41- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 41  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).

Zitat: 
Zum Thema „Naturbeschreibung und Naturerklärung“ führt Barth in Hinblick auf die Vorliebe der Relativisten für „kühne Behauptungen“ als Beispiel den Newtonschen Eimerversuch an (Newton dreht einen an einer Schnur hängenden, mit Wasser gefüllten Eimer: dadurch steigt das Wasser infolge der Zentrifugalkraft am Rand in die Höhe); „die Relativisten behaupten dagegen, dass man auch bei diesem Experiment nicht un­terscheiden könne, ob sich das Wasser bewegt oder das Laboratorium. Zum Beweis dieser Behauptung schlagen sie einen Gegenbeweis vor: Man hänge wieder einen Ei­mer mit Wasser auf. Doch wird diesmal der Eimer festgehalten und dafür das ganze Weltall um ihn herumgedreht“ Wieder zeige sich der gleiche Effekt. „Zwischen bei­den Versuchen besteht allerdings ein grundlegender Unterschied: Newton hat seinen Eimer wirklich aufgehängt und gedreht. Die Relativisten drehen das Weltall nur in Gedanken.“

Ebenso gehöre zur Allgemeinen Relativitätstheorie die Behauptung, dass Gravitation und Beschleunigung nicht unterscheidbar seien. Zur .Veranschaulichung der Gleichheit von Beschleunigung und Gravitation wird als Beispiel ein fahrender Aufzug angeführt. Barth: „Wie will man aber diese Erklärung mit dem Ablauf der Zeit vereinen? Wenn sich der Aufzug mit… gleicher Beschleunigung bewegt, so wächst seine Geschwindigkeit immer weiter. Wo soll das enden? …Dem gegenüber ist die Massenanziehung, wenn die Körper in gleicher Entfernung von einander bleiben, ein Zustand ohne Energieumsetzungen… die Gleichsetzung von Beschleunigung und Gra­vitation kann auch in der Relativitätstheorie, wie Fock gezeigt hat, nur für kleine Räume gelten.“ [Anmerkung 269: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 93].

Barth wirft der Relativitätstheorie auch vor, dass sie lediglich eine beschreibende Theorie sei, die uns keine Naturerklärung gebe. Sie würde uns z.B. nicht sagen, warum sich Längen und Zeiten je nach der Bewegung des Messenden ändern würden: „Die Änderung der Längen und Zeiten in der Relativitätstheorie ist kausal nicht zu begründen, sondern nur final. Die Welt verändert sich entsprechend der Lorentztransformation zu dem einen Zweck, dass das Postulat der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit erfüllt werde.“ [Anmerkung 270: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 94]. Der Einwand, dass die Folgerungen aus der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit jeder Erfahrung und dem gesunden Men­schenverstand widersprechen, hat nach Barth für den Relativisten kein Gewicht. Wenn Theorie und Natur nicht übereinstimmen, umso schlimmer für die Natur… „Kommt dann unser Verstand nicht mit, so ist es wieder schlimm für ihn.“ Barth hat in dieser Schrift auch zu zeigen versucht, dass alle durch die Relativitätstheorie erklärten Natur­erscheinungen auch ohne die absolut konstante Lichtgeschwindigkeit zu erklären seien. „Der Zusammenhang zwischen Masse und Energie folgt daraus, dass auch Träghkeit und Schwere nicht Materie an sich, sondern nur Formen der Energie sind“ Weiters hat Barth Einsteins Behauptung, man könne nur relativistischen Zeiten, und zwar nur durch reversierende Lichtsignale, messen, „widerlegt durch die Einführung der Zeitmes­sung mit Hilfe der Systembewegung, die von der Lichtbewegung unabhängig ist.

Durch die Systembewegung gelingt es, Zeiten und Längen von einem System in ein anderes zu übertragen, ohne jede Kontraktion, Dilatation oder sonstige Veränderung, wie sie für die absolut konstante Lichtgeschwindigkeit gefordert werden. Diese Längen und Zeiten entsprechen vollkommen den Vorstellungen der klassischen Physik, sie gelten „absolut“, unabhängig von Bewegungen und Entfernungen. Barth argumentiert, dass es zwar im Raum keine bevorzugten Richtungen gebe, dass aber dagegen die Richtung des Zeitlaufes unabhängig vom jeweiligen Standpunkt, durch die Aufeinanderfolge von vorher und nachher gegeben sei. Beide stünden einander nicht mehr gleichwertig ge­genüber, denn: „…nur eine Richtung ist wirklich. Die Gegenrichtung ist nicht wirklich, ja auch nicht denkbar. Da nun jedes Wirken von Kräften, überhaupt das gesamte Naturgeschehen eine Funktion der Zeit ist, ist auch jedes Wirken von Kräften, jeder Vorgang in der Natur eindeutig gerichtet….hier gibt es keine Relativität. Von keinem Standpunkt aus kann der Donner vor dem Blitz…geschehen.“ Mit der „mathematischen Zeit“ verhalte es sich allerdiings anders, meint Barth. Hier gäbe es kein Hindernis, die Richtung umzukehren.

Die Zeit wird zu einer rein geometrischen Grosse und kann nach den Gesetzen der Geometrie beliebig transformiert werden: „Die mathematische Zeit ist relativ. Die Relativitätstheorie behauptet darum mit Recht di$ uneingeschränkte Relativität aller Naturerscheinungen. Allerdings haben, dies übersieht die Theorie, solche mathematischen Setzungen nur Gültigkeit für den Bereich der Mathematik. Sie sind aber nicht imstande, die Lichtgeschwindigkeit in der Natur konstant zu machen.“ Barth schliesst diese Arbeit mit der Bemerkung: „Dieser Relativismus ist der Surrea­lismus in der Wissenschaft, Symptom unserer geistigen Situation. Die Entwicklung der Natur wird auch diese Stufe überschreiten.“ [Anmerkung 271: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S.98]. Dies schrieb Barth 1954 im Alter von 42 Jahren.

(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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