35- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 35 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).
Zitat:
Der Joule-Thomson-Effekt:
Das ideale Gas, erläutert Barth, folgt der Isotherme von Boyle und Mariotte. Wirkliche Gase zeigen bei Entspannung eine Abkühlung, den Joule–Thomson-Effekt (1853)… Dieser Effekt bringt erst unter einer ganz bestimmten Temperatur, der sog. „Inversionstemperatur“ eine Abkühlung. Oberhalb dieser Temperatur erwärmt sich das Gas bei seiner Expansion (!) – entgegen der Theorie. Barth kritisiert auch hier die Schulphysik: „Da geht man diskret über diese Tatsache hinweg… die schöne Geschichte von der adiabatischen Abkühlung bei Expansion passt gut in die Theorie, sie wird aber durch das Experiment widerlegt.“ [Anmerkung 242: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 52].
Barth setzt seine Kritik fort: „Beim idealen Gas gibt es jedenfalls keine Adiabate … die mathematischen Kreisprozesse behandeln abstrakt ideale Gase. Dennoch verwenden sie die Adiabate, die es beim idealen Gas nicht gibt.“ [Anmerkung 243: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 52]
3.8.2.3 Barth und der 2. Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie
„Die Wärme ist …nicht Abfall aller energetischen Umsetzungen, sondern vielmehr ihre primäre Quelle. Nur ein naturfremder Theoretiker kann das Auf und Ab in der Natur übersehen, den Wechsel von Vergehen und Entstehen. Energetisch ausgedrückt: Potentiale der einen Energie gleichen sich aus, Potentiale einer anderen Energie werden durch den Ausgleich vergrössert… also wieder: Potentiale gleichen sich aus. Das gilt nach Barth für jede Form der Energie, und speziell eben auch für die Wärmeenergie… aber nur ein für die Wirklichkeit der Natur Blinder kann die andere Seite übersehen, das gleichzeitige Entstehen und Anwachsen von Potentialen anderer Energieformen… das vollkommen verlustfreie Funktionieren der kinetischen Gastheorie, nach der die verschiedenartigsten Moleküle einem abstrakten mathematischen Schema folgen, das die gesamte Mechanik auf die elementaren Gesetze des idealen elastischen Stoßes reduziert, das übertrifft alles, was je an science fiction erdacht wurde.“ [Anmerkung 244: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 54]
Zur Kritik der kinetischen Gastheorie:
Nach Barth zählt die kinetische Gastheorie zum Kuriosesten, was die abstrakte mathematische Theorie produziert hat. Diese Theorie wüsste wohl zwischen Flüssigkeiten und Gasen zu unterscheiden; worin aber solle ihr „Unterschied bei der kritischen Temperatur bestehen, wenn Flüssigkeit und Gas die gleiche Dichte haben?“. Das Problem sieht Barth unter anderem auch darin, dass die Theorie nicht wirkliche Moleküle betrachtet, sondern lediglich „ideale Massepunkte“ [Anmerkung 245: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 56f]
Makrophysikalische Atome und Moleküle:
Barth argumentiert, dass dagegen die These, dass Atome und Moleküle genauso physikalische Körper seien, wie alle anderen physikalische Körper, sehr einfach sei; dass also nicht von mathematischen Punkten gesprochen werden dürfe, denen man, wie Barth sagt, nach Bedarf physikalische Grossen zuordnet. „Der naive mechanistische Atomismus, ebenso wie die kinetische Gastheorie, bewegen das absolut Volle im Absolut Leeren. Für diese primitiven mechanistischen Materialisten gibt es nur Druck und Stoss als physikalische Wirklichkeit. Damit wird die Basis der Physik aufs Äusserste reduziert.“ [Anmerkung 246: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 58]
Für Barth ist also die Annahme plausibler, dass sich Moleküle fester Körper angenähert wie feste Körper verhalten, die Moleküle der Flüssigkeiten aber das Verhalten von Flüssigkeiten, also keine Formelastizität zeigen. Moleküle von Gasen zeigen ebenfalls keine Formelastizität und bieten einer Volumsverkleinerung nur geringen Widerstand. Die Veränderungen, die als Funktion der Temperatur vor sich gehen, sind nicht Änderungen einer mechanischen Bewegungsenergie, sondern Änderungen der thermischen Energie und ihrer Parameter. „Wärmeenergie ist nicht mechanische Energie… Die mathematischen Theoretiker wollten Mayer nicht verstehen.“ [Anmerkung 247: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 59]
Wärmekraftmaschinen, deren Wirkungsgrad und die Temperatur:
„Nach der falschen Formel von Clausius“, schreibt Barth „mit absoluter Nulltemperatur, war der Wirkungsgrad einer Maschine nur dadurch zu verbessern, dass man die obere Temperatur des Arbeitsmediums erhöhte“ [Anmerkung 248: G. Barth. „Wirkungsgrad und absolute Temperatur“, Wissen im Werden 11/1975, vgl. S. 70].
Die Temperatur ist aber nach Barth nur ein Kriterium für den Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen, keineswegs jedoch das wichtigste: „Einen entscheidenden Forstschritt konnte F. Lösel dadurch erzielen, indem er die Treib- und Umlenkräder der Dampfturbinen sehr schmal gestaltet…“ 1923 erhöhte Lösel den Dampfdruck seiner Turbinen auf 30 at. Damit konnte eine Brennstoffersparnis von etwa 40% erzielt werden… Die Maschine arbeitete bei einer Dampftemperatur von 235 Grad Celsius.
(Zitatende, Fortsetzung folgt)
Beste Grüße Ekkehard Friebe