53- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“
Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der Abschnitt 53 der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.
Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.8 Barths „Dipoltheorie auf der Basis der griechischen Dialektik“
Zitat:
Physikalische Wirklichkeit und physikalische Begriffe.
„Es ist… von grösster Wichtigkeit festzuhalten, dass die physikalische Wirklichkeit und die begriffliche Erfassung dieser Wirklichkeit nicht dasselbe sind. Die physikalische Wirklichkeit ist objektiv gegeben als ein Ganzes, Ungeteiltes, das wir weder logisch, noch dialektisch voll erfassen können… die physikalischen Begriffe dagegen sind nicht unmittelbar gegeben; sie sind anthropomorph. …Keineswegs dürfen wir in den Fehler des jungen Platon verfallen und alle Begriffe zu Substanzen machen… Die Wirkung, die Energie, das Licht, all das sind Begriffe, die nicht in die Kategorie der Substanz fallen. Die Wirkung, die Energie, das Licht… sind Relationsbegriffe nach den aristotelischen Kategorien… erst aus der Wirkung schliessen wir… auf eine physikalische Wirklichkeit.“ [Anmerkung 366: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 30].
„Auch Relationen sind physikalisch wirklich… Schliesslich müssen wir auch der physikalischen Wirkung selbst, der Energie, dem Licht usw. physikalische Wirklichkeit zusprechen.“ [Anmerkung 367: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 31]. Für Barth sind physikalische Wirkungen physikalisch wirklich, aber in anderer Weise als physikalische Körper… nur physikalische Körper können Veränderungen an anderen physikalischen Körpern verursachen. Wirkungen können nicht auf Wirkungen verändernd einwirken. „Gerade für das Licht ist diese Tatsache von höchster Bedeutung. Licht wirkt nicht auf Licht… Interferenz zum Beispiel gibt es nur in materiell wirklich schwingenden Medien.“ [Anmerkung 368: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 32].
Lichtgeschwindigkeit im Sinne mechanischer Geschwindigkeit eines Körpers (wie zum Beispiel einer Gewehrkugel), gibt es für Barth nicht, da sich beim Licht kein physikalisches Ding zwischen Quelle und Empfänger bewegt, „c“ ist lediglich eine Proportionalitätskonstante, die die Zeit und die Entfernung zwischen Aktion und Reaktion verbindet. Beim Licht bewegt sich nichts durch den Raum, ein Lichtsignal ist die Änderung eines Fließgleichgewichtes, die Änderung einer energetischen Relation zweier Körper zueinander… Die beiden Körper treten nicht erst durch das Lichtsignal in physikalische Relation, sondern die dauernd bestehenden energetischen Beziehungen zwischen diesen Körpern werden durch das Signal geändert.“ Lichtteilchen oder fortschreitende Wellen sind also für Barth lediglich Erfindungen des Menschen und diese Fiktionen wären in keiner Weise physikalisch beobachtbar. „Weder Lichtkorpuskeln noch Schwingungen eines Mediums sind physikalisch in irgendeiner Weise real. Ihre Wirklichkeit ist gleich der von erdachten Märchenfiguren.“ [Anmerkung 369: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 35].
Barth geht nun daran, seine theoretischen Überlegungen zu beweisen. Er zeigt die Unmöglichkeit einer physikalisch-materiellen Wirkungsübertragung im leeren Raum; zeigt, dass die theoretisch-mathematische Superposition vollkommen ist und diskutiert Newtons Vorschlag, dass Licht, was immer es sei, nur Schwingungen in materiellen Körpern erzeugt. [Anmerkung 370: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, vgl. S. 40]. „Wirkliche Veränderungen bringen immer Verluste. Da »wir aber im leeren Raum keine Verluste beobachten können, geschieht im leeren Raum nichts Physikalisches.“ [Anmerkung 371: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 41].
Barth zitiert Weber, der 1846 festgestellt hat, dass die Wirkung eines Körpers auf einen anderen Körper mit Erreichen der damals noch unbekannten Grenzgeschwindigkeit c gegen Null geht. „Eine Relativierung der Längen- und Zeiteinheiten und weiter der Masseneinheit ist überflüssig, wissenschaftstheoretisch unzulässig, mathematisch und physikalisch nicht zu begründen.“ [Anmerkung 372: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 47]. Nach Barth ist Licht nur ein Teil der verschiedenartigsten Beziehungen, durch die physikalische Körper miteinander in Wechselwirkung treten. „Eine Änderung an einem Körper, an der Lichtquelle, stört die physikalisch-energetische Relation zu den physikalischen Körpern der Umgebung. Diese physikalischen Körper reagieren auf die Änderung an der Quelle mit einer entsprechenden Anpassungsreaktion… nach einer endlichen Zeit. Diese Reaktion des Empfängers wirkt als Aktion wieder zurück auf die Quelle… Wir haben einen schwingenden Dipol. Beide Körper stehen in ständiger, ununterbrochener Wechselwirkung.“ [Anmerkung 373: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 47].
„Wir wollen… nicht übersehen, dass solche Wechselwirkungen nicht irgendwo und irgendwann beginnen. Sie sind schon immer da. Das physikalische Geschehen besteht nur in Änderungen dieser Wechselbeziehungen. Was durch den Raum fortschreitet, ist nur eine physikalische Potenz, aber nichts physikalisch Aktuelles.“ [Anmerkung 374: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 51]. Barth spricht nun einen Gedanken aus, der heute von großer Aktualität ist: „Ohne ein Minimum an philosophischer Bildung kann auch ein Physiker nicht tiefer denken.“ [Anmerkung 375: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 51].
„Ich schreibe also der immateriellen Wirkensmöglichkeit, die durch den Raum läuft und zwei materielle Körper miteinander zu einer Einheit verbindet, eine gewisse physikalische Wirklichkeit zu. Durch diese physikalische Wirkensmöglichkeit, die zwei materielle Körper verbindet, (einen bestimmten Teil davon nennen wir Licht, entsteht ein neues, physikalisch Wirkliches, ein Zweikörpersystem. Haben wir zunächst als physikalische Realität nur die beiden materiellen Körper für sich, so müssen wir jetzt das Zweikörpersystem, verbunden durch potentielle physikalische Wirkungen, als übergeordnete physikalische, materielle Wirklichkeit ansehen.“ Was die Lichtgeschwindigkeit im elektrischen Dipol betrifft, so bezeichnet Barth Einsteins Postulat der absoluten Lichtgeschwindigkeit als „undurchdachten Einfall… Ausser Zweifel steht, dass die Lichtgeschwindigkeit, bezogen auf bewegte physikalische Körper grösser oder kleiner als c sein kann.“ [Anmerkung 376: G. Barth (1988): „Licht aus den Atomen – Dipoltheorie des Lichtes auf der Basis der Griechischen Dialektik“, S. 54]. Als Beweis führt Barth Bradleys Aberration, weiters Experimente von Sagnac, Michelson-Gale und J. P. Wesley an.
(Zitatende, Fortsetzung folgt).
Beste Grüße Ekkehard Friebe