38- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 38 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).
Zitat:
3.8.2.4 Barth und die Relativitätstheorie Einsteins
Breiteren Kreisen wurde Barth als „Aussenseiter der Wissenschaft“ auf Grund seiner leidenschaftlichen Ablehnung der Relativitätstheorie Einsteins bekannt. Es gibt kaum ein Heft seiner wissenschaftskritischen Zeitschrift „Wissen im Werden“, in dem nicht mindestens ein Artikel zu finden wäre, der sich kritisch mit der Relativitätstheorie auseinandersetzt. Schon während seines ersten Physikstudiums wollte sich Barth nicht mit den, wie er später immer sagt „magischen und paradoxen“ Grundlagen und Folgerungen von Einsteins Arbeiten abfinden. So erscheint es verständlich, dass Barth nicht nur wegen seiner Ablehnung wichtiger Grundpfeiler der etablierten Wärmelehre, sondern auch wegen seiner Einsteinkritik und seiner Zweifel an der Rationalität dieser Theorie mit seinen Lehrern in Konflikt kam und sich auf diese Weise – wohl zu früh -in die Rolle des Aussenseiters manövrierte.
Einfach nur erlerntes Wissen zu reproduzieren, schien Barth nicht der richtige Weg zu sein, um zu Erkenntnis zu gelangen; aber diese Einstellung versperrte ihm zugleich auch den Zugang zum regulären Wissenschaftsbetrieb. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, die näheren Umstände zu untersuchen, auf welche Weise Barths Universitätslehrer im einzelnen auf dessen kritische Position reagierten; einfach dürfte es jedoch nicht zugegangen sein; zählte doch zum Beispiel der seinerzeitige Vorstand des Instituts für Physik, Uni v. Prof. D r. Felix Ehrenhaft zu Barths Lehrern und dieser war wohl einer der erklärtesten Einsteingegner. Anderseits war aber Univ. Prof. Hans Thirring (ebenfalls einer von Barths Lehrern) sowohl Einsteinfachmann, als auch Einsteinfreund.
Die erste grössere Arbeit Barths, die sich systematisch mit der Kritik der Relativitätstheorie auseinandersetzt, ist sein Buch „Klassische und relativistische Physik“, erschienen in seinem Verlag Wissen im Werden und von Barth selbst im Buchdruck in Untertullnerbach hergestellt, erschien in einer späteren Auflage auch unter dem Titel „Antirelativus“. Mangels eines Verlegers ging Barth also 1954 daran, sein Buch eigenhändig zu setzen und mit einer „antiken“ Tiegeldruckpresse auch selbst zu drucken. Im Vorwort schreibt er: „…auch zu anderen Zeiten war die Wissenschaft in Not“ und erinnert an Galilei; „da habe ich die Sache selbst in die Hand genommen und mir die nötigen Buchstaben gekauft (Lettern, Setzkasten)… Absätze aufnageln und drucken sollte man zumindest in den Gymnasien lehren, um die Not der Wissenschaft doch etwas zu mildern“ [Anmerkung 253: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S.3] und er schreibt weiter: „…hätte Einstein seine Theorie nicht aufgestellt, wäre auch dieses Büchlein (104 Seiten) nicht geschrieben worden.“ [Anmerkung 254: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S.3]. Zum Schluss des Vorwortes heisst es: „Es sind immer die gleichen alten und ewig neuen Fragen, die wir immer wieder neu zu lösen haben. Licht, Energie und Materie, Raum und Zeit, von unserem heutigen Standpunkt sollte ein Weg in die Zukunft gewiesen werden.“ [Anmerkung 255: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S.4]. Barth beginnt seine Auseinandersetzung mit dem Aufzeigen der historischen Entwicklung, dass nämlich die Relativitätstheorie aus dem Problem der Lichtbewegung entstanden war. Die Relativitätstheorie erscheint Barth zunächst ein möglicher Ausweg aus der Krise zu sein. Die Schwierigkeit, die Barth mit dieser Theorie hat, bezieht sich auf die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: „Tatsächlich liegt der Ursprung der Relativitätstheorie in dem Einsteinschen Postulat von der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Dieses Postulat geht weit über das klassische und somit auch über das Einsteinsche Relativitätsprinzip hinaus“. [Anmerkung 256: G. Barth (1954): „Relativistische und Klassische Physik“, S.24].
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe