48- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 48  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).

Zitat:
Auch Planck verweist auf Hasenöhrl, „der zwar nicht direkt von der Relativitäts­theorie ausgeht, aber doch, soweit ich sehe, zu ganz den nämlichen Resultaten gelangt, wie diese.“ Auch Einstein hätte, meint Barth, die Masseformel mehrfach klassisch ab­geleitet, also ohne Zuhilfenahme der Relativitätstheorie… So scheint die Frage noch von besonderem Interesse, wieso es möglich ist, dass man zu den gleichen Ergebnissen sowohl klassisch als auch relativistisch kommen kann…“ [Anmerkung 325: G. Barth: „Rationale Physik“, S.153] So könne also die Massefor­mel keine Bestätigung der Relativitätstheorie sein, wie das häufig argumentiert wird: „Da beide Wege zum gleichen Resultat führen, kann also das, was beide Auffassun­gen unterscheidet, nicht von entscheidender Bedeutung sein.“ [Anmerkung 326: G. Barth: „Rationale Physik“, S.154].

Barth untersucht sodann die Beziehung der Begriffe Körper, Feld und Fernwirkung: Ausgehend von den Eleaten und Demokritos argumentiert Barth: „Sowohl im Grossen, in astronomi­schen Verhältnissen, wie auch im Kleinen, in der Atomphysik, haben wir es nicht mit streng geometrisch begrenzten Einzelkörpern zu tun, …hier finden wir den Zugang zu der Frage, wie Körper miteinander in Verbindung stehen, wie sie gegeneinander wir­ken…“ [Anmerkung 327: G. Barth: „Rationale Physik“, S.159] Die Grenze der Körper ist für Barth also nicht ihre Oberfläche. Das führt ihn nun zum Begriff des Kraftfeldes, durch das Energien auf folgende Weise übertragen werden können: „Nach unseren Vorstellungen bewegt sich beim Energieaustausch, [Anmerkung 328: Barth führt als Beispiel das System Sonne-Erde an] beim Potentialausgleich zwischen Sonne und Erde, nichts durch den Raum. Sonne und Erde sind… energetisch eine Einheit. Für den Energieaustausch ist es nicht von prin­zipieller Bedeutung, ob sich die beiden Körper berühren oder ob zwischen ihnen eine kleine oder grössere Entfernung gegeben ist. Durch diese Unterschiede wird nur die Art des Potentialausgleiches und weiter die Zeit, die zwischen Ursache und Wirkung liegt, verändert.“ [Anmerkung 329: G. Barth: „Rationale Physik“, S.159].

Barth erkennt freilich an, dass neben diesem unvermittelten Energie­ausgleich zusätzlich auch noch ein breiter Strom materieller Teilchen von der Sonne zur Erde wandert, welche auch wieder Energie darstellen. „Einen exakt begrenzten Son­nenrand gibt es nicht; …nach Art der Messung, [Anmerkung 330: Abhängig davon, ob zum Beispiel die optische oder etwa die „Radio“-Strahlung gemessen wird] wird der Sonnendurchmesser gänzlich verschieden gemessen – Der Durchmesser schwankt, so gesehen, bis zum Doppelten… Man könnte daraus auch den Schluss ziehen, dass es sinnlos sei, von einer Grösse der Erde zu sprechen“, und Barth beruft sich auf W. Riezler [Anmerkung 331: W. Riezler (1959): „Einführung in die Kernphysik“].

Zum Beispiel des Systems Sonne-Erde (als nicht-abgeschlossenem System) schreibt Barth: „Die Theorie [Anmerkung 332: Anm: gemeint ist die „allgemein anerkannte Theorie“] nimmt an, dass ein Einzelkörper im leeren Raum seine Energie nach allen Seiten abstrahlt, bis eben alle Energie abgegeben ist. Als konkretes Beispiel nehmen wir den klassischen Strahler, einen schwarzen Körper von hoher Temperatur. Nach der Theorie ist die Abstrahlung der Energie eine einseitige Aktion des strahlenden Körpers, die abgestrahlte Energie befindet sich, sobald sie den Körper verlassen hat, im leeren Raum… So in der Theorie ….. [Anmerkung 333: Anm: Gemeint ist die Maxwell’sche Theorie]. In der Natur strahlt jedoch nicht der Ein­zelkörper, sondern jeder wirkliche Körper befindet sich in einer wirklichen Umgebung, in Wirkungseinheit mit dem Ganzen der Natur.“  [Anmerkung 334: G. Barth: „Rationale Physik“, S.168].

Barth argumentiert, dass der oben angesprochene „Schwarze Körper“ durchaus nicht immer nur Energie abstrahlen muss, sondern in Abhängigkeit von den Umgebungsverhältnissen auch Energie aufneh­men kann  –  entscheidend sei das Energiegefälle zwischen diesem Körper und seiner Umgebung. „Aus der Annahme, die Abstrahlung sei eine einseitige Aktion des strah­lenden Körpers, folgt auch die Annahme, dass die Abstrahlung nach allen Seiten des Raumes in gleicher Weise erfolge… Die Beobachtung zeigt jedoch, dass die Abstrahlung nicht nach allen Richtungen des Raumes gleichmässig erfolgt, sondern bevorzugt in Richtung auf einzelne Strahlungsempfänger.“ [Anmerkung 335: G. Barth: „Rationale Physik“, S.168].

Barth bringt nun Beispiele und eine plausible Erklärung für dieses Phänomen. Diese Beispiele stammen aus der Wärme­lehre, dem Magnetismus [Anmerkung 336: Das „Wissen“ der Strahlen, wohin sie sich auszurichten haben, wird zum Beispiel im Fall der magnetischen Kraftlinien deutlich] und der Elektrizitätslehre. „Bei der Wirkungsübertragung bewegt sich nichts durch den dazwischen liegenden Raum… Ein plausibles Beispiel scheint auch der „Energieentzug“ im Falle eines Radiosenders durch einen in der Nähe befindlichen kräftigen elektrischen Schwingkreis zu sein. Barth formuliert nun allge­mein: „Die Aktion ist nicht im Subjekt oder im Objekt, sie ist auch nicht im Raum zwischen den beiden… Die Aktion ist kein Ding… und doch wird immer wieder die ver­bindende Aktion zu einem dinglichen Etwas gemacht, die guten und die bösen Werke werden personifiziert, das Licht wird zu Welle oder Korpuskel. [Anmerkung 337: G. Barth: „Rationale Physik“, S.171, Anm: Vgl. dazu auch den Abschnitt „Barths Neue Lichttheorie“].

(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe  

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