49- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 49  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.5 Barth und das Wirkungsquantum

Zitat:
3.8.2.5 Barth und das Wirkungsquantum
Barth sieht die Hauptaufgabe der modernen theoretischen Physik in dem Bemühen, zu ihren mathematischen Weltkonstruktionen eine physikalische Welt zu erfinden; diese Hauptaufgabe übersteige allerdings ihre Kräfte bei weitem [Anmerkung 338: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 193]. Die Grosse des Planck’schen Wirkungsquantums wurde nach Barth „zu einem Absoluten gemacht: Sie sollte die absolut kleinste Energiemenge sein, die es in der Natur gibt. Erkenntnismässige  Bedenken, etwa nach dem Muster der Eleaten, hatte Planck bei dieser Fest­setzung offensichtlich nicht. Dass es im Kleinen kein Kleinstes gibt, sondern immer noch ein Kleineres, diese Erkenntnis des Anaxagoras ist dem sonst so philosophischen Mathematiker kein Anlass zu Bedenken.“ [Anmerkung 339: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 194].

„Nach unserer Auffassung ist die Ener­gie die physikalische Wirkungsform eines jeden materiellen Körpers; oder genauer: die Energie ist eine Relation zwischen den Körpern, der Körper gegeneinander. Da die Körper endlich, begrenzt, sind, so müssen auch die Energien zwischen ihnen endlich, begrenzt, sein.“ [Anmerkung 340: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 196]Barth ist der Auffassung, Planck gebühre zwar das Verdienst, das Wirkungsquantum entdeckt zu haben, aber er hätte „Probleme mit dem philoso­phischen Beiwerk“. Und Barth beginnt nun seine eigene Deutung des Auftretens von Wirkungsquanten beim elementaren Strahlungsakt. Er stellt fest, dass die rein formale Beziehung zwischen der kinetischen Energie der Elektronen und dem eingestrahlten Licht, die gefundene Grössengleichheit E = h.v [Anmerkung 341: E…Energie, h…Wirkungsquantum, v…Frequenz] zu einer physikalischen Identität gemacht wurde. Einst ein erklärte, dass das Licht von nun ab… kein Kontinuum sei, sondern aus diskreten unveränderlichen Lichtquanten bestehe, aus den Photonen. Dass er damit seine relativistische Feldkontinuumstheorie in Schwierigkeiten brachte, schien nicht von Bedeutung… Nur kleine Geister sehen darin Widersprüche…“  [Anmerkung 342: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 199]. Nach Barth ist die Formalisierung zwar notwendig und für den Fortschritt unerlässlich; …doch kann sie nicht am Anfang stehen. Zunächst müsse in einer Realwissenschaft ein realer Ge­genstand gegeben sein; sodann müsse dieser Gegenstand „geistig erfasst, erworben und verarbeitet werden. Erst nach dieser Rationalisierung kann die zweckmässigste Form gesucht werden… Eine Formalisierung ohne vorausgehende Rationalisierung ist not­wendig ein Unding.“ [Anmerkung 343: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 204]. Diese Feststellung bildet den lapidaren Schluss dieses Kapitels.

Auch wenn Barth über den mechanischen Elektromagnetismus spricht, kritisiert er die mathematische Theorie, die stets dazu neigt, „Grössengleichheit und Identität zu vermengen… Gleich grosse, aber verschiedenartige Dinge, werden gleichartig. Dadurch wird selbstverständlich die Rechnung wesentlich vereinfacht. Die Natur bleibt davon unberührt. Jeder materielle Körper kann gegen einen anderen… ein elektrisches Poten­tial haben. Die elektrische Energie besteht wie jede andere Energie in einer Relation zu einem anderen materiellen Körper. Die Elektronentheorie verselbständigt aber diese Energie, sie wird materialisiert, zu einem Konkretum, das in positiver oder negativer Form auftritt. In Wirklichkeit hat positiv und negativ nur Sinn in bezug aufeinan­der.“ [Anmerkung 344: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 210]. In Auseinandersetzung mit der modernen Atomtheorie übt Barth ebenfalls grundsätzliche Kritik: „Postulate, Verbote, Gebote, sind nur… leere Worte. Sie bedeu­ten nicht mehr als: Ich weiss nicht warum. Der anschauliche Zusammenhang zwischen den Bohrschen Postulaten und der Lichtstrahlung bietet nicht mehr Aufklärung als der Zusammenhang zwischen dem Donnergott und Blitz und Donner.“ [Anmerkung 345: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 224]. Zur Be­schreibung der Phänomene muss eine mathematische Funktion, die häufig eine dis­kontinuierliche Reihe ist, gefunden werden, welche den gestellten Bedingungen gerecht wird. Dazu Barth: „Entspricht der eine oder andere Wert nicht der Wirklichkeit, so wird er zunächst als verboten erklärt, um dann durch eine neu aufgestellte Funktion zu beweisen, dass es nicht anders sein konnte.“ [Anmerkung 346: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 225]. Barth meint, dass das ständige Einführen immer neuer Quantenbedingungen mit Physik längst nichts mehr zu tun hätte: „Nur die Nomenklatur ist physikalisch und selbstverständlich sind die Rechen­ergebnisse mit den physikalischen Beobachtungen in voller Übereinstimmung.“ Und Barth fordert: „Kehren wir zurück von diesem phantastischen Hexentanz. Sehen wir ab von dem …eigenschafts­losen Atom. Wir kehren damit zurück zum wirklichen Atom, einem wirklichen Element der wirklichen Welt.“ [Anmerkung 347: G. Barth: „Rationale Physik“, S. 226].

(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe  

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