdienst … Zur Strafe für meine Autoritätsverachtung hat mich das Schicksal selbst zu einer Autorität gemacht.

(2) AP: Wie würden Sie ihr bisheriges Leben – im philosophischen Sinne – charakterisieren?
Einstein: Zu den Menschen zu gehören, die ihre besten Kräfte der Betrachtung und Erforschung objektiver, nicht zeitgebundener Dinge widmen dürfen und können, bedeutet eine besondere Gnade. Wie froh und dankbar bin ich, dass ich dieser Gnade teilhaftig geworden bin, die weitgehend vom persönlichen Schicksal und vom Verhalten der Nebenmenschen unabhängig macht. Aber diese Unabhängigkeit darf uns nicht blind machen gegen die Erkenntnis der Pflichten, die uns unaufhörlich an die frühere, gegenwärtige und zukünftige Menschheit binden.

AP: Sie sprechen einerseits von Unabhängigkeit von anderen Menschen und zugleich auch von den Pflichten gegenüber der Menschheit. Wie ist das zu verstehen?
Einstein: Ja. Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen, warum und wozu.

AP: Das klingt ein wenig verbittert oder hoffnungslos?
Einstein: Nein. Im täglichen Leben fühlen wir, dass der Mensch um anderer willen da ist, solcher, die wir lieben, und zahlreicher anderer, ihm schicksalsverbundener Wesen. … Oft bedrückt mich der Gedanke, in welchem Maße mein Leben auf der Arbeit meiner Mitmenschen aufgebaut ist, aber ich weiß, wie viel ich ihnen schulde.

AP: Suchen Sie die Einsamkeit?
Einstein: Ich bin zwar im täglichen Leben ein typischer Einspänner, aber das Bewusstsein, der unsichtbaren Gemeinschaft derjenigen anzugehören, die nach Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit streben, hat das Gefühl der Vereinsamung nicht aufkommen lassen.

AP: Was verstehen Sie unter Weisheit?
Einstein: Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.

(3) AP: Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Einstein: Freude an der Freude und Leid am Leid des anderen, das sind die besten Führer der Menschen.

(4) AP: Machen Sie sich Gedanken über die Zukunft?
Einstein: Ich sorge mich nie um die Zukunft. Sie kommt früh genug.

(5) AP: Sie scheinen nicht sehr viel auf Wohlstand und Luxus zu geben. Stimmt das?
Einstein: Nach Wohlleben und Luxus strebte ich nie und habe sogar ein gut Teil Verachtung dafür. Meine Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit hat mich oft in Konflikt mit den Menschen gebracht … Aus Stellung und Besitz entspringende Vorrechte sind mir immer ungerecht und verderblich erschienen, ebenso ein übertriebener Personenkultus.

AP: Was ist das Größte für Sie?
Einstein: Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität.

AP: Sind Sie ein religiöser Mensch?
Einstein: In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.

 Fußnoten:
(1) Die Worte Einsteins sind Originalzitate und, wenn nicht anders angegeben, aus „Mein Glaubens­bekenntnis“ entnommen, das er Ende August 1932 in Caputh schrieb. Dieses wurde auch zu Gunsten der Deutschen Liga für Menschenrechte im selben Jahr auf Schallplatte aufgenommen.
(2) Einstein 1930
(3) Einstein 1954
(4) Einstein 1931
(5) Einstein 1945-46

(Zitatende)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

Kommentare

Einen eigenen Kommentar schreiben

Hinterlassen Sie eine Antwort

Erlaubter XHTML-Code: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>