Dr. Harald Zycha: „5.7 Messung und Dimension“

Es folgt jetzt eine weitere Leseprobe (Seiten 102 bis 104) aus dem bereits früher von mir empfohlenen Buch:
Dr. rer. nat. Harald Zycha: „Natur – Ganzheit – Medizin“

Zitat:

5.7 Messung und Dimension

Fast getraue ich mich nicht, auf ein Grundprinzip der Physik hinzuweisen, das, seit alters ein Grundprinzip aller menschlichen Wahrnehmung überhaupt, als ungeschriebenes Gesetz Gültigkeit hatte. Es ist geradezu eine Binsenweisheit, so selbstverständlich, daß es vielleicht noch niemand als eine für jede physikalische Messung ausnahmslos gültige Bedingung explizit formuliert hat:

Eine physikalische Größe, die in der realen Welt von Raum und Zeit experimentell gemessen werden soll,
muß als Produkt der Grundgrößen aus Raum und Zeit darstellbar sein!

In der klassischen Physik war dieses Gesetz auch immer quasi von selbst erfüllt. Um in die Mannigfaltigkeit der physikalischen Größen Ordnung zu bringen, hat man das sogenannte c.g.s.-Maßsystem eingeführt, das sich auf die Grundgrößen Zentimeter, Gramm, Sekunde für Länge, Masse und Zeit bezieht. Dieses Dreiersystem ist als das Grundsystem der Physik anzusehen (später hat man noch entsprechende andere Systeme definiert), wie ich es in Kapitel 3.3 als Basis der Physik gegenüber der bis dato nur bekannten Kinematik formuliert habe. Die Masse steht hier stellvertretend für die dort angesprochene Kausalität, nämlich den Kraft-Begriff, mit dem die Masse über das zweite Newtonsche Bewegungsgesetz verbunden ist.

Jede physikalische Größe, die den Anspruch auf eine reale Existenz in unserer Wirklichkeit erhebt, muß aus diesen drei Grundgrößen aufgebaut sein, sonst kann sie nicht gemessen werden! Eine Größe wie die (a-priori-) Wahrscheinlichkeit enthält keine dieser Größen, sie ist ein Ausdruck ohne physikalische Dimension, sie kann also prinzipiell nicht gemessen werden.

Dieses fundamentale Grundgesetz scheint durch das Denken und die Theorien der modernen Quantenphysik zumindest teilweise außer Kraft gesetzt worden zu sein. Denn wie anders kann man es verstehen, daß die heutigen Physiker sich von der nach Born zu einem Wahrscheinlichkeits-Ausdruck umfunktionierten Schrödingerschen Wellenfunktion, die – nämlich ihre Amplitude – als solcher ein dimensionsloser Ausdruck ist, erwarten, daß sie experimentell gemessen werden kann?

Die Fachliteratur ist voll von Überlegungen und Theorien zu diesem Thema, die allesamt in die phantastischsten Ausflüchte münden, deren wesentlichstes Ziel es offenbar ist, etwas meßbar zu machen, was prinzipiell nicht gemessen werden kann. Alles überlegt man, nur das eine, Selbstverständlichste überlegt man nicht: das Problem der Dimension! (s. Kap. 4.1 und später Kap. 12.4).21 Wer die umfangreiche einschlägige Literatur wirklich kritisch liest, dürfte sich wie ich zu dem Urteil veranlagt sehen, daß es sich bei diesen abwegigen Phantasien zum quantenmechanischen Meßprozeß um den schlimmsten Schildbürgerstreich handelt, den man der Physik jemals zugemutet hat.

Warum tut man das? Sieht man denn dieses so leicht zu erkennende und damit völlig überflüssige Problem wirklich nicht? Ich weiß nur eine Antwort: Diese Schwierigkeiten rühren an den Grundüberzeugungen unserer materialistischen Naturwissenschaft. Diese geht immer noch davon aus, daß die Mikrosysteme der Quanten-Welt ebenso wie die Makrosysteme unserer klassischen Alltags-Welt einzeln meßbar seien, was aber wegen der ganzheitlichen Schichtung der Natur (siehe Teil III, insbesondere auch Kapitel 12 in Teil IV) nicht der Fall ist. Als Schrödinger bei der Entwicklung seiner Wellenfunktion mit ihrer Interpretation als Einzeldarstellung eines Mikrosystems tatsächlich gescheitert war und Borns Neuinterpretation als Wahrscheinlichkeits-Ausdruck erfolgte, um dieses makroskopische Prinzip der Einzeldarstellung dennoch zu retten, kam man mit dieser Flucht nach vorn erst recht in Bedrängnis, die Folgen waren noch schlimmer. Und um das wiederum zu retten, flüchtete man weiter, wie besonders eindringlich Kapitel 12.3 zeigt, schließlich in die unhaltbarsten Phantasien…

Einen anderen Fall dieser Art, wenn auch etwas weniger durchsichtig, habe ich schon oben bei der Besprechung von Einsteins spezieller Relativitätstheorie erwähnt (Kap. 4.1): die Sterilität des Michelson-Versuches. Was hier gemessen wird, ist eine rein räumliche Struktur, nämlich das geometrische Streifenbild eines Interferenzprozesses, der selbst nicht als solcher verfolgt werden kann. Die Zuordnung eines statischen Interferenz-Bildes (-Produktes) zu einem dynamischen Interferenz-Prozeß erfolgt aufgrund einer Hypothese, nämlich der Wellen-Hypothese, die nichts weiter als ein mathematisches Modell bedeutet (s. hierzu auch Kap. 8.5). Das ist den heutigen Physikern nach 400 Jahren Gewöhnung nicht mehr bewußt. Man vergleiche doch diese Aussage mit den in Kapitel 4.1 beschriebenen Problemen der Einzelteilchen-Ausführung des Youngschen Doppelspaltversuches, um sich an die Problematik dieser Hypothese zu erinnern!

In diesem statischen Bild fehlt also der Zeitparameter, dieses kann demnach keine Aussage über eine Geschwindigkeit des Lichts machen, das diese Streifen erzeugt hat.

(Zitatende)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

Kommentare

  1. Wolfgang Lange 19. Juli 2010 (16:28 Uhr)

    Sehr geehrter Herr Friebe,

    mit all Ihren Argumenten kann man naturgemäß nicht einverstanden sein. Außerdem sind philosophische Fragen oft nur sehr umfangreich zu diskutieren. Zum Einstieg:

    Zum Messen gehören geeichte Kategorien, z.B. im cgs-System
    c: Urmeter oder Wellenlänge einer konstanten Schwingung
    g: Urkilogramm
    s: Zeit einer Schwingung
    Dazu kommen noch elektromagnetische Kategorien.
    A: Ampere
    V: Volt

    Alle haben eine Maßzahl (Menge) und eine physikalische Einheit.
    Allen gemeinsam ist das Zählen, also gehören Zahlen mit zu den Kategorien, auch wenn diese keine Dimension haben. Daraus folgt u.a. die notwendige Akzeptant der Wahrscheinlichkeit.

    Der Doppelspaltversuch ist eine Zählung von Ereignissen. Auch wenn die Quantenelektrodynamik offenbar nicht zu verstehen ist (Feynman), sind ihre Ergebnisse fassbar, genauso wie Newtons und Huygens Lichtdualtäten.

    Mit freundlichen Grüßen!
    W.Lange

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