{"id":3063,"date":"2011-11-07T03:03:31","date_gmt":"2011-11-07T02:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=3063"},"modified":"2011-11-07T03:03:31","modified_gmt":"2011-11-07T02:03:31","slug":"die-grundlagen-der-physik-synthetische-prinzipien-der-mathematischen-naturphilosophie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/die-grundlagen-der-physik-synthetische-prinzipien-der-mathematischen-naturphilosophie\/","title":{"rendered":"Die Grundlagen der Physik: synthetische Prinzipien der mathematischen Naturphilosophie"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotol\" style=\"text-align: justify; width: 134px;\">\n<dt><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image- 1831\" src=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/bilder\/Bild-Hugo-Dingler.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"175\" \/><\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_Dingler\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">Hugo Dingler<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das <a href=\"http:\/\/wissenschaftliche-physik.com\/projekt-go-mueller\/\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">GOM-Projekt<\/span><\/strong><\/a> referiert stichwortartig in seiner <a href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/buch.pdf\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">Dokumentation<\/span><\/strong><\/a> drei Arbeiten aus dem <a href=\"http:\/\/www.infosoftware.de\/dingler.htm\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">Werk von Hugo Dingler<\/span><\/strong><\/a><strong><span style=\"color: #800000;\">:\u00a0<br \/>\n<\/span><\/strong><strong>1919 &#8211;<\/strong> <strong>Die Grundlagen der Physik: synthetische Prinzipien der mathematischen Naturphilosophie. <\/strong><em>Vereinigung Wissenschaftl. Verleger (de Gruyter) 1919<\/em>.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Dingler entwickelt eine eigene Theorie der Physik mit dem Anspruch, eine vollst\u00e4ndige und widerspruchsfreie Darstellung zu geben.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->&#8211; S. 96-119: \u00dcber Relativit\u00e4t. Die physikalische Forschungspraxis. Relativit\u00e4tstheorien. Einiges \u00fcber den Tatbestand. \u00dcber den absoluten Raum.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die Vertreter der Relativit\u00e4tstheorie wollen einerseits die \u201e<em>Wirklichkeit in ein logisches System<\/em>\u201c einf\u00fcgen, andererseits soll \u201e <em>stets die \u2018Erfahrung\u2019 als letzter Kronzeuge<\/em>\u201c herangezogen werden, und beide Standpunkte werden \u201e<em>v\u00f6llig unkritisch fortw\u00e4hrend untereinander gemengt<\/em>\u201c (S. 97).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Wenn man ein bestimmtes Problem der Physik nicht l\u00f6sen kann und deshalb die Grundlagen der Physik \u00e4ndern will, so ist dies voreilig (S. 98).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; F\u00fcr die Positionen in der Physik, die \u201e<em>letzten Endes auf dem absoluten Vertrauen in den Geist einiger Forscher [basieren], da\u00df tats\u00e4chlich gar keine andere M\u00f6glichkeit mehr vorliegt, und da\u00df diese apodiktisch voraussagen k\u00f6nnen, da\u00df keine m\u00f6gliche Erfahrung jemals einen anderen Ausweg<\/em>\u201c zeigen kann, gibt es keinerlei Gew\u00e4hr (S. 99).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Als v\u00f6llig unbewiesenes Dogma wird verk\u00fcndet und geglaubt, die Physik werde \u201e<em>lediglich auf Grund von \u2018Erfahrungen\u2019 aufgebaut<\/em>\u201c (S. 99-100).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Dem reinen Empirismus fehlt die kritische Einsicht, \u201e<em>da\u00df das meiste an dem, was er als \u201eSehen\u201c bezeichnet, durch den Sehenden selbst in die Erscheinung hineingetragen ist<\/em>\u201c (S. 101).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die behauptete C-Konstanz kann man nicht \u201e<em>irgendwoher wissen<\/em>\u201c, sondern mu\u00df sie empirisch feststellen, aber derartige Definitionen empirischer Gr\u00f6\u00dfen als \u201e<em>absolut<\/em>\u201c m\u00fcssen zu Problemen f\u00fchren (S. 103).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Wir beobachten Bewegungen, \u201e<em>ob aber eine solche absolut oder relativ sei, dies kann niemals die Beobachtung allein liefern, sondern dabei mu\u00df stets die Interpretation des Beobachteten ausschlaggebend mitwirken<\/em>\u201c (S. 103).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Analysiert eingehend die Bestrebungen und M\u00f6glichkeiten, rein kinematische Betrachtung und beliebige, auch nichteuklidische Geometrien miteinander zu kombinieren: man kann beliebige Deformationen eines K\u00f6rpers darstellen, als sei der K\u00f6rper unver\u00e4ndert und nur die Geometrie deformiert, und dabei sogar eine widerspruchsfreie Darstellung erhalten; man kann sogar auf eine \u201e<em>konstante Ma\u00dfgeometrie<\/em>\u201c verzichten und in die Entfernungsfunktion zweier K\u00f6rper die Zeit als Variable einf\u00fchren; bezeichnet dies als einen \u201e<em>vielleicht abstrus erscheinenden, aber nicht der Aktualit\u00e4t entbehrenden Gedankengang<\/em>\u201c (S. 105). \u201e<em>Irgendeine nicht-euklidische Geometrie [ist] in ihrer praktischen Anwendung nichts anderes als die euklidische Geometrie mit einigen dar\u00fcber gelagerten Anomalien<\/em>\u201c (S. 106): deshalb wird von den Vertretern nicht-euklidischer Geometrien stets betont, da\u00df die euklidische Geometrie \u201e<em>in erster Ann\u00e4herung<\/em>\u201c gilt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Kritisiert als gravierende Folge: \u201e<em>Wenn n\u00e4mlich gewisse Gestaltver\u00e4nderungen einer \u201eGeometrie\u201c zugeschrieben werden, so hei\u00dft das soviel, als da\u00df sie schon vor Einf\u00fchrung einer Kausalit\u00e4t da sein sollen, also sozusagen \u2018grundlos\u2019<\/em>\u201c (S. 107).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Kritisiert die Methodik der \u201e<em>modernen physikalischen Literatur<\/em>\u201c als reine Dogmatik: man beginnt mit dem Dogma der Empiristik, \u201e<em>d.h. man bezieht sich auf Beobachtungen und Messungen ohne weitere Kritik<\/em>\u201c \u2013 \u201e<em>zwei Bl\u00e4tter weiter<\/em>\u201c werden ebenso dogmatisch apriorische Prinzipien eingef\u00fchrt, z.B. das Prinzip der Unm\u00f6glichkeit von Fernwirkungen (S. 108).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die Begriffsbildungen gehen allen Gleichungen voraus (S. 110).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; \u201e<em>Absolute Aussagen auf Grund rein experimenteller Daten sind unbegr\u00fcndet und daher prinzipiell immer falsch<\/em>\u201c (S. 112).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Begr\u00fcndet die Annahme eines absoluten Raumes: wir nehmen vom Kosmos nur ein \u201e<em>endliches Raumst\u00fcck<\/em>\u201c wahr, bis zu den Fixsternen und Galaxien; au\u00dferhalb dieses Raumst\u00fccks k\u00f6nnen wir definitionsgem\u00e4\u00df kein Objekt wahrnehmen: damit fehlt uns die M\u00f6glichkeit, unser \u201e<em>endliches Raumst\u00fcck<\/em>\u201c zu relativieren und z.B. eine Translation dieses Raumst\u00fccks zu messen. In diesen maximalen kosmischen Beobachtungsraum konstruieren wir das absolute Koordinatensystem (weil es durch keine Beobachtung von uns relativiert werden kann) (S. 115). \u201e<em>Fragen wir uns n\u00e4mlich, ob es bei diesem Raume irgendeine Art von Relativit\u00e4t gibt, so lautet die Antwort: Nein<\/em>\u201c (S. 116).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Identifiziert unseren kosmischen Beobachtungshorizont mit dem absoluten Raum und diesen mit dem Neumannschen Bezugsk\u00f6rper Alpha (S. 118). Die sch\u00f6ne Sottise auf das \u201e<em>absolute Vertrauen in den Geist einiger Forscher<\/em>\u201c und deren Apodiktik \u00fcber den allein seligmachenden Weg thematisiert schon im Sept. 1919 (Datierung des Vorworts) den Weg der Physik in Personenkult und Devotionalienhandel.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Zeigt, da\u00df bereits die Voraussetzungen der Theorie grundfalsch sind, weshalb auch nur irrige Folgerungen herauskommen k\u00f6nnen. Leider hat Dingler nicht mehr die Experimente von Aspect u.a. erlebt: er h\u00e4tte seine Kritik der dogmatischen Prinzipien (Verbot der Fernwirkung) gl\u00e4nzend best\u00e4tigt gefunden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die grunds\u00e4tzliche Bestreitung jeglicher Relativit\u00e4t des Raumes ist die h\u00e4rteste Position der Kritik \u00fcberhaupt und wird nur von wenigen Kritikern vorgetragen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Bezeichnet die vorliegende Arbeit in seinem Aufsatz von 1925 (Bilanz der Relativit\u00e4tstheorie) als seine \u201e<em>erste Kritik der R. T.<\/em>\u201c (S. 214)<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1925 \u2013 Bilanz der Relativit\u00e4tstheorie<\/strong><br \/>\n<em>In: S\u00fcddeutsche Monatshefte. 23. 12.1925<\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das breite allgemeine Interesse an der Theorie ergibt sich aus der Tatsache, da\u00df \u201e<em>der Kern der R.T. methodologisch war, d. h. letzten Endes auf die tiefsten Wurzeln und Methoden der physikalischen Forschung und Erkenntnis sich bezog<\/em>\u201c (S. 211).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Wie E. Mach so betrachtete auch Einstein \u201e<em>eine Theorie als ein Mittel zur Beschreibung der Realit\u00e4t [&#8230;] So ist es erkl\u00e4rlich, wenn wirklich durchschlagende Beweisgr\u00fcnde gegen die R.T. eigentlich nur von methodologischer Seite her erhoben werden konnten<\/em>\u201c (S. 212).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die heutige Forschergeneration \u201e<em>ist noch fast v\u00f6llig aphilosophisch aufgewachsen<\/em>\u201c, alsR\u00fcckschlag gegen die \u201e<em>disziplinlosen Phantastereien der Identit\u00e4tsphilosophie<\/em>\u201c; \u201e<em>das sollen dann die Leute werden, die, wie es in der R.T. der Fall war, \u201eWeltanschauungen\u201c hervorbringen<\/em>\u201c (S. 212).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die Einw\u00e4nde gegen die Theorie sind (1) mathematischphysikalische und (2) philosophisch-methodologische.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die erste Gruppe zweifelt die sogenannten experimentellen Best\u00e4tigungen der R.T. an. \u201e<em>Nun ist vor allem klar, da\u00df experimentelle Best\u00e4tigungen niemals eine Theorie beweisen k\u00f6nnen. Sie schaffen lediglich Gewi\u00dfheit, da\u00df die Theorie an diesen Stellen experimentell nicht widerlegt wird. Das verringert ihre Bedeutung betr\u00e4chtlich\u201c (S. 212). Manche experimentellen Befunde k\u00f6nnen auch \u201ein ungez\u00e4hlten anderen Theorien ihren Platz finden<\/em>\u201c (S. 213). Wenn nach der Aufstellung der Formeln richtig gerechnet worden ist, so mu\u00df der \u201e<em>Ansatz<\/em>\u201c der Theorie analysiert werden: deshalb wurde der Michelson-Morley-Versuch auf seine Interpretationsm\u00f6glichkeiten untersucht und kritisiert. Das regte zu weiteren Versuchen mit dem Licht an (Harress, Majorana, Sagnac) und zu Wiederholungen durch Michelson. Insgesamt ergibt sich eine geringe Anzahl von experimentellen Grundlagen, die zudem nur auf sehr kleinen Effekten beruhen (S. 214).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Zur zweiten Gruppe (methodologische Kritik): Der reine Empirismus l\u00e4\u00dft \u201e<em>jedes weitere Nachdenken \u00fcber die Grundlagen der Physik unn\u00f6tig erscheinen<\/em>\u201c (S. 214). Gegen die Behauptung, Einsteins Annahmen seien die einzig m\u00f6glichen, wurden als Gegenbeweise widerspruchsfreie andere Relativit\u00e4tstheorien entwickelt: Mohorovicic, Guillaume, Willigens, v. Raschevsky (S. 216); letzterer hat nachgewiesen, da\u00df eine experimentelle Entscheidung zwischen klassischer Physik und Relativit\u00e4tstheorie nicht m\u00f6glich ist, weil alle Exp. in beiderlei Sinn interpretiert werden k\u00f6nnen (S. 217). G. v. Gleich hat gezeigt, da\u00df in das Formelgeb\u00e4ude der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie neue Hypothesen eingef\u00fcgt worden sind, die keine hinreichende experimentelle Grundlage haben (S. 217). Dingler erkennt der Theorie immerhin das Verdienst zu, die methodologische Diskussion vorangetrieben zu haben. H\u00e4lt die Theorie aber bereits f\u00fcr \u00fcberwunden; verweist auf die Tendenz in dem Titel eines Vortrags von Planck: \u201e<em>Vom Relativen zum Absoluten<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Dinglers optimistische Bilanz 1925: \u201e<em>Die R.T. war sozusagen nur in der Zeitspanne m\u00f6glich gewesen, die zwischen dem Untergang der alten naiven Physik und dem Bewu\u00dftwerden der Methodologie lag<\/em>\u201c (S. 218).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1969 \u2013 Die Ergreifung des Wirklichen<\/strong><br \/>\n<em>[Teilausg.]: Kap. 1-4 ; Einleitung v. Kuno Lorenz u. J\u00fcrgen Mittelstra\u00df. \u2013 Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1969.<\/em><em><br \/>\n<\/em><em>(Theorie. 1.) Vgl. Dingler 1955. \u2013 In der Teilausgabe fehlen das Vorwort des Herausgebers W. Krampf (1955), das Kap. 5: Metaphysik, die Zus\u00e4tze und das Register.<\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">S. 153-210: Kap. 3: Folgerungen. Exakte Wissenschaft und Wirklichkeit.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Der \u201e<em>starre K\u00f6rper<\/em>\u201c, den Dingler den \u201e<em>deformationsfreien K\u00f6rper<\/em>\u201c nennt, findet sich nicht in der Natur, sondern ist ein Konstrukt der Geometrie: ohne dieses Konstrukt w\u00e4re eine messende Geometrie nicht m\u00f6glich; in der Natur finden sich nur ver\u00e4nderliche K\u00f6rper (S. 156- 157). Deshalb bezieht sich die Reproduzierbarkeit einer gemessenen Erscheinung immer nur auf dieses Konstrukt (S. 160-163).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Weist die einzigartige Sonderstellung der euklidischen Geometrie nach: als einzige hat sie ein Fundament \u201e<em>rein ideeller Natur<\/em>\u201c und bedarf zu ihrer Begr\u00fcndung \u201e<em>keiner gemessenen Gr\u00f6\u00dfe<\/em>\u201c, weshalb sie als einzige ohne \u201e<em>pragmatischen Zirkel<\/em>\u201c eingef\u00fchrt werden kann (S. 165).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Im Gegensatz dazu erfordern alle nicht-euklidischen, \u201e<em>krummen<\/em>\u201c Geometrien (elliptische oder hyperbolische) ein Kr\u00fcmmungsma\u00df, das eine gemessene Konstante ist, damit sie eindeutig bestimmte Geometrien sind: die Bestimmung dieser gemessenen Konstante kann aber nur in der euklidischen Geometrie vorgenommen werden. Daraus folgt: obwohl auch nicht-euklidische Geometrien mathematisch, in sich widerspruchsfrei konstruiert werden k\u00f6nnen, f\u00fchren sie \u201e<em>in der Realisierung dennoch [zu] einem Widerspruch<\/em>\u201c (S. 164-165). Ergebnis: die behauptete Einf\u00fchrung einer nichteuklidischen Geometrie beruht auf einem Widerspruch.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die gemessene Konstante zur Realisierung einer nicht-euklidischen Geometrie steht \u2013 wie die Geometrie selbst \u2013 \u201e<em>au\u00dferhalb der experimentellen Variierbarkeit und Angreifbarkeit<\/em>\u201c, d.h. sie steht \u201e<em>au\u00dferhalb des Kausalzusammenhangs<\/em>\u201c: \u201e<em>Die Einf\u00fchrung einer nichteuklidischen Geometrie bedeutet also auch stets die Einf\u00fchrung akausaler Elemente. Sie ist also im strengen Sinn stets &lt;unwissenschaftlich&gt;<\/em>\u201c (S. 166).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Kritisiert den in der Physik h\u00e4ufig anzutreffenden irrigen R\u00fcckschlu\u00df von einer gefundenen Differentialgleichung (f\u00fcr experimentelle Me\u00dfwerte) auf die Richtigkeit der Pr\u00e4missen des Experiments: erstens gehen in die Gleichungen Interpolationen und Gl\u00e4ttungen ein, die keineswegs empirischer Herkunft sind; und zweitens k\u00f6nnte auf die Richtigkeit der Pr\u00e4missen erst dann geschlossen werden, wenn der Beweis erbracht w\u00fcrde, da\u00df dieselbe Differentialgleichung nicht auch aus anderen Pr\u00e4missen abgeleitet werden kann. Ohne diesen Beweis ist der R\u00fcckschlu\u00df auf die Richtigkeit der Pr\u00e4missen \u201e<em>eine auch rein logisch unhaltbare Behauptung, ein logischer Fehler<\/em>\u201c (S. 207). Kritisiert mit gr\u00f6\u00dfter Gr\u00fcndlichkeit die Methodologie der Naturwissenschaft insgesamt und speziell die der Physik. Wenn Dingler Kritik z.B. an den nicht-euklidischen Geometrien vortr\u00e4gt, die auf die Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie zielt, so erw\u00e4hnt er die Theorie nicht eigens: der Leser mu\u00df selbst erkennen, da\u00df es sich u.a. auch um eine Kritik der Relativit\u00e4tstheorien handelt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Zeigt sehr sch\u00f6n, da\u00df der \u201e<em>starre K\u00f6rper<\/em>\u201c eine gedankliche Voraussetzung ist und kein physikalisch vorhandener Gegenstand: deshalb mu\u00df eine Deformierung physikalischer K\u00f6rper eine Ursache haben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Der irrige R\u00fcckschlu\u00df auf die Pr\u00e4missen ist f\u00fcr Spezielle Relativit\u00e4tstheorie und Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie geradezu die Gesch\u00e4ftsgrundlage; die Beweise f\u00fcr ihre Unzul\u00e4ssigkeit wurden mehrfach erbracht: (1) durch Hasen\u00f6hrl f\u00fcr die Masse-Energie-Beziehung; (2) durch Soldner f\u00fcr die Lichtablenkung; (3) durch Gerber f\u00fcr den Merkurperihel. Die Relativisten m\u00f6chten diese Nachweise gern als l\u00e4cherlichen Priorit\u00e4tenstreit abtun: Dingler zeigt ihre wahre methodische Bedeutung f\u00fcr die Unzul\u00e4ssigkeit der R\u00fcckschl\u00fcsse auf Pr\u00e4missen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Zieht mit dieser Arbeit eine Summe seiner Kritik der Methodologie; sie ist erstmals 1955, ein Jahr nach dem Tod des Autors erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hugo Dingler Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation drei Arbeiten aus dem Werk von Hugo Dingler:\u00a0 1919 &#8211; Die Grundlagen der Physik: synthetische Prinzipien der mathematischen Naturphilosophie. Vereinigung Wissenschaftl. Verleger (de Gruyter) 1919. 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