32- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 32  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).

Zitat:

Barth versuchte, seine bis dahin zusammengetragenen Erkenntnisse in seinem Buch „Rationale Physik“(1962) zusammenzufassen.
Das Wesentliche dieser Arbeit war, zusammengefasst, dass die Natur nicht einen materiellen, substantiellen Untergrund hat. Das Sichtbare sind Abfolgen von Ereignissen, die irgendwie miteinander in gesetzli­chem Zusammenhang stehen. Wir sind aber nicht imstande, mehr als dies festzustel­len. „Meine Schwierigkeit war immer, dass ich gegen die Lehrmeinung stand. Und da kamen mir natürlich oft Zweifel, ob mein Denken richtig sei…deshalb beschäftigte ich mich dann mit Logik und Dialektik.“ Barth plante daraufhin mit einer Schrift „Das Eine und das Werden“ in Philosophie bei Prof. E. Heintel zu dissertieren. Bei dieser Ar­beit geht es vor allem um das Problem des Grenzüberganges; um den Übergang vom Sein zum Nicht-sein, vom Übergang von der Null zur Eins und um das Problem der Unendlichkeit.

„Da ich also mein Studium nicht abgeschlossen hatte, gab es für mich auch keine Hoffnung auf eine wissenschaftliche Betätigung im Rahmen des regulären Wissen­schaftsbetriebes und da ergab sich dann die Möglichkeit als Fremdenführer, bzw. als Kustos auf Burgen und Schlössern ein kleines Einkommen zu erreichen. Dort hatte ich auch viel mit Kunst zu tun, sodass ich mich auch in diese Richtung weiterentwickeln konnte.“ Wesentlich für Barths Entwicklung war stets auch die Musik. In Barths jun­gen Jahren wurde im familiären Kreis häufig Hausmusik gemacht, wobei zum Beispiel Schubert-Lieder und Loewe-Balladen zur Aufführung kamen. Barth begleitete seinen Gesang auf dem Klavier und auch heute noch wirkt Musik auf ihn, wie er sagt, „geistig befruchtend… Ich werde aber mit zunehmendem Alter immer kritischer – es gibt nur mehr ganz wenig wirklich Vollkommenes für mich – dazu zählt etwa Schuberts letztes Streichquintett.“

So war für Gotthard Barth während seiner häufigen Umzüge (insgesamt bis dato 14 mal) sein Flügel nicht nur heikelstes, auch sehr wesentliches Übersiedlungsgut. Als die wesentlichsten Stationen bezüglich seiner häufigen Ortsveränderungen bezeichnet Barth die Burg Greifenstein: „Da konnte ich mich vor allem im Winter ganz meinen Studien widmen“. Nächste bedeutende Station war die Burg Liechtenstein, die Barth gemeinsam mit seiner Ehefrau erst bewohnbar machen musste. Zeitweise wohnten die Barths auch in Untertullnerbach im Wienerwald am Wienerwaldsee. In Hardegg be­wohnten sie als Kustoden das benachbarte Forsthaus und konnten damals „sorgenfrei, aber ohne Luxus leben… Ich hatte genügend Freiheit für meine Arbeit – das Schlimm­ste wäre geistige Abhängigkeit gewesen:“ Längere Zeit hindurch (in den 60-er und 70-er Jahren) nahmen die Barths Quartier in Hessendorf bei Langau im Waldviertel und leben nun seit 1972 in Zwingendorf im Weinviertel, nahe der CSFR-Grenze in einem ehemaligen 3-stöckigen Zollhaus. Dieses Gebäude sollte ursprünglich abgerissen werden. Die Barths konnten es jedoch vor der Spitzhacke retten.

Hier hat Barth nun genügend Platz zu seiner Verwirklichung: Das „Haus Bradley“, wie Barth es nach dem englischen Astronomen benannte, bietet mit sieben völlig getrennten Wohneinheiten von 70 Quadratmetern Platz für Barths hauseigene Setzerei, Druckerei – im Wiener Technischen Museum steht die gleiche Tigeldruckpresse, wie jene Barths, ist aber so­gar noch etwas jünger – wobei Barth noch mit Bleilettern setzt und seit 1987 auch die elektronische Datenverarbeitung als Ergänzung einsetzt. Die meisten Schriften Barths entstanden im Eigenverlag „Wissen im Werden“ mittels dieser Ausrüstung. Weiters bietet das Haus Platz für eine stattliche Bibliothek, eine Sammlung antiker physika­lischer Messinstrumente und einem Spiegelteleskop für astronomische Beobachtungen. Barth: „Jetzt bin ich am Ende der Welt gelandet… bin der Großstadt für immer ent­flohen… das ist ein Platz, wo ich in meiner Welt leben kann… in der Großstadt ist mir kreatives Denken nicht möglich – Ruhe und Abgeschiedenheit von der übrigen Welt ist für mich Grundvoraussetzung für schöpferisches Denken.“

Der unmittelbare Kontakt mit der Natur ist für Barth ebenfalls wichtig: Seine Freizeit in Zwingendorf verbringt Barth bei seinen Bienenvölkern.

(Zitatende, Fortsetzung folgt)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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