58- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 58 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Barths Unterabschnitt: 3.8.2.9 „Das Eine und das Werden- Die Dialektik der Alten Griechen"
Zitat:
Im folgenden geht Barth daran, den Nachweis des inneren Zusammenhanges zwischen diesen Dialogen zuführen. Im Abschnitt „Der Relativismus der Sophisten" finden sich Ansätze bzw. Zusammenhänge zu den späteren physikalischen Arbeiten Barths. „Das eigentliche Verdienst der Sophisten scheint mir… nicht so sehr in ihrer Methode, als vielmehr in der Erkenntnis zu liegen, dass ein Etwas an sich, für sich absolut, nicht ist, nicht sein kann. Ein Ding – wie auch der Mensch – ist nur wirklich in der Beziehung auf ein anderes Ding, auf den Menschen.“ [Anmerkung 393: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 59].
Barth stellt fest, dass mit der Verfemung der Sophistik auch deren positive Leistungen, vor allem eben der Relationismus verloren gegangen sind: „Nicht nur die Philosophie, sondern auch die Naturwissenschaften, unser ganzes Denken sind, im Gegensatz etwa zu indischem Denken, bis heute allein auf das beziehungslose Ding an sich und für sich ausgerichtet. Erst in jüngster Zeit wurde in der Logistik wieder entdeckt, dass unsere Logik… der Kategorie der Relation nicht gerecht wird.“ [Anmerkung 394: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 62].
Dass Barth dort Bestätigung für seine Lichttheorie gefunden hat, in der das Licht, wie ausgeführt, nichts anderes als eine Relation zwischen Quelle und Empfänger ist, lässt sich hier nachweisen. Barth bezieht sich auf den Dialog ‚Eutyphron‘, „wo Sokrates das Liebende vom Geliebten …unterscheidet, ohne jedoch auf die verbindende Relation zwischen beiden Teilen, die Liebe… zu kommen. Die Liebe wird vielmehr selbst als ein drittes dingliches Subjekt gesucht… Die Verbindung dazwischen, das verbindende Wirken, das Karina der Inder, bleibt unerfasst. Erst in dem Dialog „Theaitetos", der dem Satz des Protagoras („Der Mensch ist das Maß aller Dinge; der Seienden, dass sie sind, der Nichtseienden, dass sie nicht sind") gewidmet ist, findet sich „das in die Zukunft weisende neue Prinzip“. [Anmerkung 395: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 63]. An Platon kritisiert Barth in dieser seiner Schrift dessen Methode, die darin besteht, dass er jede Aussage absolut setzt: „Selbst eindeutige Relationsbegriffe, wie Grosse oder Kleinheit werden absolut… in echt platonischer Weise werden Begriffe zu Dingen hypostasiert." Und Barth urteilt: „…ein sinnloses Wortspiel mit undurchdachten Begriffen… absolut… paradox“. [Anmerkung 396: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 84].
Barth zitiert aus „Theaitetos": „Wenn du etwas gross nennst, wird es sich auch klein zeigen…" und Barth: „Aber immer folgt Platons absolute Fassung: Platon verarbeitet für seine Schule fremde Vorlagen, ohne ihren geistigen Inhalt zu akzeptieren, ohne sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Vielmehr fügt er mitten in fremdes Gedankengut seine eigenen absoluten Ideen ein, ohne Rücksicht auf das unmittelbar vorher oder nachher Wiedergegebene.“ [Anmerkung 397: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 85. Anm.: In „Platon 2" (1990) hat Barth diese Ansicht revidiert: dort hält er Platon für den „tiefsten Denker aller Zeiten"].
Später bezieht sich Barth sogar explizit auf seine spätere Lichttheorie: „Jedoch ist (die) Wirkung zwischen den Dingen physikalisch, z.B. das Licht, die Gravitation, nicht selbst wieder ein Ding, wie das bei Platon immer wieder herauskommt. Ein Ding ist nur dann wirklich, sofern es auf andere Dinge wirkt, im letzten auf die Gesamtheit der Dinge… Unser Denken reicht nicht zu, auch nur ein Ding in allen seinen wirkenden Beziehungen zu erfassen…“ [Anmerkung 398: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 91].… die Gedanken des Fremden aus Elea fortführend. Seine Hauptaufgabe sieht Barth in dieser Arbeit jedenfalls darin, zu zeigen, wie die griechische Philosophie das Problem des Überganges vom Sein zum Werden bewältigt, „indem sie vom Absoluten lässt und Sein ebenso wie Nichtsein relativiert. Für Platon ergibt sich daraus das Problem, wie in einer Welt, die im ständigen Fliessen sich ändert, Erkenntnis möglich ist. Nach Parmenides ist das Absolute, das, unveränderlich, nichts erleiden kann, eben deshalb auch unerkennbar. Platon hingegen setzt sich immer wieder über diese Einsicht hinweg und fordert, als Voraussetzung jeder Erkenntnis, die absoluten unveränderlichen Ideen, die er zu für sich seienden Gedankendingen hypostasiert.“ [Anmerkung 399: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 92].
Platon will, meint Barth, nur das Denkbare als in Wahrheit seiend setzen und er ist bestrebt, es völlig absolut, göttlich zu machen. Die Ursache liege darin, dass für den Aristokraten Platon materielle Dinge verachtenswert erscheinen. „Sowohl das bleibende Allgemeine, im Denkbaren, wie im Wahrnehmbaren, wie auch das stets Wechselnde, im Denkbaren wie im Wahrnehmbaren, ist weder absolut noch ist es nicht. Hier die beiden Extreme zu vermeiden, …ist das Ziel der griechischen Dialektik wie sie von den Pythagoräern, Heraklitäern, Sophisten und Eleaten entwickelt wurde. Sie sahen das Wirkliche in seinen unlösbaren Relationen.“ [Anmerkung 400: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 94].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe
- 4. August 2011
- Deutschsprachige Kritik der Relativitätstheorie
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