Dr. Harald Zycha: „5.2 Raum und Zeit“

Nachstehend bringe ich eine weitere Leseprobe (Seiten 90 bis 92) aus dem bereits früher von mir empfohlenen Buch:
Dr. rer. nat. Harald Zycha: „Natur – Ganzheit – Medizin“ 
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Zitat:

5.2 Raum und Zeit

Wie kann man hier Probleme vermuten? Diese beiden Begriffe bilden nicht nur die „feste“ Basis der Physik, sondern unseres ganzen irdischen Lebens überhaupt. Aber schon wieder Vorsicht! Raum und Zeit sind die Basis unserer Alltagswelt, in der sich das ganze menschliche Leben entwickelt hat, unsere Anschauung, und unsere Sprache!

Daß es mit dieser Basis des Denkens Probleme gibt, haben die Erfahrungen der modernen (Quanten-)Physik gezeigt. Hier spricht man inbezug auf so manche Phänomene der Mikrowelt – also wieder außerhalb unserer Alltagswelt – von nichtlokalen (nicht räumlich bestimmbaren) oder auch von instantanen (nicht zeitlich verzögerten) Wechselwirkungen (s. Kap. 12.2). Die Physik ist damit in ihre schwerste Krise geraten, aus der sie in der heutigen Form, als quantitativ messende und rechnende Wissenschaft nicht herauskommen wird, sie steht und fällt mit dieser quantitativen mathematischen Methode.

Der einzige Ausweg aus dieser „lebensgefährlichen“ Lage wird darin bestehen, daß man ihr ein anderes Wissenschaftssystem mit einem über die quantitative Ebene hinausgehenden qualitativen Kontext überordnet. Genau das wird ab Teil III geschehen, mit der Darstellung des Konzeptes einer ganzheitlichen Kybernetik.

Es ist die Wiederherstellung des Kontextes, der mit Galilei verloren gegangen ist, es ist das, was „jenseits“ von Raum und Zeit waltet, das Geistige. Unsere Naturwissenschaft hat jetzt, nach der Beobachtung jener mysteriösen nichtlokalen und instantanen Phänomene, keinen anderen Weg mehr als die Weitung ihres Horizonts über das raumzeitlich Materielle hinaus, sie muß diesen Weg „über den Rubicon“ gehen, wenn sie fortbestehen will, allem Spott der Materialisten zum Trotz, die dem verständnislos gegenüberstehen.

Aber sehen wir uns nun genauer an, was es mit diesen „Formen der Anschauung“, wie Kant sagt, auf sich hat. Wie schwer der Weg aus Raum und Zeit zurück zum Geistigen ist, können wir uns bewußt machen, wenn wir feststellen, daß wir schon mit unserer Sprache gar nicht wirklich aus diesen Formen hinauskönnen, wir haben genau genommen kein einziges Wort dafür!

Analysieren wir die Frage „Was war vor der Zeit?“ Da diese Frage mit den Überlegungen der Physiker zur Entstehung unserer Welt eng zusammenhängt, wird sie tatsächlich auch von den größten ihrer Vertreter wie etwa Heisenberg [Anmerkung 10] ohne prinzipielle Bedenken gestellt. Überflüssig zu erwähnen, daß die Vertreter des „Urknalls“ die Zeit in jenem Augenblick „entstehen“ lassen…

Diese Frage zeigt, daß es unter dem Gebot einer wissenschaftlichen Strenge nicht genügt, eine Frage nur syntaktisch (grammatikalisch) richtig zu formulieren, sondern man muß auch die Semantik (Bedeutung, Sinn) berücksichtigen: Unsere obige Frage ist nicht nur nicht zu beantworten, sondern sie hat gar keinen Sinn, sie kann also gar nicht gestellt werden! Denn was bedeutet in ihr das Wörtchen „vor“? Formulieren wir diese Frage etwas umständlicher, aber ausführlicher: „Was war in der Zeit vor der Zeit?“, so sollte eigentlich jeder das Problem erkennen: Das Wort „vor“ setzt die Zeit bereits voraus, wir kommen also aus dem Kontext der Zeit niemals hinaus, nicht mit dem Denken und nicht mit unserer Sprache!

Fazit: die Zeit gibt es nicht als Objekt (= Gegenüberstehendes), das man als solches wahrnehmen kann, sie ist nur, wie Kant genauer sagt, eine formale Bedingung a priori aller wahrnehmbaren Erscheinungen überhaupt. Sie kann also insbesondere keine Eigenschaften haben. Das fällt, abgesehen vom Problem der obigen Frage, hier noch nicht so sehr ins Gewicht.

Aber beim Raum sieht die Sache noch schlimmer aus, hier haben schon die sonst so strengen, exakten Mathematiker etwas gesündigt und den Ungereimtheiten der Physiker Vorschub geleistet. Zunächst auch hier die entsprechende Frage: „Was ist jenseits des Raumes?“ Mit dem Wort „jenseits“ verhält es sich ebenso wie vorhin: dieses Wort setzt den Raum schon voraus, wir kommen auch hier mit unserer Sprache nicht aus dem Kontext hinaus! Mit allen anderen Wörtern, die einen Zusammenhang mit Raum oder Zeit darstellen, wie etwa „nach“, „hinter“, „außerhalb“ usw., verhält es sich ebenso.

Daß die Physiker dem Raum Eigenschaften zuschreiben wie leer, endlich, metrisch, (nicht-)euklidisch, dreidimensional, gekrümmt usw., geht also sicher auch auf eine gelegentliche unsaubere Ausdrucksweise der Mathematiker zurück, die entsprechende Ausdrücke auch gebrauchen, in Wirklichkeit aber nur eine entsprechende Geometrie meinen, oder eine konkrete Fläche im Raum. Es gilt das oben für die Zeit Gesagte analog auch hier: Wir können auch dem Raum nicht gegenüberstehen, deshalb gibt es auch den Raum nicht als Objekt, dem man irgendwelche Eigenschaften zuschreiben kann, er ist ebenfalls nur eine Bedingung dafür, daß wir uns in unserer Welt zurechtfinden, aber eben in unserer Alltagswelt! In dieser haben sich diese „Formen der Anschauung“ in unserer Evolution gebildet.

Der Leser wird nun vielleicht fragen, warum ich hier solche sophistischen Fragen behandle. Ich möchte mit diesen Überlegungen einmal mehr darauf hinweisen, wie sehr man als Physiker auf gefährliche Abwege gerät, wenn man seine in der Alltagswelt erworbenen Vorstellungen und Begriffe auf die gänzlich andere Mikrowelt anwendet. Unsere Alltagswelt wird von der in den vorangegangenen Kapiteln ausführlich beschriebenen „Subjekt-Objekt-Spaltung“ regiert, deren Entwicklung ich dort als „roter Faden“ bezeichnet habe. Diese Spaltung liegt aber nicht in den Dingen (unserer Alltagswelt) selbst und dementsprechend auch nicht in der Mikrowelt, sondern nur in unserer Vorstellung. Raum und Zeit sind nur ihre Hilfsmittel, ihre Bedingungen, ohne eine eigene objektive Realität, sie können also auch keine ihnen selbst zukommenden Eigenschaften haben, und kein Innen und Außen, kein Vor und Nach. Das drücken die sprachlichen Beispiele der oben angeführten Fragen aus!

Hier sei mir ein kleiner Ausblick auf die als Grundlage unseres Kybernetischen Konzeptes der Ganzheit in Kapitel 7.4 formulierte Pragmatische Ontologie gestattet: Dort werden wir sehen, daß wir nicht einmal den von uns wahrgenommenen Dingen im Raum „ihnen selbst zukommende Eigenschaften“ zuordnen dürfen, und in Kapitel 8 werden wir endgültig erfahren, warum das so ist. Umso weniger dürfen wir so mit Raum und Zeit selbst umgehen. Wir werden dann auch verstehen, daß diese Begriffe eben nur die Bedingungen für alle unsere Wahrnehmungen bilden.

Der konkrete Bezug zu den brennenden Problemen der Physik besteht aber nun außer den oben angeführten nichtlokalen oder instantanen Wechselwirkungen ganz besonders auch in den mysteriösen Ergebnissen des Youngschen Doppelspaltversuches, den ich schon in Kapitel 4.1 beschrieben habe und auf den ich später (Kap. 12.3) auf der Basis der dann bekannten Ergebnisse des kybernetischen Konzeptes der Ganzheit noch einmal ausführlich zu sprechen kommen werde. Die dort beobachteten Erscheinungen, welche die Physiker in die höchste Verzweiflung getrieben und zu den phantastischsten Ausflüchten veranlaßt haben, sind gerade der Ausdruck der in der realen (Mikro-)Welt nicht vorhandenen Subjekt-Objekt-Spaltung und der nicht real vorhandenen cartesianischen Spaltung. Dieses zum „experimentum crucis“ gewordene Youngsche Experiment zeigt den Bruch zwischen den dieser Spaltung nicht unterworfenen Mikroprozessen und dem makroskopischen Beobachter-Szenarium, und dieser Bruch ist in der gegenwärtigen Physik nicht zu reparieren, er wird erst im höheren Kontext der ganzheitlichen Kybernetik behoben.

(Zitatende)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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