31- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 31  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH.

Zitat:

3.8.2 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH:
„Wenn ich jetzt zurückblicke auf die Jahrzehnte erfolglosen Bemühens, dann muss ich feststellen, dass zürn Beispiel meine ,Neue Lichttheorie auf der Basis der Griechischen Dialektik“ oder meine „Theorie der Wärme“ wich­tige Erkenntnisse sind, aber menschlich gesehen halte ich die Tatsache, dass ich während der langen Zeit ohne jede Aussicht auf Erfolg dennoch nie auf­gegeben habe, doch für die grössere Leistung. Das Schwierigste in meinem Leben war das Durchhalten. Ohne Hoffnung… ohne Hoffnung.“
 
Gotthard Barth [Anmerkung 228: G. Barth in R. Schlögl (1985): „Die letzten Gegner Einsteins“ in der Hörfunkreihe „Menschenbilder“]

„Nur wenige Einzelne nehmen aus innerem Antrieb die grosse Mühe auf sich, ohne äusseren Gewinn nach neuen Wahrheiten zu suchen…“
Platon [Anmerkung 229: Platon, zit. nach G. Barth (1990): „Platon 2«, S.133]

3.8.2.1 Einleitung

Gotthard Barth ist nicht nur das betagteste „enfant terrible“ der österreichischen „alternativen Naturwissenschaftsszene“ sondern auch das prominenteste. Sein Name taucht seit rund 20 Jahren nicht nur in fast allen alternativen Wissenschaftszeitschrif­ten, Tageszeitungen, Illustrierten, Rundfunk und Fernsehen auf, sondern gelegentlich auch in „ernstgenommenen“ wissenschaftliche*! Publikationen, wie etwa den „Physi­kalischen Blättern“ auf.

Barth ist in mehrfacher Hinsicht Aussenseiter: Niemals war er im etablierten Wis­senschaftsbetrieb integriert; er kritisierte schonungslos längst allgemein anerkannte Theorien, wie etwa die Relativitätstheorie oder grosse Teile der Wärmetheorie und ausserdem ist Barth dadurch Aussenseiter geworden, dass er Theorien entwickelt hat, die sich kaum mit gegenwärtigem „gesicherten Wissen“ in Einklang bringen lassen. Als Beispiel gelte etwa seine „Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“ oder seine „Energetische Wärmetheorie“.

Das Leben Barths verlief bisher ebenso ungewöhnlich wie seine wissenschaftli­chen Aktivitäten: Gotthard Barth wurde am 4.Feber 1913 in Reichenberg im Böhmi­schen Riesengebirge als Sohn des Dr. Heinrich Barth, eines Gymnasialprofessors in den Fächern Latein, Griechisch und Philosophie und der Rosa Barth, geb. Scholz (Haus­frau) geboren und besuchte ein humanistisches Gymnasium. Schon zu dieser Zeit begeisterte sich Barth für die Naturwissenschaft. Hier ist es vor allem die Physik, die ihn fasziniert. In dieser Zeit begann er mit Elektrizität zu experimentieren, machte Versuche mit Hochspannung, erlebte aktiv das „Wunder Radio“ mit und wollte schliesslich das in der Schule Erlernte und durch eigene Experimente Erprobte auch in seinen Grundlagen verstehen: „Ich wollte immer die Zusammenhänge verstehen…in die Tiefe gehen…die Ursachen ergründen, und da kam ich häufig zur Ansicht, dass da etwas mit der Theorie nicht stimmen könne. Immer war für mich das WARUM entscheidend. Zunächst jedoch dachte Barth aber nicht an die Möglichkeit, dass die jeweilige Theo­rie, mit der er Probleme hatte, falsch sein könnte, sondern er meinte, es läge an ihm selbst; er verstünde eben die Zusammenhänge nicht. Schon bald jedoch kam Barth, wie er beschreibt, zu anderer Einsicht: „Ich habe in vielen mathematischen Ablei­tungen oft ganz primitive Fehler entdeckt, die jahrzehntelang tradiert wurden – zum Beispiel in der Lorentz-Transformation…und ich habe viele Widersprüche in der Rela­tivitätstheorie Einsteins gefunden. Schon damals habe ich die Auffassung vertreten, dass die etablierte Wissenschaft sich nicht darum bemüht, zu erklären, wie der Wi­derspruch zustandegekommen ist, sondern eher versucht, eine Möglichkeit zu finden, den Widerspruch zu korrigieren, beziehungsweise erträglich zu machen..  …Das ist die oberflächliche Methode, die niemals zu Neuerungen führen kann.“

Nach seiner Gymnasialzeit begann Barth an der Wiener Universität zunächst Medizin zu studieren und legte einige Prüfungen auf diesem Gebiet auch mit Auszeichnung ab, jedoch wurde ihm dieses Fach „nach fünf Semestern bald zu langweilig“ und er wandte sich seinem frühesten Interessengebiet, der Physik, zu, die ihn ja immer schon be­geisterte. Sein wichtigster Lehrer war, wie er sagt, Univ. Prof. Dr. Felix Ehrenhaft. Die Beziehung zu seiner späteren Frau Grete, die er schon bald nach dem Kennenlernen während des Studiums heiratete und mit der er heute noch zusammenlebt, zog die Konsequenz nach sich, dass Barth sein Studium an der Wiener Universität aufgeben musste. Um Frau und Kinder ernähren zu können, nahm er einen untergeordneten Po­sten bei der österreichischen Post an; diese Arbeit stand aber bei Barth nur im Rang einer beruflichen Episode. Nach 1945 – aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt – begann er neuerlich an der Universität Wien Physik und Mathematik zu inskribieren, hörte nun aber auch viele Vorlesungen aus Philosophie (u. a. bei Univ. Prof. Erich Heintel, den er damals sehr verehrte), musste sein Studium aber erneut nach 12 Semestern aus finanziellen, bzw. familiären Gründen abbrechen und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kustos auf mehreren österreichischen Burgen. Die Selbstständigkeit dieser Tätigkeit ermöglichte Barth einen dritten Anlauf in Richtung Physikstudium. Nun aber fühlte er sich „als langjähriger Autodidakt einfach schon zu erwachsen dafür, all das zu glauben und kritiklos anzunehmen, was die Professoren erzählten“ und es widerstrebte ihm, das, was er nicht akzeptieren konnte, bei Prüfungen einfach nur zu reproduzieren. Sein Drang, tradierten Lehrstoff permanent zu hinterfragen, stiess aber nicht nur auf Widerstand und Ablehnung: Als Barth dem seinerzeit berühmten Dampfmaschinenkonstrukteur Univ. Prof. Franz Lösel an der Technischen Hochschule von seinen alternativen Ansichten und seiner Kritik der Wärmetheorie berichtete, lud Lösel ihn zum Studium an seinem Institut ein. Barth musste aus finanziellen Gründen ablehnen. Heute meint Barth: „Das war der grösste Fehler meines Lebens – es war die einzige wirkliche Chance meines Lebens.“

(Zitatende, Fortsetzung folgt)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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