42- Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 42  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl.

Kapitel 3: GEGENWART, Unterabschnitt: 3.8.2.4 FALLSTUDIE GOTTHARD BARTH, (Fortsetzung).
Zitat:
1968 brachte er [Barth] neuerlich eine erweiterte Auflage dieser Schrift unter dem Titel „Ein­stein widerlegt – Rationale Physik gegen magisch-paradoxe Theorie“ heraus, in der der Stil seiner Kritik bereits schärfer ist. Das Vorwort dieses Werkes hat folgende Präambel: „Du kannst jederzeit eine gewisse Anzahl von Menschen bluffen. Aber die ganze Welt für alle Zeiten zu bluffen, glaube mir, das ist unmöglich.“ [Anmerkung 272: Barnum, der Erfinder des Bluffs, zit. nach E. Gehrcke (1924): Die Massensuggestion der Relati­vitätstheorie, Berlin] Barth schreibt, dass er durch die Herausgabe seiner Zeitschrift „Wissen im Werden“, die er im Jahr 1958 begonnen hatte, nach und nach einen Kreis von Relativisten kennen gelernt hatte – einen Teil jener „Garde“, die noch aktiv am Einsteinrummel der 20-er Jahre teilge­nommen hatte. Nach anfänglicher Einsamkeit in seiner Eigenschaft als Einsteinkritiker sah sich Barth nach 1954 in einem kleinen Kreis von Aussenseitern, die „sich dem Vor­wurf aussetzten, sie verstünden entweder nichts von der Sache“ oder „seien eben zu dumm“, wie Barth schreibt. [Anmerkung 273: G. Barth (1968): „Einstein widerlegt“, S.5] und der Autor verweist auf Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.

Wie so oft, so kritisiert Barth auch an dieser Stelle das Schulsystem: „Eine Kritik des Gelehrten ist völlig unerwünscht…eine Ausnahme war mein hochverehrter Lehrer Ehrenhaft, der Physik kritisch vortrug“ Ehrenhaft war, wie erwähnt, leidenschaftlicher Einstein-Gegner. Im Vorwort von „Einstein widerlegt“ schreibt Barth weiter: „Die magisch-paradoxe Theorie kann keine rationale Diskussion gestatten. Wie zu Galileis Zeiten verfolgt die moderne Inquisition ihre Gegner.“ An dieser Stelle ist anzumerken, dass Barths Motive seiner Ablehnung rein wissenschaft­licher Natur waren und sind, und nichts mit so genannter „deutscher“ bzw. „undeut­scher“ Physik zu tun haben. Ein schwerer Vorwurf, der einst auch einer grossen Zahl von Antirelativisten entgegengebracht wurde. Barth zitiert den Astronomen Albrecht Unsölt, Kiel [Anmerkung 274: „Physikalische Blätter“, 15, 1059, Heft 12], der von „zwei ehemaligen Nobelpreisträgern“ spricht, die versuchten, die ihnen unverständlichen Neuschöpfungen der Relativitätstheorie und der Quanten­theorie „durch die stupide Senilität der ‚Deutschen Physik‘ zu verdrängen.“ Ph. Lenard war fünf Jahre älter als Einstein und erhielt 1905 den Nobelpreis. Barths Kommen­tar: „So bleibt notwendig die Zahl der Kritiker bescheiden“ [Anmerkung 275: „Physikalische Blätter“, 1059, Heft 12, S.13]. P. K. Feyerabend, ein Verehrer Einsteins schreibt: „Einstein hat sich niemals mit dem Sinn physikalischer Behauptungen befasst, sondern nur mit ihrer Richtigkeit.“ [Anmerkung 276: Fischer-Lexikon der Philosophie 1959] Das im Untertitel seines Buches angesprochene Magische an der Relativitätstheorie erläutert Barth so: „Die Tendenz zum Magischen, die dem mathematischen Algorithmus innewohnt, hat schon Mach in seiner „Mechanik“ gekennzeichnet. Die moderne Theorie insgesamt hat sich in einen ausweglosen Mathematismus verrannt. Die paradoxen Ergebnisse, die Widersprüche zur allgemeinen Naturgesetzlichkeit, die Widersprüche zu jedem normalen menschlichen Denken überhaupt sollen durch den ewig wiederholten Hinweis auf die exakte Methode der Mathematik und auf die angebliche Beschränkung auf „Tatsachen“ überdeckt werden. Die Folge ist mythisch-magische Willkür.“ [Anmerkung 277: G. Barth, Einstein widerlegt, S.13] Immer schärfer wird also Barths Sprache. „Die Relativitätstheorie ist von Mathematikern am Schreibtisch erfunden worden, die den Sinn für die Natur völlig verloren haben…“, schreibt auch Wilhelm Müller, der Nachfolger von Sommerfeld in München. [Anmerkung 278: W. Müller, zit. nach Barth, Einstein widerlegt, S.13. Anm.: W. Müller war Professor für Theoretische Physik a. d. Universität München].

(Zitatende, Fortsetzung folgt).

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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