{"id":3098,"date":"2012-01-11T07:31:49","date_gmt":"2012-01-11T06:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=3098"},"modified":"2012-01-11T07:31:49","modified_gmt":"2012-01-11T06:31:49","slug":"die-deutsche-forschungsgemeinschaft-unter-scharfer-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/die-deutsche-forschungsgemeinschaft-unter-scharfer-kritik\/","title":{"rendered":"Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unter scharfer Kritik"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Reu%C3%9F\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Roland Reu\u00df<\/span><\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volker_Rieble\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Volker Rieble<\/span><\/a><\/p>\n<dl class=\"clearfix fotol\" style=\"text-align: justify; width: 134px;\">\n<dt><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1831\" title=\"Titelbild Frankfurter Allgemeine Zeitung\" src=\"http:\/\/wissenschaftliche-physik.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Bild-FAZ-DFG.jpg\" alt=\"\" title=\"Titelbild Frankfurter Allgemeine Zeitung\" width=\"125\" height=\"175\" \/><\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Am 19.10.11 ist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein ganzseitiger Artikel mit einer tiefgehenden und sehr scharfen Kritik der Deutschen Forschungsgemeinschaft erschienen. Es gibt offensichtlich hinter den Kulissen der DFG viel zu sanieren&#8230; Hier die online-Version:<br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/kritik-an-der-dfg-die-freie-wissenschaft-ist-bedroht-11497511.html\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Die freie Wissenschaft ist bedroht<\/span><\/a><\/strong><br \/>\nF\u00f6rdert die m\u00e4chtige Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Ideenklau und die Selbstbedienung? Transparenz ist f\u00fcr sie ein Fremdwort. Dieses Monopol ist bedenklich.<br \/>\nRoland Reu\u00df und Volker Rieble<\/p>\n<p><!--more--><strong><\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Ausz\u00fcge:<br \/>\n<\/strong>[&#8230;] Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist ein Verein deutscher Universit\u00e4ten und Wissenschafts-organisationen (Forschungseinrichtungen, Akademien und wissenschaftliche Verb\u00e4nde). Ihr Zweck ist durch die Satzung bestimmt: Sie \u201edient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch die finanzielle Unterst\u00fctzung von Forschungsaufgaben und durch die F\u00f6rderung der Zusammenarbeit unter den Forscherinnen und Forschern.\u201c Sie erh\u00e4lt Geld vom Staat, jedes Jahr etwa 2,5 Milliarden Euro. Dieses Geld verteilt sie an Forscher und Forschungseinrichtungen, vor allem f\u00fcr die F\u00f6rderung von Forschungsprojekten. Daneben nimmt sie mit Geld Einfluss auf die Forschungsstruktur, namentlich durch die von ihr verwaltete Exzellenzinitiative, die Spitzenuniversit\u00e4ten erhebliche Finanzmittel zuweist, aber ebenso durch die von der F\u00f6rderung abh\u00e4ngige Errichtung von Sonderforschungsbereichen.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDas geht einher mit punktuellen konkreten Missgriffen, die Indiz f\u00fcr Fehlsteuerung sind. Das schlimmste Szenario ist der Ideenklau: Der Gutachter votiert gegen den Antrag, um dessen Kernidee als eigene Initiative einzureichen, mitunter auch in wortw\u00f6rtlicher \u00dcbernahme. Hinzu kommen plagiatorische und betr\u00fcgerische Antr\u00e4ge, die wahlweise bereits publizierte fremde Forschungsergebnisse als eigene Projektidee ausgeben oder eigenes Erforschtes als k\u00fcnftiges Projekt darstellen, um eine zukunftsbezogene F\u00f6rderung f\u00fcr vergangene Leistung einzustreichen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das ist Subventionsbetrug und ein Fall f\u00fcr den Staatsanwalt. Was macht die DFG: Sie spricht eine R\u00fcge aus, in sehr seltenen F\u00e4llen auch einmal eine Antragssperre \u2013 achtet aber ansonsten sehr darauf, dass solche Kriminalit\u00e4t die edle Sph\u00e4re der Wissenschaft nicht verl\u00e4sst. T\u00e4ter werden durch Anonymit\u00e4t gesch\u00fctzt.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDementsprechend gewinnt die im Hauptausschuss festgelegte wissenschaftspolitische Ausrichtung der DFG eine klare Lenkungsfunktion. Werden dort interdisziplin\u00e4re Projekte, industriell verwertbare oder solche der Lebenswissenschaften bevorzugt, so werden die Antragsteller folgen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das m\u00fcsste im Rahmen einer offenen Diskussion geschehen; doch ist der Hauptausschuss ein kleiner Lenkungskreis, der nicht\u00f6ffentlich tagt und entscheidet und seine Entscheidungen auch nicht begr\u00fcndet. Weil dort die geldgebende Politik mit 32 Mitgliedern pr\u00e4sent ist, ist Staatseinfluss nicht ausgeschlossen. Auch dagegen w\u00e4re im Prinzip nichts einzuwenden, doch fehlt jede parlamentarisch-demokratische Kontrolle. Die Ministerialagenten k\u00f6nnen nach eigenem Gutd\u00fcnken Forschungskonzeptionen f\u00fcr die gesamte Bundesrepublik entwickeln \u2013 innerhalb eines privatrechtlichen Vereines, der niemandem verantwortlich ist.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nErforderlich ist zweitens eine R\u00fcckbesinnung auf ein Mindestma\u00df an wissenschaftspolitischer Neutralit\u00e4t: Wenn der Staat gemeinwohlwichtige Forschungsvorhaben mit inhaltlichem Suchauftrag verbinden will \u2013 wichtig etwa in der medizinischen Forschung -, dann mag er das tun und sich hierzu bekennen. Die allgemeine Forschungsf\u00f6rderung hingegen muss ein Mindestma\u00df an inhaltlicher Neutralit\u00e4t wahren, darf nicht Forschungsf\u00f6rderung mit Forschungslenkungspolitik koppeln. Der \u201estrukturellen Gefahr wissenschafts-inad\u00e4quater Entscheidungen\u201c (BVerfGE 111, 333) ist entschieden zu begegnen.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Zentral ist die Forderung nach Transparenz: Transparenz in der Gutachterauswahl und in den Gutachten. Dass Fachreferenten der Gesch\u00e4ftsstelle die Gutachter freih\u00e4ndig ausw\u00e4hlen und damit die zentrale Weichenstellung f\u00fcr das Qualit\u00e4tsurteil programmieren, ist ein unhaltbarer Zustand. Dass Gutachter einen Anonymit\u00e4tsschutz ben\u00f6tigten, ist nicht plausibel. Wissenschaftliche R\u00fccksichtnahme ist kein Grund f\u00fcr Heimlichtuerei. Hochschullehrer erstatten in Berufungsverfahren \u00fcber Kandidaten bewertend Bericht \u2013 ohne dass dies in ein Geheimverfahren verlagert wird. Jeder Kandidat und jeder Gutachter ertr\u00e4gt dies.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der Wissenschaft ist offene Kritik immanent; weswegen ausgerechnet Subventionsentscheider und -empf\u00e4nger vor Kritik geschont werden m\u00fcssten, ist unerfindlich. Noch unerfindlicher ist die Idee, Gutachter k\u00f6nnten nicht mehr \u201efrei\u201c ihre Meinung sagen, wenn der Antragsteller \u00fcber ihr Votum in Kenntnis gesetzt wird. Ein wenig Selbstbewusstsein darf man von demjenigen erwarten, der f\u00fcr sich wissenschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit in Anspruch nimmt. Im \u00dcbrigen finden auch wissenschaftliche Auseinandersetzungen nicht anonym statt. Wer Kritik \u00e4u\u00dfert, muss sie auch selbst aushalten. Akademische Pr\u00fcfungen im allgemeinen zeichnen sich da-durch aus, dass allenfalls der Pr\u00fcfling, nie aber der Pr\u00fcfer anonymisiert wird.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDas sind Vorschl\u00e4ge, die wir diskutieren wollen. An der grunds\u00e4tzlichen Feststellung, dass die DFG als Organisation modernen Prinzipien guter Organisationsf\u00fchrung nicht entspricht, f\u00fchrt unseres Erachtens kein Weg vorbei. Es muss besser werden und damit anders \u2013 damit die DFG ihre Aufgabe k\u00fcnftig allein im Dienst der Wissenschaft versieht.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Lesen Sie bitte <strong><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/kritik-an-der-dfg-die-freie-wissenschaft-ist-bedroht-11497511.html\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">hier<\/span><\/a><\/strong> weiter!\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Roland Reu\u00df und Volker Rieble \u00a0 Am 19.10.11 ist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein ganzseitiger Artikel mit einer tiefgehenden und sehr scharfen Kritik der Deutschen Forschungsgemeinschaft erschienen. 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