Geschäftsmäßige Behandlung der Relativitätskatastrophe

Ich bringe jetzt die 1. Fortsetzung des Abschnitts „Das Schweigen der Adressaten“
aus der Dokumentation Das Gedankenexperiment„: 

Zitat:

Wie eine geschäftsmäßige Behandlung aussehen müßte, kann nicht zweifelhaft sein. Wenn der Gegenstand ein jahrzehntelang bis heute gebrochenes Grundrecht ist, kann niemand guten Glaubens behaupten, er habe die Angelegenheit wegen Bedeutungslosigkeit in den Papierkorb entsorgt. Jeder Adressat müßte sich selbst oder durch Mitarbeiter oder durch befreundete Kollegen eine Vorstellung davon verschaffen oder vermitteln lassen, worum es in der Sache geht. Dann müßte er erkennen, daß es sich um eine Problematik von einiger Tragweite handelt. Und er müßte erkennen, daß er sich gerade wegen der möglichen Tragweite ein Urteil über die Qualität der Dokumentation bilden muß, auf der alles beruht, Bis hierher werden alle Adressaten gehen, weil sie es bei Asse, Telekom und Siemens auch tun würden.

Alle weiteren Schritte hängen wesentlich von persönlichen Vorurteilen und Urteilen ab, von Vorlieben, Stimmungen und Zufällen. Es sind mehrere Alternativen leicht vorstellbar.

(1)   Manche verwerfen ohne Prüfung, weil sie wissen, daß das Genie und die Groß-Koryphäen grundsätzlich unfehlbar Recht haben, solange sie sich nicht selbst korrigieren.
(2)   Manche erkundigen sich bei den Physikern und erhalten die beruhigende Versicherung, daß an der Kritik nichts dran ist.
(3)   Einige werden einen Blick in die Dokumentation werfen, dadurch immerhin die möglichen Dimensionen erkennen und sich sagen: wenn da etwas dran sein sollte, dann kann es sehr ungemütlich werden – also nur nichts damit zu tun haben und abtauchen.
(4)   Wenige werden versuchen herauszufinden, ob denn die Dokumentation überhaupt korrekt beschreibt und referiert. Das macht schon etwas Arbeit. Einige von ihnen werden nur Zweifel haben und damit ein gutes Motiv, die Sache als erledigt abzutun.
(5)   Die sehr wenigen, die die Arbeit einer Prüfung leisten und die Korrektheit der Dokumentation bestätigt finden, werden die Gefahren einer Aufklärung der Öffentlichkeit und die Folgen für die eigenen Interessen mit Kollegen beraten und gemeinsam zu dem Entschluß kommen, auf keinen Fall etwas zu unternehmen. Die landesüblichen Fälle Asse, Telekom und Siemens lehren uns, daß alle Informierten bis zum bitteren Ende die Aufklärung der Öffentlichkeit verhindern. Erst nach dem bitteren Ende wird dann „brutalstmöglich“ aufgeklärt. Insbesondere die eigentlich für die Kontrolle Zuständigen paktieren erfahrungsgemäß bis zuletzt mit den Verbrechern.

Dies sind die fünf wahrscheinlichsten Haltungen der Adressaten. Sie werden kein Interesse daran haben, mit den Urhebern der zugesandten Schreiben und Veröffentlichungen in Kontakt zu treten.

Eine weitere Konstellation von möglicherweise erheblichem Einfluß   –   es wäre die sechste  –  soll immerhin erwähnt werden. Die an Verantwortliche aller Fachgebiete vermittelte Forderung nach Wissenschaftsfreiheit (im Namen der „Einheit der Wissenschaften“) für ein Fachgebiet der Naturwissenschaften könnte in der tief eingefressenen und deshalb natürlich öffentlich stets lauthals dementierten Kluft zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften untergehen. Die Einen halten die Anderen (die Naturwissenschaftler) für Banausen, und die Anderen halten die Einen (die Geisteswissenschaftler) für Spinner. Außerdem sollen neuerdings auch die Erforscher der Verse Homers Drittmittel von Sponsoren einwerben und ihr Produkt zur Marktreife entwickeln. Da könnte auf seiten der Geisteswissenschaftler anstatt eines Engagements für ein Grundrecht vielleicht eher unverständige Schadenfreude darüber entstehen, wie diese „Banausen“ mit ihresgleichen umgehen. Da die Kritiker sich eindeutig auf der Banausenseite tummeln, sollen sie doch zusehen, wo sie bleiben. Die Geisteswissenschaftler haben für ihre eigenen Rechte schon selbst genug zu kämpfen. Um welche „Einheit der Wissenschaften“ könnte es gehen?

Eine derartige Überheblichkeit und falsche Schadenfreude der Geisteswissenschaftler über die „Banausen“ kommt natürlich aus der Gewißheit, daß in ihren eigenen Fächern ein derart krimineller vollständiger Hinauswurf von Kritikern aus einem Fachgebiet und die anschließende wasserdichte Geheimhaltung dieses Zustands vor der Öffentlichkeit über viele Jahrzehnte keinem Geisteswissenschaftler je auch nur in den Sinn kommen könnte: es würde doch viel zu langweilig werden. Der Abgrund zwischen beiden Lagern ist unüberbrückbar. Daher erhalten die Geisteswissenschaftler zu ihrem „Heidelberger Appell“ im Urheberrechtsstreit mit GOOGLE natürlich auch keine Unterschriften von Naturwissenschaftlern (Tagesspiegel, 2.5.09). Die aus der theoretischen Physik hinausgeworfenen Kritiker können in diesen Strukturen kein Verständnis auf der Gegenseite wecken.

Wir glauben nun ungefähr zu wissen, was das Schweigen uns sagen will. Unsere Adressaten befinden sich mehrheitlich wahrscheinlich in einer Schreckstarre, vielleicht aber auch in einem Gefühl der Überlegenheit gegenüber völlig undenkbaren kriminellen Machenschaften. Aus Angst vor den erschütternden Folgen einer Aufdeckung will jetzt keiner etwas falsch machen. Alle haben sich entschlossen so zu tun, als ob es sie selbst gar nicht gibt. Vielleicht verachten manche sogar die Kritiker.

(Zitatende)

Beste Grüße Ekkehard Friebe