{"id":3055,"date":"2011-11-01T07:57:18","date_gmt":"2011-11-01T06:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=3055"},"modified":"2011-11-01T08:04:40","modified_gmt":"2011-11-01T07:04:40","slug":"the-nature-of-physical-theory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/the-nature-of-physical-theory\/","title":{"rendered":"The nature of physical theory"},"content":{"rendered":"<p>von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Percy_Williams_Bridgman\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">Percy Williams Bridgman<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<dl class=\"clearfix fotol\" style=\"text-align: justify; width: 134px;\">\n<dt><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1831\" src=\"http:\/\/wissenschaftliche-physik.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Bild-Percy-Bridgman.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"175\" \/> <\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das <a href=\"http:\/\/wissenschaftliche-physik.com\/projekt-go-mueller\/\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">GOM-Projekt<\/span><\/strong><\/a> referiert stichwortartig in seiner <a href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/buch.pdf\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #800000;\">Dokumentation<\/span><\/strong><\/a> drei Arbeiten vom Physik-Nobelpreistr\u00e4ger Percy Williams Bridgman:\u00a0<br \/>\n<strong><br \/>\n1936 &#8211; The nature of physical theory\u00a0\u00a0 (<\/strong>S. 72-92: Kap. 7: Relativity)<strong>:<\/strong>\u00a0<br \/>\n&#8211; Bridgman behandelt vor dem Hintergrund seiner Anerkennung f\u00fcr die Spezielle Relativit\u00e4tstheorie hier nur die Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie. F\u00fcr die Beurteilung einer \u201e<em>mathematical theory<\/em>\u201c ist die Analyse des Textes ebenso wesentlich wie die Analyse der Gleichungen; denn der Text enth\u00e4lt das Nichtanalysierbare (<em>unanalyzable<\/em>) der Theorie und damit ihre wesentlichen Beschr\u00e4nkungen (S. 72).<br \/>\n<!--more-->\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Trifft auf der Grundlage des von ihm vertretenen \u201e<em>Operationalismus<\/em>\u201c kritische Feststellungen zur physikalischen Konkretisierung und Realisierbarkeit der Theorieaussagen \u00fcber Koordinaten (Zeit und Raum) und Ereignisse:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(1) Die physikalischen Eigenschaften der Koordinatensysteme, der starren Ma\u00dfst\u00e4be und Uhren werden nicht analysiert. Eine Uhr scheint nur ein Instrument zu sein, das so funktionieren soll, wie die Gleichungen es erfordern. Dies genau zu bestimmen, w\u00e4re Aufgabe des Textes, die nicht gel\u00f6st ist (S. 73).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(2) Die Ankunft eines Lichtsignals, seine Identifizierung im Hinblick auf die Ankunft desselben Lichtsignals an verschiedenen Punkten sind nicht genau bestimmt (S. 73-74).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(3) Ereignisse werden an Schnittpunkten von Weltlinien lokalisiert: eine Weltlinie an sich hat aber keine physikalische Bedeutung (S. 75).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(4) Die Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie sieht es offensichtlich nicht als ihre Aufgabe an zu bestimmen, wieviele und welche Arten von Ereignissen erforderlich sind \u201e<em>to characterize a definite physical situation exhaustively. [&#8230;] It has apparently renounced the ambition to be a complete theory<\/em>\u201c (S. 75).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(5) Die physikalische Situation in einem Koordinatensystem kann durch Transformation der Koordinaten in ein anderes Koordinatensystem nicht erkannt werden: \u201e<em>no physical conclusions whatever about the happening can be drawn merely by passing from the coordinates in one framework to those in another<\/em>\u201c (S. 77).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(6) Wie erkennen verschiedene Beobachter die Identit\u00e4t (sameness) des von ihnen beobachteten Ereignisses? (S. 77-80).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Weitere Kritik betrifft den Begriff des Naturgesetzes, die Bedeutung von Kovarianz und Invarianz, den Zusammenhang zwischen Spezieller Relativit\u00e4tstheorie und Allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie: \u201e<em>generally felt by physicists that the special theory of relativity is on an entirely different basis from the general theory<\/em>\u201c (S. 84). Diskutiert ferner die G\u00fcltigkeitsbereiche von Spezieller Relativit\u00e4tstheorie und Allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie und dieFrage der Vereinbarkeit von Spezieller Relativit\u00e4tstheorie und Quantenmechanik.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Ergebnis: \u201e<em>It seems to me that the arguments which have led up to the theory and the whole state of mind of most physicists with regard to it may some day become one of the puzzles of history<\/em>\u201c (S. 92). Besonders die Diagnose \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Spezieller Relativit\u00e4tstheorie zu Allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie widerspricht mit w\u00fcnschenswerter Deutlichkeit der gegenteiligen Propaganda der meisten anderen Relativisten: hier sagt es ihnen einer der ihren! &#8211; Als Folge der v\u00f6lligen Verschiedenheit kann Bridgman leicht die eine Theorie akzeptieren und die andere fundamental kritisieren.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Das f\u00fcr die Zukunft erwartete \u201e<em>puzzle of history<\/em>\u201c sehen 1936 andere Kritiker schon deutlich vor sich.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1949 &#8211; Einstein\u2019s theories and the operational point of view\u00a0<br \/>\n<\/strong>&#8211; In der Speziellen Relativit\u00e4tstheorie hat Einstein den Grundsatz vertreten, ein Begriff existiere f\u00fcr den Physiker erst, wenn er in einem bestimmten Fall erf\u00fcllt ist. Damit hat Einstein bedeutende Erkenntnisse in Form der Speziellen Relativit\u00e4tstheorie gewonnen (S. 335-337).\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; In der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie hat Einstein diesen Grundsatz der empirischen Darstellbarkeit nicht mehr beachtet, hat stattdessen alle wichtigen Fragen der Empirie (\u00dcber welches konkrete Koordinatensystem sollen Daten erhoben werden? Wie k\u00f6nnen die Koordinaten festgestellt werden? Wie k\u00f6nnen Beobachter erkennen, da\u00df sie dasselbe Ereignis beobachten?) vernachl\u00e4ssigt (S. 338-347).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die Definition der Uhr ist zirkelhaft: die Uhr ist ein Apparat, der so funktioniert, wie die Relativit\u00e4tstheorie sagt, da\u00df eine Uhr funktioniert (S. 338-339).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Zusammenfassung der Kritik an Einsteins Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie: \u201e<em>In his conviction of the possibility of getting away from any special co-ordinate system, in his conviction of the fruitfulness of so doing, and in his treatment of the event as something primitive and unanalyzed, he has carried into general relativity theory precisely that uncritical, pre-Einsteinian point of view which he has so convincingly shown us, in his special theory, conceals the possibility of disaster<\/em>\u201c (S. 354).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1952 &#8211; The nature of some of our physical concepts\u00a0<br \/>\n<\/strong>Introd. (S. 5-6): In unseren physikalischen Vorstellungen (physical concepts) gibt es praktische Ma\u00dfnahmen (operations), deren instrumentale und verbale Aspekte eingehend analysiert werden sollen: die verbalen Aspekte nennt Bridgman drastisch \u201e<em>paper and pencil components<\/em>\u201c: \u201e<em>There is a constant reaction, back and forth, between the instrumental and the verbal aspects of our operations<\/em>\u201c (S. 5). Will die Grundgedanken des von ihm vertretenen Operationalismus darlegen, mit einem klaren Bekenntnis zur Empirie, in der Praxis und Reflexion vereint sind: \u201e<em>It is the practise that comes first \u2013 we find how to deal with a situation, and then reflection after the event puts the practise in a new light<\/em>\u201c (S. 6).\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; 1. Vortrag (S. 7-22): Definiert als \u201e<em>paper-and-pencil operations<\/em>\u201c alle nicht-instrumentalen, geistigen Aktivit\u00e4ten (mental operations): die verbalen Aussagen, die mathematischen Berechnungen(speziell des theoretischen Physikers), jede Verwendung von Symbolen (S. 8).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die \u201e<em>mental experiments<\/em>\u201c sind stark idealisiert, \u201e<em>ignoring in many cases physical limitations which in principle would make the experiment impossible<\/em>\u201c (S. 9).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Die wichtigste \u201e<em>paper-and-pencil<\/em>\u201c-Aktivit\u00e4t ist die Mathematik; ihre Sch\u00e4rfe und Sicherheit kontrastieren zur Ungenauigkeit der instrumentellen Befunde, Me\u00dfergebnisse; sie setzt die Vorstellungen von eindeutiger Identit\u00e4t und Wiederholung voraus; erl\u00e4utert die Probleme am einfachen Differentialquotienten des Fallgesetzes. Sieht im \u00dcbergang von den Me\u00dfdaten zur Gleichung einen \u201e<em>logical jump<\/em>\u201c (S. 11-14).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Der Feldbegriff als Ersatz f\u00fcr die Fernwirkung kann empirisch nicht gerechtfertigt werden: \u201e<em>There is no way by which the desired distinction between action at a distance and action by a field can be given instrumental significance<\/em>\u201c (S. 16). Der Gegenstand und die Mittel seiner Beobachtung und Messung bilden eine Einheit: die Mittel der Beobachtung werden gern vergessen. Im Falle des \u201e<em>empty space<\/em>\u201c f\u00fchrt dies zu immanenten Widerspr\u00fcchen (S. 18: <em>inner contradiction<\/em>) denn um die Leere des Raumes empirisch zu bestimmen, mu\u00df ein Nachweisinstrument verwendet werden &#8211; und der beobachtete Raum ist nicht mehr leer. Sieht hier eine Analogie zu Heisenbergs Unsch\u00e4rferelation (S. 18-19).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Lichtausbreitung kann nur an der Quelle (Sender) und am Zielort (Empf\u00e4nger) empirisch festgestellt werden; die Vorstellung, da\u00df sich etwas bewegt (<em>a thing travelling<\/em>), ist nicht beweisbar, wie schon der leere Raum oder die Unterscheidung von Feld und Fernwirkung. Nur f\u00fcr die Korpuskulartheorie des Lichts w\u00e4re das \u201e<em>travelling thing<\/em>\u201c anwendbar (S. 20-21). Diese instrumental nicht nachweisbaren Vorstellungen sind blo\u00dfe Konventionen (S. 22).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; 2. Vortrag (S. 23-42): Behandelt die Thermodynamik, Energiebegriff, Einsteins Masse-Energie-Beziehung E=mc\u00b2: die Gleichung d\u00fcrfte f\u00fcr Energie und Masse nur die Differenzwerte zwischen Anfangs- und Endzustand des Systems enthalten (S. 26). Eingeladen zu den Vortr\u00e4gen hatte H. Dingle. Das Bekenntnis \u201e<em>practise comes first<\/em>\u201c l\u00e4\u00dft f\u00fcr die physikalische Mathematik (die sich selbst gern \u201e<em>mathematische Physik<\/em>\u201c nennt) nichts Gutes erwarten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">&#8211; Wer sich nach der Lekt\u00fcre von Bridgman an Minkowskis starke Behauptung von 1908 erinnert, seine vierdimensionale Raumzeit sei auf \u201e<em>experimentell-physikalischem Boden erwachsen, darin liegt ihre St\u00e4rke<\/em>\u201c, wei\u00df nicht mehr, ob er lachen oder weinen soll &#8211; Kritiker werden wohl eher zum Lachen neigen.\u00a0<em>\u00a0<\/em><em>[3 lectures, Univ. of London, April 1950] New York: Philosophical Libr. 1952\u00a0<\/em>\u00a0<br \/>\n<em>In: Albert Einstein &#8211; philosopher-scientist. 1949, S. 333-354<\/em>.<br \/>\n<em>Princeton Univ. 1936 &#8211;<\/em><a href=\"http:\/\/philpapers.org\/s\/P.%20W.%20Bridgman\" target=\"_blank\"><em> <strong><span style=\"color: #800000;\">philpaper<\/span><\/strong><\/em><\/a>\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Erstver\u00f6ff. in: British journal for the philosophy of science. 1951, January; April; August.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Percy Williams Bridgman Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation drei Arbeiten vom Physik-Nobelpreistr\u00e4ger Percy Williams Bridgman:\u00a0 1936 &#8211; The nature of physical theory\u00a0\u00a0 (S. 72-92: Kap. 7: Relativity):\u00a0 &#8211; Bridgman behandelt vor dem Hintergrund seiner Anerkennung f\u00fcr die Spezielle Relativit\u00e4tstheorie hier nur die Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie. 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