01 – Dr. Reinhard Schlögl: „Aussenseiter der Naturwissenschaft“

Im Folgenden bringe ich von Dr. Reinhard Schlögl Auszüge als Fortsetzungsreihe aus:

AUSSENSEITER
DER
NATURWISSENSCHAFT

Wissenschaftshistorische und
wissenschaftssoziologische Untersuchungen sowie
Fallstudien aus dem Bereich der Gegenwart

DISSERTATION
zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie
an der
Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät
der
Universität Wien

eingereicht
von
Reinhard Schlögl
Wien, im Mai 1992

 Zitat:

„AUSSENSEITER DER NATURWISSENSCHAFT“

VORWORT

Die erste Anregung zur Behandlung dieses Themas erhielt ich seitens meiner be­ruflichen Tätigkeit [Anmerkung 1: Seit dem Jahre 1974 bin ich als Wissenschaftsjournalist tätig; anfangs als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung Kurier und verschiedenen Fachzeitschriften für Elektronik; seit 1976 arbeite ich als Wis­senschaftsredakteur des Österreichischen Rundfunks in der „Hauptabteilung Wissenschaft“. Ich bin als Gestalter bzw. Autor folgender Sendereihen tätig: „Das Salzburger Nachtstudio“, „Dimensionen – die Welt der Wissenschaft“, und „Radiokolleg“.]  während eines Gesprächs im Anschluss an ein Rundfunkinterview über Astrophysik, das ich mit dem theoretischen Physiker Univ.Prof.Roman Sexl im Jahr 1987 führte. Sexl erwähnte damals, dass er in regelmässigen Abständen von den verschiedensten Aussenseitern der Physik kontaktiert und mit deren zum Teil recht „abenteuerlichen“ Ideen und Theorien konfrontiert werde. Das Spektrum solcher Aussenseiter reiche, so berichtete er, von Konstrukteuren verschiedenartigster Perpetuum Mobiles bis zu unermüdlichen Kämpfern gegen den Zweiten Hauptsatz der Wärmelehre und fanatischen Gegnern der Relativitätstheorie. Sexl erzählte, dass ihn das Thema „Aussenseiter der Wissenschaft“ aus verschiedenen Gründen mehr und mehr zu in­teressieren beginne – nicht zuletzt deshalb, weil doch hin und wieder originelle und interessante Denkansätze auftauchten. Er überreichte mir einen kleinen (dreiseitigen) Aufsatz, den er über dieses Thema unter dem Titel „Aussenseiter der Naturwissenschaf­ten“ verfasst hatte. [Anmerkung 2: R.Sexl (1974): „Aussenseiter der Naturwissenschaften“ in: „Physikalische Blätter“, 30.Jg., Heft 1]

Dieses Gespräch war für mich sozusagen der erste Anstoss für die Gestaltung einer vierteiligen Sendereihe zu diesem Thema im Rahmen des „Radiokolleg“. Sie trug den Titel „Aussenseiter der Wissenschaft – Phantasten oder Wegbereiter neuen Denkens?“ und wurde vom 21.- 24.März 1988 im 1.Programm des Hörfunks gesendet. Diese Reihe fand übrigens, so zeigten viele schriftliche und telephonische Reaktionen, überraschend grosses Interesse bei der Hörerschaft und auf Grund dieses starken Echos kam es sowohl zu etlichen (teils persönlichen) Kontakten mit Vertre­tern „etablierter“ Wissenschaft, als auch mit einigen Aussenseitern. Dies führte zu einer immer stärkeren Vertiefung meines Interesses an diesem Thema, und eines Tages entschloss ich mich schliesslich dazu, Herrn Univ.Prof.Erhard Oeser, den Vorstand des Institutes für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der Wiener Universität zu bitten, unter seiner Betreuung die vorliegende Dissertation ausarbeiten zu dürfen. So konnte ich auch mein vor vielen Jahren unterbrochenes Studium der Philosophie, Wissenschaftstheorie und Physik fortsetzen und zu einem Abschluss bringen.

Ein wesentliches Ziel dieser Arbeit ist es, zu einer Klärung des Phänomens „Aus­senseiter der Wissenschaft“ am Spezialfall der Naturwissenschaft beizutragen. Immer wieder ist festzustellen, dass aussergewöhnliche wissenschaftliche Leistungen von Aus­senseitern erbracht wurden und häufig hört man auch die Ansicht, dass jede echte Neuerung, jede geniale Idee, Hypothese oder Theorie zwangsläufig von einem Aussen­seiter geschaffen wird, weil, wie es heisst, nur er den Mut besitzt, die Grenzen der Wissenschaft zu überschreiten. Dass davon nicht im entferntesten die Rede sein kann, wird in Zusammenhang mit der Klärung des recht vieldeutigen Begriffes „Aussenseiter“ schon sehr bald gezeigt werden.

(Zitatende, Fortsetzung folgt)

Beste Grüße Ekkehard Friebe 

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