06 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der  Abschnitt 6  der Dissertation von Dr. Reinhard Schlögl. 
Kapitel 1: EINLEITUNG  (Fortsetzung),  Zitat: 

1.4 Mögliche Kennzeichen von Aussenseitern

1.4.1 Die aussergewöhnliche Haltung mancher Aussenseiter der Wissenschafts- bzw. der Ideengeschichte gegenüber 

Ein Kennzeichen von Aussenseitern kann sein, dass sie (zumindest) einen Teil der Tradition der jeweiligen Wissenschaft ignorieren, also einen mehr oder weniger grossen Teil der wissenschaftlichen Evolution als Irrweg bezeichnen. Wie in den folgenden beiden Kapiteln auszuführen und an Hand der konkreten Fallstudien zu belegen sein wird, gehen solche Forscher ab einem bestimmten Punkt in der Wissenschaftsgeschichte ihren eigenen Weg. Es gibt für sie einen bestimmten (Zeit-)Punkt, ab dem sie jegliche Weiterentwicklung der Wissenschaft leugnen. Für Schauberger zum Beispiel beschreitet die Wissenschaft seit Kepler im Grossen und Ganzen einen Irrweg.
Viktor und Walter Schauberger beziehen sich mit ihren Theorien ausdrücklich auf Pythagoras und Kepler und beschritten seit Kepler sozusagen ihren eigenen wissen­schaftlichen Weg [Anmerkung 16: Vgl. Fallstudie im 3.Kapitel]. Auch die Vorstellung von Piazzi Smyth, die alten Ägypter hätten sozusagen echte wissenschaftliche Erkenntnisse im Sinne von wahrer Wissenschaft und im Sinne eines ausgearbeiteten System entwickelt und seine Überzeugung jegliche weitere Entwicklung seither, sei ein Irrweg gewesen, gehört hierher.

1.4.2 Aussergewöhnliche Einsatzbereitschaft und Mut

Weitere mögliche Kennzeichen eines Aussenseiters können überdies seine psychischen Eigenschaften sein; bedarf doch das Überschreiten von Grenzen wie erwähnt, eines gewissen Maßes an Mut und Unbekümmertheit. In ähnlicher Weise wie R. Sexl zu Beginn dieses Abschnittes, so äusserte auch H. Pietschmann bezüglich des Mutes vieler Aussenseiter: „…dass die Entwicklung der Physik eben immer Mut voraussetzt, dass jemand sich gegen die allgemeine Meinung stellt… ich schliesse mich hier der Ansicht meines Freundes (R. Sexl) an…. [Anmerkung 17: Vgl. Fallstudie im 3.Kapitel].

Das Eintreten für eine neue Idee, Hypothese oder Theorie erfordert stets persönliche Einsatzbereitschaft und Mut, zu verkünden, man hätte etwas (prinzipiell) Neues entdeckt.

Ein paar Worte zum Begriff der „Entdeckung“:

Im Bereich der Physik zum Beispiel geht es bei der experimentellen Überprüfung einer Theorie vor allem um die Reproduzierbarkeit des jeweiligen Experimentes.
Für den Nachweis eines Phänomens, etwa für den Nachweis eines neuen Elementarteilchens ist nicht die „Entdeckung“ entscheidend  –  sie ist nicht das Kriterium für die Existenz eines Phänomens, sondern erst die Reproduktion dieser Entdeckung ist entscheidendes Kriterium. Zu diesem Punkt äusserte der Physiker H. Pietschmann: „…denn es stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass alles, was man entdecken wollte, auch entdeckt worden ist. Deshalb ist die Reproduktion  –  also der Nachweis, dass es sich um eine echte Entdeckung handelt  –  durch andere  –  notwendig, damit klargestellt werden kann, ob es sich nicht vielleicht doch um einen Irrtum handelt. Fälschungen sind die Ausnahme.

Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass eine physikalische Entdeckung stets mit Instrumenten vorgenommen wird, die ein gewisses „Eigenleben“ haben; das heisst, man muss ihre Eigenschaften kennen; man muss wissen, in welchen Fällen sie Fehlanzeigen liefern… und je komplexer ein Instrument wird, desto leichter kann es zu Irrtümern kommen. Unter Umständen kommt dann jenes Resultat heraus, das man sich wünscht… [Anmerkung 18: Vgl. Fallstudie im 3.Kapitel]. Als Beispiel liesse sich hier etwa die „Entdeckung freier Quarks“ anführen. Heute ist man ja allgemein der Ansicht, dass es derartige Quarks nicht gibt. Ein anderes Beispiel: Man hat sogenannte magnetische „Mono-Pole“ entdeckt [Anmerkung 19: Vgl. die Theorie von F. Ehrenhaft], obwohl man sich heute innerhalb der Gemeinschaft der Physiker darüber einig ist, dass solche Mono-Pole nicht existieren können, dass es sich also um eine Fehl-Entdeckung gehandelt hat.

Ein weiteres Beispiel: Zwischen Sonne und Merkur wurde mehrmals ein Planet „entdeckt“, um die Abweichungen der Merkurbahn von den Newtonschen Gesetzen zu erklären. Und es wurden „Gravitationswellen“ „entdeckt“, jedoch nicht reproduziert. Das bedeutet: all diese Phänomene existieren nicht. Pietschmann: „Wenn nun ein Physiker, was auch geschehen ist, zwei oder mehrere Male mit einer derartigen „Entdeckung“ an die Öffentlichkeit tritt… und noch dazu mit entsprechendem Nachdruck, und es stellt sich fortwährend heraus, dass es sich um einen Irrtum handelt, dann hat er sich sozusagen aus der Gemeinschaft der Physiker selbst hinauskatapultiert, weil ihm dann natürlich niemand mehr glaubt.“ [Anmerkung 20: H. Pietschmann in R. Schlögl (1988): „Aussenseiter der Wissenschaft“, Radiokolleg]

Auf dem Gebiet der Experimentalphysik kann es freilich der Fall sein, dass eine Entdeckung nicht reproduzierbar ist, dass sie sich also als falsch erweist; die Physik hat jedoch (notwendigerweise) auch eine gewisse Toleranzbreite. Das bedeutet: „Wenn jemand solch eine „Entdeckung“ einmal macht, dann wird ihm dies sofort verziehen; denn wir wissen, wie schwierig Experimente manchmal durchzuführen sind“ [Anmerkung 21: H. Pietschmann in R. Schlögl (1988): „Aussenseiter der Wissenschaft“, Radiokolleg]

(Zitatende, Fortsetzung folgt)
Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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