{"id":3244,"date":"2012-10-16T06:32:39","date_gmt":"2012-10-16T05:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=3244"},"modified":"2012-10-16T06:32:39","modified_gmt":"2012-10-16T05:32:39","slug":"immanuel-kant-und-seine-bedeutung-fur-die-naturforschung-der-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/immanuel-kant-und-seine-bedeutung-fur-die-naturforschung-der-gegenwart\/","title":{"rendered":"Immanuel Kant und seine Bedeutung f\u00fcr die Naturforschung der Gegenwart"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotol\" style=\"text-align: justify; width: 135px;\">\n<dt><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image- 1831\" src=\"http:\/\/www.kritik-relativitaetstheorie.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bild-Johannes-Kries.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"175\" \/><\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Von <strong><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_von_Kries\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Johannes von Kries<\/span><\/a><\/strong> 1924 <em><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Beitrag aus dem GOM-Projekt: <strong><a href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Kap4_Erg_2012.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">2394 weitere kritische Ver\u00f6ffentlichungen <\/span><\/a><br \/>\n<\/strong>zur Erg\u00e4nzung der <strong><a href=\"http:\/\/www.kritik-relativitaetstheorie.de\/projekt-go-mueller\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Dokumentation<\/span><\/a><\/strong> Textversion 1.2 \u2013 2004, Kapitel 4.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Immanuel Kant und seine Bedeutung f\u00fcr die Naturforschung der Gegenwart<\/strong><br \/>\nJohannes von Kries. &#8211; Berlin: Springer 1924. 127 S. &#8211; <strong><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Immanuel_Kant_und_seine_Bedeutung_f%C3%BCr_d.html?id=aGk_AAAAIAAJ&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Google books<\/span><\/a>\u00a0<br \/>\n<\/strong>Diskutiert die Bedeutung der Philosophie Kants f\u00fcr die Auffassung von Raum und Zeit und ihr Verh\u00e4ltnis zur &quot;modernen Physik&quot; Albert Einsteins und seiner Anh\u00e4nger (S. 25-72 und in den dazugeh\u00f6rigen Fu\u00dfnoten Nr. 14-28 auf S. 117-122).\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Kommt den Auffassungen der Relativistik entgegen, indem er ihren Ans\u00e4tzen zu einer anderen Konzeption von Raum und Zeit wiederholt die logische M\u00f6glichkeit zubilligt, erkennt jedoch den klaren Gegensatz dieser Konzeption zur Erkenntnis Kants, die man nicht aufgeben darf (S. 32:) &quot;Trotzdem m\u00f6chte ich nicht unterlassen, ohne R\u00fcckhalt auszusprechen, da\u00df m. E. die naturwissenschaftliche Auffassung die eigenartige psychologische Natur der Raumvorstellung au\u00dfer betracht l\u00e4\u00dft, und da\u00df sie demgem\u00e4\u00df Dinge verkennt und ablehnt, \u00fcber deren Berechtigung und tiefe Bedeutung auch f\u00fcr mich kein Zweifel besteht. Unm\u00f6glich k\u00f6nnen wir die Raumvorstellung in eine Reihe einzelner Koinzidenz- oder Ber\u00fchrungsbeziehungen aufl\u00f6sen und durch diese ersetzen.&quot;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Sieht die Darstellung der euklidischen Geometrie als \u00fcberlegen an: es gibt kein \u00fcberzeugendes Argument, die Eigenschaft einer Kr\u00fcmmung von den physikalischen Ph\u00e4nomen auf den Raum zu \u00fcbertragen (S. 38): &quot;Ebenso w\u00fcrden wir aus der Tatsache, da\u00df ein Lichtstrahl, der sich ungehemmt weiter fortpflanzt, seinen Ausgangspunkt wieder erreicht, nicht schlie\u00dfen, da\u00df der Raum begrenzt ist und da\u00df die Gerade in sich zur\u00fcckl\u00e4uft, sondern, da\u00df der Lichtstrahl nicht in gerader, sondern in gekr\u00fcmmter Bahn l\u00e4uft. Mit Recht kann man also betonen, da\u00df Widerspr\u00fcche gegen die geometrischen Axiome niemals in einer absolut zwingenden Weise dargetan werden k\u00f6nnen.&quot; Nichts kann uns veranlassen, die (S. 39) &quot;zwingende Evidenz der Euklidischen Geometrie&quot; zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Sieht ebenso evident die Zeitvorstellung (S. 40): &quot;Gleich der des Raumes stellt auch sie [die Vorstellung der Zeit] einen Bewu\u00dftseinsinhalt dar, der mit seinen ma\u00dfgebenden Eigenschaften &#8211; Zusammensetzung aus streng vergleichbaren Teilen, unbegrenzte Erstreckung nach der Seite der Vergangenheit wie der Zukunft usw. &#8211; fest und unver\u00e4nderlich gegeben ist. In zwingender Evidenz steht diese Beschaffenheit fest; der Gedanke an eine andere, wie etwa eine Kr\u00fcmmung, ist ausgeschlossen.&quot;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Besteht mit den &quot;streng vergleichbaren Teilen&quot; als &quot;fest und unver\u00e4nderlich gegeben&quot; auf der Geltung des einen, universalen Einheitensystems f\u00fcr alle Messungen (womit, ohne da\u00df sie ausdr\u00fccklich genannt werden, Kontraktion und Dilatation von L\u00e4ngen und Zeiten ohne Grundlage sind).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Auch die Beurteilung der Minkowski-Welt verbindet unwesentliche Zugest\u00e4ndnisse (einfach, elegant) mit wesentlichen Einw\u00e4nden (S. 48): &quot;&#8230; da\u00df in der Minkowskischen Darstellung ein T e i l unseres Wirklichkeitswissens in der einfachsten Form und mit einem H\u00f6chstma\u00df an Eleganz zur Darstellung kommt, da\u00df sie aber immer nur eine bedingte Bedeutung besitzt, da\u00df wir jedenfalls kein Recht haben, sie als die universale und allein zul\u00e4ssige Form alles Wirklichkeitsdenkens in Anspruch zu nehmen. Auch m\u00fcssen wir uns namentlich vor der dem gew\u00f6hnlichen Realismus naheliegenden T\u00e4uschung h\u00fcten, mit ihr das wahre und eigentliche Wesen der uns umgebenden Welt erfa\u00dft zu haben.&quot;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Stellt auch immer seine Vorbehalte fest bez\u00fcglich der behaupteten physikalischen Sachverhalte, die er selbst nicht beurteilt (S. 57): &quot;&#8230; und die Umwandlung des physikalischen Begriffskreises, die wir Minkowski und Einstein verdanken (immer nat\u00fcrlich die volle Best\u00e4tigung des dem Relativit\u00e4tsprinzip zugrundeliegenden Tatsachenmaterials vorausgesetzt) &#8230;&quot; Beurteilt (S. 59) die verschiedenen neuen physikalischen Weltbilder zwar als logisch m\u00f6glich, aber nicht als einzige M\u00f6glichkeit und nicht als zwingend erwiesen. Schon darin steckt im Jahr 1924 eine Kritik an dem offiziell verk\u00fcndeten Jubel \u00fcber die Theorie.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Sieht als wesentliche Leistung Kants, die man nicht aufgeben darf, (S. 62) &quot;die L\u00f6sung von der Illusion eines naiven Realismus, dem die Wahrnehmung zeitlicher und r\u00e4umlicher Verh\u00e4ltnisse ohne weiteres als die Erfassung der au\u00dfer uns gegebenen Wirklichkeit nach ihrem eigenen Wesen erscheint. All dies mu\u00df man im Auge behalten, um die Bedeutung der Kantschen Lehre zu w\u00fcrdigen.&quot;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Treibt auf S. 64 seine Anerkennung und gleichzeitige Kritik des physikalischen Weltbildes in den gr\u00f6\u00dften Kontrast: einerseits &quot;Genialit\u00e4t&quot;, andererseits &quot;T\u00e4uschung&quot; \u00fcber die Natur der unmittelbaren Wahrnehmung.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Konstatiert zwei Formen der Naturerkenntnis (S. 65), die &quot;direkt sinnliche&quot; und die &quot;intellektuelle&quot;, deren Ergebnisse sich widersprechen k\u00f6nnen. Beantwortet die Frage des Themas (S. 71): die Mehrzahl der Physiker bestreitet Kants Erkenntnislehre als verkehrt oder lehnt sie als fremdartig ab. Damit entgeht ihnen Kants Erkenntnis (S. 72), &quot;da\u00df auch Zeit und Raum diesen subjektiv bestimmten und festgelegten Formen zuzurechnen sind.&quot;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8212; <em>Vers\u00e4umt leider, die \u00dcberlegenheit der euklidischen Geometrie konkret dazutun an ihrer Begr\u00fcndung ohne metrische Annahmen, wohingegen alle nicht-euklidischen Geometrien zu ihrem Aufbau eine Metrik f\u00fcr ihr Kr\u00fcmmungsma\u00df erfordern, das eindeutig nur in euklidischer Geometrie gegeben werden kann, so da\u00df die nicht-euklidischen Geometrien stets nur als Konstruktionen im Rahmen der \u00fcbergeordneten euklidischen Geometrie gedacht werden k\u00f6nnen. <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>\u00a0&#8211; Bemerkenswert sind folgende Merkmale dieser Ver\u00f6ffentlichung:<br \/>\n<\/em><em>(1) Sie bestreitet die behaupteten Erkenntnisse der Physik \u00fcber Zeit und Raum allein vom Boden der Erkenntnistheorie, so z. B. das Bestehen auf universal g\u00fcltigen Ma\u00dfeinheiten, ohne die eine Welterkenntnis unm\u00f6glich w\u00e4re. \u2013<br \/>\n<\/em><em>(2) Sie stellt auch 1924, als schon alles als bewiesen propagiert wird, die Behauptungen der Physiker noch unter den Vorbehalt der experimentellen Best\u00e4tigung. \u2013\u00a0<br \/>\n<\/em><em>(3) Sie bem\u00fcht sich um gr\u00f6\u00dfte Differenzierung der Standpunkte und Urteile, kommt damit der Relativistik durchaus entgegen, findet aber auch un\u00fcberbr\u00fcckbare Widerspr\u00fcche und unleugbare Fehler. \u2013\u00a0<br \/>\n<\/em><em>(4) Sie stellt den scharfen Kontrast zwischen Kant und Relativistik heraus, womit sie sich in Widerspruch zu anderen Autoren stellt, die alles f\u00fcr vereinbar erkl\u00e4ren und der Relativistik auch noch die Autorit\u00e4t Kants sichern m\u00f6chten. <\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Siehe auch im Blog\u00a0\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/www.kritik-relativitaetstheorie.de\/2012\/07\/immanuel-kant-und-seine-bedeutung-fur-die-naturforschung-der-gegenwart\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">&quot;Kritische Stimmen zur Relativit\u00e4tstheorie&quot;<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Johannes von Kries 1924 Beitrag aus dem GOM-Projekt: 2394 weitere kritische Ver\u00f6ffentlichungen zur Erg\u00e4nzung der Dokumentation Textversion 1.2 \u2013 2004, Kapitel 4.\u00a0 Immanuel Kant und seine Bedeutung f\u00fcr die Naturforschung der Gegenwart Johannes von Kries. &#8211; Berlin: Springer 1924. 127 S. &#8211; Google books\u00a0 Diskutiert die Bedeutung der Philosophie Kants f\u00fcr die Auffassung von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3244","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschsprachige-kritik-der-relativitatstheorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3244"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3244"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3244\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}