46- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 46  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl. 

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).

Zitat:
Für Barth ist kein Ereignis in der Natur für sich, sozusagen losgelöst vom Übrigen, ein Ergebnis des Zufalls, sondern es steht in strengem kausalem Zusammenhang mit dem Gesamtablauf des Weltgeschehens. Und er zieht den Schluss: „Geben wir Naturgesetzlichkeit über­haupt zu, so müssen wir auch zugeben, dass das Naturgeschehen gerichtet ist.“ [Anmerkung 310: G. Barth, Rationale Physik, S. 31].
Mit Platon ist Barth der Überzeugung, dass die Natur zunächst auf das Allgemeine ausgerichtet ist. Daraus folgt, „…dass uns das Allgemeine, die Begriffe, die Ideen im Sinne Platons von Natur aus gegeben sind. Sie sind uns angeboren, mit uns evolutionär entstanden. Die Menschwerdung besteht dann nicht darin, dass wir lernen, Begriffe zu bilden, sondern dass uns dieses angeborene Allgemeine bewusst wird.“ [Anmerkung 311: G. Barth, Rationale Physik, S. 36].

Da es nirgends in der Welt streng definierte Grenzen gibt, müsse der Mensch, um die Na­tur logisch erfassen zu können, erst definieren, also künstliche Grenzen setzen, diese seien notwendig willkürlich, „…sie können zweckmässig sein, müssen damit aber nicht wahr… sein. Nur eine solche künstlich definierte Welt können wir mit unserem ratio­nalen Denken voll erfassen. Diese rationale Beherrschbarkeit ist der eminente Vorteil der logischen Welt gegen die wirkliche Welt. Dass sich die logische und die wirkliche Welt nicht decken, lag schon den griechischen Denkern offen vor.“

Barth meint, dass – evolutionär gesehen – die klassische Logik selbstverständlich nicht die letzte, gültige Methode zur Erforschung der Wirklichkeit sein könne, da es ja in der Natur keine nach dem Satz des Widerspruches definierte Teile gebe. Das Ganze ist der kontradiktorischen Logik nicht zugänglich. Wir sehen aber etwa am Beispiel der Infinitesimalrechnung, dass der menschliche Geist nicht nur intuitiv fähig ist, son­dern auch durch exakte Methoden fähig ist,… Übergänge zu beschreiben, das Werden und Vergehen, das Wirken in der Natur zu beschreiben.

Wir beherrschen (heute) den Grenzübergang, nach dem Zenon vergeblich suchen musste. Wir können ihn nicht ra­tional, logisch verstehen, wir besitzen nur die Technik, ohne ihn mit den Mitteln der noch heute geltenden Logik erfassen zu können.“ [Anmerkung 312: G. Barth, Rationale Physik, S. 39]. Und mit Herakleitos ist Barth der Überzeugung, dass „alles fiiesst“. „Alles, was wir um uns herum beobachten, sind nur Veränderungen; es gibt nur scheinbar Beständiges… wir finden (in der Natur) durchwegs die Anschauung des Heraklit bestätigt, dass stets durch Spannungen und Ausgleich der Spannungen das Geschehen der Natur in Bewegung gehalten wird. Bei jedem Ausgleich bilden sich Spannungen, Potentialdifferenzen neuer Art.“ [Anmerkung 313: G. Barth, Rationale Physik, S. 43].

Dem­nach ist auch „Gleichgewicht“, der Zustand der Ruhe, nur theoretisch von Dauer, in Wirklichkeit nur ein vorübergehender Zwischenzustand. Barth stellt fest, dass den­noch „die Mechanik bis Newton von statischen Vorstellungen ausgeht. Der Mensch steht mitten im Fliessen der Natur, er ist selbst ein Teil dieses „Flusses“ und auch vom „Menschen gilt, dass es in der Natur keine einseitigen Wirkungen eines Körpers auf einen anderen Körper gibt, sondern nur Wechselwirkungen. Wenn wir von Einwirkun­gen der Umwelt auf den Menschen sprechen und umgekehrt… so geschieht dies, wie schon gezeigt, nur wegen des begrenzten Fassungsvermögens des menschlichen Geistes, der nie das Ganze, sondern stets nur mehr oder weniger willkürlich begrenzte Teile überschauen kann.“ [Anmerkung 314: G. Barth, Rationale Physik, S. 58].

Zum Problemkreis „Mathematik und Physik – Der Totalitäts­anspruch der mathematischen Theorie“ schreibt Barth: „Das kennzeichnende Merkmal unserer Situation ist… der Totalitätsanspruch der mathematischen Theorie… Der ma­thematische Formalismus wird zur Idealwissenschaft.“ Diese Anklage erhebt Barth ständig. Nicht nur in bezug auf die Relativitätstheorie oder Quantentheorie, son­dern auch bezüglich der Wärmetheorie. „Die richtigen Rechenergebnisse einer Theorie können… niemals die Richtigkeit der Rechnung oder gar die Richtigkeit der Prämis­sen beweisen…“ Speziell in bezug auf die Relativitätstheorie meint Barth: „Es zeigt deutlich die Fragwürdigkeit der ganzen Theorie, wenn uns immer wieder versichert wird, die Relativitätstheorie könne nur mathematisch widerlegt werden… Fragwürdig sind die Voraussetzungen, fragwürdig ist die Notwendigkeit oder die Zulässigkeit des angewandten Algorithmus, nicht seine fachgerechte Durchführung.

Fragwürdig sind schliesslich die aus dem Rechenergebnis gezogenen Folgerungen. Wenn eine Rechnung negative Apfel ergibt… wenn heute negative Zeiten oder negative Energien errechnet werden… so müssen tatsächlich negative Zeiten oder negative Energien existieren,… gegen eine solche Argumentation ist kaum ein Einwand möglich… jedenfalls wäre er zwecklos.“ [Anmerkung 315: G. Barth, Rationale Physik, S. 90]. Dann beruft sich Barth auf B. Russell: „Man kann die Mathematik de­finieren als Wissenschaft, in der wir niemals wissen, worüber wir reden, noch ob das, was wir reden, wahr ist.“ [Anmerkung 316: G. Barth, Rationale Physik, S. 94].

(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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