47- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 47 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).
Zitat:
Barth sieht im mathematischen Modell darüber hinaus auch eine extreme Vereinfachung – selbst in den kompliziertesten Formen, weil das Modell nur ganz wenige Grössenrelationen wiedergibt. „Stellen wir dem gegenüber die unbegrenzte Mannigfalt der Natur, so muss es höchst sonderbar erscheinen, wenn man in diesen ausgewählten Grössenrelationen das Wesen der Natur überhaupt sehen will.“ [Anmerkung 317: G. Barth, Rationale Physik, S. 100].
Barth entdeckt u. a. auch bei Kant eine gravierende Schwäche, die seiner Ansicht nach darin besteht, „dass er die Mathematik maßlos überschätzt, wenn er erklärt, eine Wissenschaft sei nur insoweit Wissenschaft, als sie Mathematik enthalte.“ [Anmerkung 318: G. Barth, Rationale Physik, S. 103].
Bekanntlich spricht ja auch Descartes mit Verachtung von den „unkritischen Rechnern“: „Denn es gibt in der Tat nichts Törichteres, als sich mit blossen Zahlen und eingebildeten Figuren zu beschäftigen, …dass man sich dabei… des Gebrauchs der Vernunft selbst entwöhnt.“ [Anmerkung 319: G. Barth, Rationale Physik, S. 104]. Barth zum Verhältnis von Materie und Energie: „Was wir wahrnehmen, sind …energetische Wirkungen der Körper. Nur diese sind uns direkt zugänglich. Diese Energien wirken auf das Ich.“ [Anmerkung 320: G. Barth, Rationale Physik, S. 128].
Barth konstatiert, dass der Einführung der energetischen Betrachtungsweise in die Physik heftiger Widerstand entgegengesetzt wurde. Sonderbarerweise soll auch Mach zu den Gegnern gehört haben, wie Max Planck schreibt: „Noch Ernst Mach, der sich vielfach mit dem Satz der Erhaltung der Arbeit beschäftigt hat, der aber allen über das Gebiet der Beobachtung hinausgehenden Spekulationen grundsätzlich aus dem Weg ging, hat es stets vermieden, von der Energie selber zu sprechen.“ [Anmerkung 321: G. Barth, Rationale Physik, S. 131].
Barth selbst bekennt sich auch hier wieder zur Energetik: „Ein Einzelkörper kann weder eine Bewegung noch eine Energie haben. Bewegung und Energie eines Körpers in einem Bezugssystem sind abstrakte Fiktionen. Ein Einzelkörper kann daher auch keine kinetische Energie haben… Nur wirkliche Körper, die sich gegeneinander bewegen, haben wirkliche kinetische Energien. Die Grosse dieser Energie ist durch die Masse der Körper und ihre gegenseitige Geschwindigkeit bestimmt… Jeder Körper steht mit jedem Körper in Wechselwirkung.“ [Anmerkung 322: G. Barth, Rationale Physik, S. 140, 141].
Was die Übertragung von Wirkungen betrifft, so anerkennt Barth die Lichtgeschwindigkeit als Grenzgeschwindigkeit der Wirkungsvermittlung. Dies sei aber auch nichtrelativistisch nachzuweisen – sogar Einstein selbst hat dies getan – und so sei die Relativitätstheorie also keineswegs bewiesen. „Die Entdeckung der relativen Grenzgeschwindigkeit c ist ein äusserst wichtiger Fortschritt in der Erkenntnis der Natur. Sie ist jedoch kein… Anlass zu einer Revolution unseres Denksystems.“ [Anmerkung 323: G. Barth, Rationale Physik, S. 145].
Im Kapitel „Die Relativität der Masse“ geht Barth auf die „berühmte Einsteinsche Masseformel“ ein: er meint, es könne durchaus nicht von einer Einstein’schen Formel gesprochen werden und verweist zunächst auf die Arbeiten Hasenöhrls und dessen „klassischer Ableitung“ der Gleichung E = m.c² für einen Fall aus der Dynamik – für den Strahlungsdruck. [Anmerkung 324: Erstveröffentlichung 1904 in „Zur Theorie dynamisch bewegter Systeme“, erschienen in den Sitzungsberichten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe