40- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 40 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).
Zitat:
Die Relativitätstheorie kennt keine absolute Gleichzeitigkeit, da man sie in keiner Weise feststellen kann. Dazu Barth: „Es ist immer gefährlich zu behaupten, dass es etwas nicht gibt, ob es sich nun um Bazillen, Dinosaurier oder um die Gleichzeitigkeit handelt. Beweisen lässt sich natürlich eine solche Behauptung nicht ….. [Anmerkung 263: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 60].…Unsere Aufgabe besteht nun darin, zu zeigen, dass es ausser den relativistischen Uhren, deren Gangunterschiede wir nicht kontrollieren können, und ausser den relativistischen Licht Signalen, deren Geschwindigkeit immer konstant sein soll, dass es also ausser diesen beiden Zeitmessmethoden noch andere… gibt, die Zeit zu messen.“ Barth bietet sodann eine Alternative an und fasst zusammen: „Das Ergebnis dieser Überlegungen ist einfach. Wenden wir zur Zeitbestimmung nicht die als absolut konstant postulierte Lichtgeschwindigkeit an, sondern die jeweils relative Geschwindigkeit von Körpern oder Bezugsystemen, so kommen wir zu absoluten Zeiten, das heisst eben zu Zeiten, die unabhängig sind von der jeweiligen relativen Bewegung zwischen gemessenem Ereignis und Beobachter, und ebenso unabhängig sind von räumlichen Distanzen.“ [Anmerkung 264: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 69].
Die Behauptung der „Relativisten“, es gebe keine andere Möglichkeit, Zeiten von einem System in ein anderes (dagegen bewegtes) System zu übertragen, als durch die Anwendung von Lichtsignalen, ist nach Barth unrichtig. „Wendet man aber zur Zeitbestimmung Lichtstrahlen mit absolut konstanter Geschwindigkeit an, dann ergibt sich allerdings die Notwendigkeit, die Zeit zu relativieren. Durch Anwendung der Lorentztransformation wird auf diese Weise mathematisch formell die absolute Konstanz der Lichtgeschwindigkeit herbeigeführt. Es ist klar, dass sich damit in der Natur selbst noch gar nichts ändert. Die Zeit wäre nur dann relativ, wenn die Lichtgeschwindigkeit wirklich absolut konstant wäre. Aus der Anwendung von Lichtsignalen allein folgt natürlich noch nicht die Relativierung der Zeit. Ist das Einstein’sche Postulat der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit aber unbegründet und… falsch, dann kann man selbstverständlich auch mit Lichtsignalen nur absolute Zeiten messen.“ [Anmerkung 265: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 73].
Dass das Einsteinsche Postulat nur zur Hälfte auf Beobachtung, zur anderen Hälfte aber auf einer fiktiven Lichtgeschwindigkeit in einem hypothetischen Medium beruht, demonstriert Barth in dieser Schrift ausführlich. Im Abschnitt „Kritik der Folgerungen“ des Buches „Klassische und Relativistische Physik“ (also dem Vorläufer von „Antirelativus“) liefert Barth sein wissenschaftliches Glaubensbekenntnis: „Nicht die Zweckmässigkeit kann letztes Kriterium einer Theorie sein, sondern nur ihre Wahrheit, ihre Übereinstimmung mit Vernunft und beobachteter Natur. Wenn wir also die Grundlagen der Relativitätstheorie für willkürlich und daher für falsch erklären, so wäre es an sich überflüssig, ihre Folgerungen im einzelnen zu untersuchen…“ [Anmerkung 266: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 73].
Nach Aufzählung mehrerer, häufig diskutierter Folgerungen übt Barth nun Kritik an der gesamten neueren mathematischen Physik: „Wer nicht mitkommt, wird nur bedauert. Psychologisch ist diese Entwicklung äusserst interessant. Zunächst versteht der Schüler kein Wort von der Relativitätstheorie. Aber schliesslich packt er doch irgendwo einen Zipfel. Damit fühlt er sich als Mitwisser des grossen Arcanums. Wie sollte er auf den Gedanken kommen, dass etwas, das so schwierig zu verstehen ist, dieses Geheimnis, durch das er weit über die Menge der Nicht wissenden erhoben ist, falsch sein könnte? Jedes Geheimnis, und sei es noch so unsinnig, hat eine magische Wirkung. Wir haben uns damit abgefunden, dass man die Natur nicht verstehen kann; denn selbst die Wissenden versichern uns, dass sie die Natur zwar berechnen, aber nicht verstehen.“ [Anmerkung 267: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S. 81]. Barth ist der Überzeugung, dass es stets Dinge geben wird, die wir noch nicht wissen, dass es aber keinen Teil der Natur gibt, den wir prinzipiell nicht verstehen können. Hier hätten wir noch nicht die Grenze des Möglichen erreicht. Der Relativismus hätte uns so sehr erfasst, dass man vielfach eine Unterscheidung zwischen wahr und falsch überhaupt für unmöglich hält. [Anmerkung 268: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, vgl. S. 89].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe