57- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 57 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Barths Unterabschnitt: 3.8.2.9 „Das Eine und das Werden- Die Dialektik der Alten Griechen"
Zitat:
3.8.2.9 Das Eine und das Werden- Die Dialektik der Alten Griechen
In einer TV-Aufzeichnung aus dem Jahr 1990 sagte Barth: „Meine Schwierigkeit war immer, dass ich gegen die Lehrmeinung stand. Und da kamen mir Zweifel, ob mein Denken richtig sei. Deshalb beschäftigte ich mich auch mit Logik und Dialektik… und veröffentlichte 1967 [Anmerkung 386: Als Sonderheft Nr.3 der Zeitschrift „Wissen im Werden", (Erscheinungsort Alt-Prerau/Wildendürnbach)] „Das Eine und das Werden", "eine Schrift, die ich ursprünglich als Dissertation geplant hatte; es geht dabei um den Grenzübergang zwischen Sein und Nichtsein, den Übergang von 0 zu 1 und schliesslich um den Begriff des Unendlichen."
Diese Schrift ist eine philosophie- und ideengeschichtliche Arbeit, in der er jenen Gedanken des Aristoteles an den Anfang stellt, wonach „Philosophen diejenigen sind, die den Ursprung aufsuchen, woraus alles Seiende entsteht und wohin es vergeht." [Anmerkung 387: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 5].
Barth entwickelt zunächst die Anfänge philosophischen Denkens in Griechenland und seine Wurzeln in anderen Kulturen (Ägypter, Babylonier usw.). Ein gemeinsames Merkmal frühgriechischen Denkens sieht Barth darin, dass man sich allgemein mit dem Thema des Werdens und der Natur befasste; …man versuchte, die Natur und ihre Entstehung ohne Zuhilfenahme menschenartiger Götter zu erklären. Die Entwicklung geht dabei kontinuierlich vor sich. Ein völlig neues Element tritt… um die Mitte des 6. Jahrhunderts in den Vordergrund, die Lehre von dem „Einen". Zuerst in hochspezialisierter Form, als ,Eins" in der pythagoräischen Zahlenmythologie, wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs. Barth registriert den „merkwürdigen Umstand", dass ungefähr zur gleichen Zeit in der Lehre des Laotse das… alles bewegende, selbst aber unbewegliche Tao aufscheint… hier (findet Barth Aussagen), die denen des „Parmenides" völlig gleichen. [Anmerkung 388: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 10].
Da zur gleichen Zeit auch im indischen Denken Ähnliches vorkommt, hält Barth es für wahrscheinlich, dass diese Lehren auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführen sind…,, Durch ein uns unbekanntes Ereignis wurde die ägyptische Geheimlehre vom Einen in die übrige Welt hinausgetragen“. [Anmerkung 389: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 10]. Für Barths Untersuchung von besonderer Bedeutung ist jedoch die Entdeckung des Irrationalen. „Die einmalige Leistung der Griechen war es, das unbezweifelbar vorliegende Irrationale rational-kritisch zu durchleuchten.“ [Anmerkung 390: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 12] …
„Das Irrationale erhält seine Bedeutung erst durch die unmittelbare Verbindung mit dem göttlichen Einen. Es kann nicht meine Aufgabe sein, die mathematische Bedeutung des Irrationalen auszuführen; hier geht es nur darum, zu untersuchen, was vom Irrationalen rational zu erfassen ist.“ [Anmerkung 391: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 15]. … „Zunächst war die Erkenntnis, dass die Welt… nicht aus Einheiten aufgebaut ist – und in keiner Weise aus Einheiten aufgebaut werden kann. Dies war also gewissermaßen ein Unvermögen der göttlichen Eins.“ [Anmerkung 392: G. Barth (1967): „Das Eine und das Werden", S. 16]. Barth bezieht sich auf Anaxagoras: „Denn weder gibt es im Kleinen ein Kleinstes… denn es ist unmöglich, dass das Seiende zu sein aufhöre… aber auch im Grossen gibt es immer ein Grösseres…" Barth untersucht sodann den Begriff des Einen bei den Eleaten, bei Herakleitos und sodann bei Parmenides, den Sophisten und Zenon. Die Lehre vom seienden Einen des Parmenides finden wir ausführlich in den Platonischen Dialogen „Parmenides", „Sophistes" und „Theaitetos".
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe
- 2. August 2011
- Deutschsprachige Kritik der Relativitätstheorie
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