61- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 61 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.12 Barth und seine Auseinandersetzung mit Vertretern der ‚etablierten‘ Wissenschaft
Zitat:
3.8.2.12 Barth und seine Auseinandersetzung mit Vertretern der ‚etablierten‘ Wissenschaft
G. Barth und R. Sexl:
Univ. Prof. Roman Sexl schrieb 1974 in „Physikalische Blätter“ [Anmerkung 422: R. Sexl (1974): „Aussenseiter der Naturwissenschaften" in „Physikalische Blätter", Weinheim, 30. Jg. Heft Nr. 1]. einen kleinen Aufsatz mit dem Titel „Aussenseiter der Naturwissenschaften". Darin heisst es: „Da es kaum möglich ist, Aussenseitern die Sprache konventioneller Wissenschaft nahe zu bringen (dies würde praktisch jahrelangen Einzelunterricht verlangen), da die Autoren aus sachlichen und emotionellen Gründen nicht bereit bzw. in der Lage sind, Standardvorlesungen zu verfolgen…"
Anlass für diesen Artikel Sexls war unter anderem die Lektüre von Barths „Klassische und Relativistische Physik". Aussenseiter kommen in Sexls Artikel auch später nicht gut weg und er gibt ihnen heutzutage „kaum mehr Chancen, eine allgemeine Idee bis zu jener Reife zu bringen, die für die Anerkennung durch die Wissenschaft notwendig ist." Sexl passiert in diesem Aufsatz – nolens-volens – ein kleiner, jedoch nicht ganz unbedeutsamer Fehler, den Barth zum Anlass nimmt, massiv Stellung zu beziehen. Bei seinen Literaturhinweisen schreibt Sexl als Erscheinungsort für oben genannte Arbeit Barths nicht, wie es korrekt heissen sollte „Unter Tullnerbach", sondern fälschlich „Tullnerfeld". Das löste nun eine scharfe Reaktion Barths aus:
In „Wissen im Werden“ [Anmerkung 423: Heft 1, 2/1974] schrieb dieser: „Absicht? Irrtum? – Aus „Unter Tullnerbach" mach‘ „Tullnerfeld" …Jedes Schulkind lernt, …dass Tullnerfeld, Marchfeld, Wiener Becken, Landschaftsbezeichnungen sind und keine Orte… Dass der Herr Professor beim Erscheinungsort meiner Schrift… absichtlich einen Phantasieort angegeben hat, eine so niederträchtige Gemeinheit muss ich natürlich ausschliessen." Und Barth weiter: „In einer Unterhaltungssendung (1974) des Österreichischen Fernsehens verkündete Sexl als Physikpapst… seine Verdammungsurteile über „Amateurforscher" …Sexl machte es mit Intuition: ‚Man weiss intuitiv, dass diese Theorien falsch sind.‘ …damit erweist sich Sexl als echter Relativist: Wo normale Menschen ihren Verstand gebrauchen, da haben die Relativisten ihre Intuitionen." Und Barth schreibt weiter in Wissen im Werden 1,2/1974: „Zu diesen Aussenseitern, vor allem den (von R. Sexl in dessen Artikel in den „Physikalischen Blättern" angesprochenen) „Widerleger(n) der Relativitätstheorie"… dazu also gehören 13 Nobelpreisträger (zum Beispiel Michelson,
Wien, Nernst, Compton, Soddy, Lenard, Stark… Meinen Mitarbeitern [Anmerkung 424: Barth meint jene Autoren, die Beiträge für sein „Wissen im Werden" verfasst haben], zum Beispiel Wilhelm Müller, Professor für Theoretische Physik/München oder Prof. S. Mohorovicic, Prof. Dipl. Ing. M. Hegedusic/Zagreb, Univ. Doz. Dr. Brandenberger/Zürich, um nur einige zu nennen, die fachlichen Kenntnisse abzusprechen, wäre eine Unverschämtheit." Vom 3.11.1975 datiert ein Brief von R. Sexl an G. Barth: „Sehr geehrter Herr Barth! Herzlichen Dank für ihr Buch „Einstein widerlegt". Wenn ich Ihnen auch in vielen Punkten nicht zustimmen kann, so enthält es für mich doch – neben der Darstellung Ihres Standpunktes – zahlreiche historische Zitate, die mir wichtig sind. Mit besten Grüssen…. Sexl."
Barth reagiert in Wissen im Werden, 4/75 so:
„Da Prof. Sexl so entgegenkommend und freundlich gegen mich ist, habe ich diesen Brief abgedruckt… In seinem Vortrag „Was haben die Leute gegen die Relativitätstheorie?" hat Prof. Sexl treffende Worte über die Idealisten gesprochen, die oft ihr ganzes Leben dem hoffnungslosen Kampf gegen Einsteins Phantastereien widmen. Ich aber hoffe, durch die freundliche Unterstützung von Prof. Sexl ein paar meiner Einsteinbücher zu verkaufen.“ [Anmerkung 425: 1974 mietete Barth einen Stand am Flohmarkt in der Wiener Innenstadt (Am Hof), um auf diese Weise Propaganda für seine Ideen zu machen und den Verkauf seiner Schriften zu fördern.] In obigem Vortrag bezog sich Sexl übrigens ausdrücklich auf die Arbeiten Barths und zitierte aus folgenden Artikeln Barths: „Sexl-Galilei, Profi und Aussenseiter" „Prof. Sexl in der Zange", „Der Fall Sexl ein Skandal". Dazu Barth in „Wissen im Werden",’4/1975: „Der Vortrag hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass Prof. Sexl, so gut wie ich, weiss, dass Einsteins Theorien nicht mehr zu halten sind…" Und an anderer Stelle schreibt er: „Seit 1972 habe ich Prof. Sexl wiederholt… aufgefordert, mir den Michelson-Versuch ohne Äther zu erklären. Da ich mit meinem minimalen Einkommen… kein angemessenes Honorar bezahlen kann, wollte ich für diese Erklärung einer karitativen Vereinigung [Anmerkung 426: Der Name dieser karitativen Vereinigung ist pro mente in sanis] öS 1000.- spenden." (Schon ein Jahr zuvor hatte Barth in „Wissen im Werden", 2/74 dazu eingeladen, diesen Betrag dann zu spenden, wenn Sexl nicht imstande sei, diese Erklärung zu geben. Sexl ist niemals auf diesen Vorschlag Barths eingegangen. „Eine korrekte Ableitung der Lorentz-Transformation konnte Sexl bis heute nicht liefern.“ [Anmerkung 427: „Wissen im Werden", 1/1982]. Die Wiener Theoretische Physik musste übrigens schon weit früher ähnliche „Merkwürdigkeiten" mit teils polemischem und teils auch recht persönlichem Charakter über sich ergehen lassen: Etwa im Jahr 1950 kam es im Grossen Hörsaal des 1.Physikalischen Institutes der Wiener Universität zu einer Auseinandersetzung zwischen Prof. Hans Thirring (dem Nachfolger Erwin Schrödingers), der zu den Verteidigern der Relativitätstheorie zählte und Prof. Felix Ehrenhaft. Dieser Debatte, bei der es um Probleme der Grundlagenphysik ging, setzte Ehrenhaft ein jähes Ende, indem er – wütend seinen Schlüsselbund an einer Kette drehend – folgende Worte an Prof. Thirring richtete: „Du, Kleiner, was verstehst du denn schon von Physik…“. [Anmerkung 428: Auf Tonband aufgezeichnete Erzählung des Ohrenzeugen Reg.rat Nezbeda/Zentralbibliothek für Physik in Wien. Bei diesem Zitat handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Anspielung Ehrenhafts auf eine Äusserung, die Lise Meitner in den 30-er Jahren gegenüber ihrem Kollegen Otto Hahn gemacht hat: „Du, Hähnchen, was verstehst du denn schon von Physik…"].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe
- 16. August 2011
- Deutschsprachige Kritik der Relativitätstheorie
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