45- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 45  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).

Zitat: 
Barth wirbt für seine „Rationale Physik“ in „Wissen im Werden“(Heft 1988 A): „Die Weite der philosophia naturalis von Newton wurde in den folgenden Jahrhunderten von Mathematikern in der Höheren Mechanik immer weiter auf wenige Rechenaufgaben ein­geengt. Vor hundert Jahren begann die Krise der Physik mit dem Michelson-Versuch und mit der Entdeckung der strahlenden Materie. Die enge Basis der mechanistischen Physik musste bei diesen Neuerungen versagen. Unser Jahrhundert, bestimmt durch die totale Zensur der Relativisten, brachte nur immer neue mathematische Konstruk­tionen; jede Verbindung zur physikalischen Wirklichkeit ging verloren. Die Rationale Physik bringt… eine auf den Grund gehende kritische Auseinandersetzung mit den Problemen der modernen Theorie.“ [Anmerkung 303: G. Barth (1962): „Rationale Physik“, S. 4]

Im Vorwort bedauert Barth, dass Hegel kaum Einfluss auf die Naturwissenschaften der Gegenwart genommen hat: „Gerade die Einheit in der Vielheit und umgekehrt, das Zusammenwirken von allem mit allem, …hat Hegel in den allgemeinsten Katego­rien entwickelt… Um ein Ding zu erforschen, müssen wir es in Teile zerlegen. Doch nicht weil dies die ideale Methode der Forschung ist, sondern weil unser Geist noch nicht imstande ist, ein Ganzes als Ganzes zu erfassen. Aus der Unvollkommenheit unseres Intellekts folgt die Notwendigkeit der Analyse. Darüber dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Natur nicht aus Teilen zusammengesetzt ist, sondern dass wir nur künstliche Teile aus dem Ganzen heraustrennen. [Anmerkung 304: G. Barth (1962): „Rationale Physik“, S.10. Anm.: Dieser Gedanke erinnert an eine Äusserung Nietzsches. In der „Fröhlichen Wissenschaft“ schreibt der Philosoph vom „zerstückelnden Verstand“ und meint, dass „in Wahrheit ein Kontinuum vor uns“ stünde.] ..…Wenn man dann überdies diese künstlich abgetrennten Teile in ein aussernatürliches Jenseits verlegt, wie es die Atomtheorie… tut, dann ist der Phantasie freier Lauf gegeben.

Damit wird die Theorie zur Metaphysik. Die Atome und ihre Teile bleiben davon unberührt…“ [Anmerkung 305: G. Barth, Rationale Physik, S.10]. Barth ent­wickelt dann Schritt für Schritt – ausgehend vom Zustand der Physik in der Mitte des 19.Jahrhunderts, wie und warum es nach dem Zusammenbruch der mechanistischen Weltauffassung zur Krise der Theorien kam und er beruft sich auf Planck, der im Jahr 1939 die Auffassung äusserte, das „physikalische Weltbild (hätte) von vornherein nur eine Bedingung zu erfüllen, dass es in allen seinen Teilen logisch widerspruchsfrei ist. Sonst ist dem Bildner… freie Hand gelassen… und er braucht seiner Einbildungskraft keinerlei Zwang auferlegen.“ [Anmerkung 306: Zitiert nach G. Barth, Rationale Physik, S.13].

Barth kritisiert nun die „krasse Unlogik“ der folgen­den Äusserung Plancks, die in „Wege zur physikalischen Erkenntnis“ im Jahr 1930 erschienen war: „Die beiden Sätze: Es gibt eine reale, von uns unabhängige Aussenwelt, und: Die reale Aussenwelt ist nicht unmittelbar erkennbar, bilden zusammen den Ausgangspunkt der ganzen physikalischen Wissenschaft.“ Barth meint dazu: „Solchen unbekümmerten Kühnheiten gegenüber steht die realistische Auffassung, dass die Na­tur objektiv real gegeben ist, dass wir mit unseren Sinnen zwar nicht die ganze Natur, aber doch die Natur selbst erkennen können…unabhängig von unserem Willen.“ [Anmerkung 307: G. Barth, Rationale Physik, S.14]. Gelegentlich wird seitens physikalischer Theoretiker derart argumentiert: Da man mit den bekannten Gesetzen die neuen experimentellen Beobachtungen nicht mehr erfassen kann, ist ein rationale Deutung des Naturgeschehens schlechthin unmöglich.

Barth: „So wird denn nicht die Physik umgebaut, sondern die Logik „erweitert“. Die Kausalität, die Begriffe Raum und Zeit, die Naturgesetzlichkeit überhaupt werden revolutionär umgeformt und den jeweiligen Tagesproblemen angepasst.“ Barth ist der Auffassung, man solle nicht so sehr von einer Krise der Physik, als vielmehr von einer Krise der Theorie sprechen und er stimmt Blochinzew zu, der äusserte: „Die Quantenmecha­nik und die Relativitätstheorie hatten einen bestimmten Erfolg bei der Erklärung der Erscheinungen der Physik hoher Energien, aber er war doch sehr begrenzt.“ [Anmerkung 308: G. Barth, Rationale Physik, vgl. S. 23]. Im Ka­pitel „Beginn und Voraussetzungen der Naturwissenschaft – die Rationalisierung“ geht Barth von den Alten Griechen und ihren Vorläufern aus: „Keinesfalls können wir… den Mythos an den Anfang des menschlichen Denkens überhaupt stellen. Dies ist eine Frage, die für gewisse Tendenzen in der modernen Physik besondere Bedeutung er­langt… indem sich das Denken vom mittelbar Gegebenen ablöst und in einer durch die Wirklichkeit unkontrollierten Weise das Gedachte fortentwickelt, entsteht der Mythos. Die Grenze zwischen Wirklichem und Gedachtem wird verwischt.“ [Anmerkung 309: G. Barth, Rationale Physik, S. 26].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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