{"id":3016,"date":"2011-08-14T08:25:29","date_gmt":"2011-08-14T07:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=3016"},"modified":"2011-08-14T08:25:29","modified_gmt":"2011-08-14T07:25:29","slug":"ist-das-wissenschafts-ethos-noch-zu-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/ist-das-wissenschafts-ethos-noch-zu-retten\/","title":{"rendered":"Ist das Wissenschafts-Ethos noch zu retten?"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Ist das Wissenschafts-Ethos noch zu retten?<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Weingart\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Peter Weingart<\/span><\/a><br \/>\n<\/strong>Zeitschrift <a href=\"http:\/\/edoc.bbaw.de\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Gegenworte<\/span><\/a><span style=\"color: #800000;\">,<\/span> 2. Heft 1998, Seiten 12 \u2013 17:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitate<\/strong>:<br \/>\nAufgeschreckt durch einen eklatanten Betrugsfall in der Forschung, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 1997 einen \u201eEhrenkodex\u201d f\u00fcr die Wissenschaft verk\u00fcndet. Darin wurden u. a. Plagiat und F\u00e4lschung von Daten als Tatbest\u00e4nde wissenschaftlichen Fehlverhalten identifiziert und Gutachter zur Offenlegung m\u00f6glicher Befangenheit verpflichtet. In \u00e4hnlicher Form hat auch die Max-Planck-Gesellschaft einen Katalog von Fehlverhaltensweisen festgeschrieben. Dies sind \u00e4u\u00dfere Anzeichen daf\u00fcr, dass die Wissenschaft offensichtlich von einer Reihe von Verhaltensregeln bestimmt wird, deren Verletzung oder Nichtbeachtung soziale Sanktionen zur Folge hat.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Dass es einer Bekr\u00e4ftigung durch die zwei f\u00fchrenden Wissenschaftsorganisationen Deutschland bedarf und in den USA zu diesem Zweck sogar eine Regierungsbeh\u00f6rde gegr\u00fcndet worden ist, darin l\u00e4\u00dft sich \u00fcberdies ein Indiz daf\u00fcr sehen, dass die Gesellschaft als ganze offenbar ein Interesse an der Einhaltung der Regeln hat (oder zumindest DFG und MPG unterstellen, dass dies so ist). Die Regeln selbst erschienen selbstverst\u00e4ndlich, ohne dass jedem bewusst w\u00e4re, warum es gerade diese sind und keine anderen. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Betrug und Ehrenkodex<br \/>\n<\/strong>Warum sollten Wissenschaftler ihre Daten nicht besch\u00f6nigen, wie es in den Medien oder der Werbebranche \u00fcblich ist und \u2013 z.B. gegen\u00fcber letzterer \u2013 von der \u00d6ffentlichkeit auch vorausgesetzt wird? Warum sollte ein Gutachter Befangenheit erkl\u00e4ren, wenn er einen befreundeten Kollegen bef\u00f6rdern oder einen ungeliebten Konkurrenten effektiver ausschalten k\u00f6nnte, wo dies in anderen Gesch\u00e4ftsbeziehungen nicht un\u00fcblich ist? Warum sollte ein Forscher nicht erfolgreiche Ideen seiner Kollegen kopieren, ohne ihre Urheber zu nennen, wenn dies in marktorientierten Handlungsbereichen ein m\u00f6glicher Weg zum Profit ist?\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der Grund f\u00fcr die offenkundige Andersartigkeit der Wissenschaft als soziales System von der Politik, der Wirtschaft und den Medien besteht in der Art ihres Produkts und den Bedingungen, unter denen es hergestellt wird. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Das Ethos der Wissenschaft<br \/>\n<\/strong>. Universalismus ist die \u201eVorschrift, dass Wahrheitsanspr\u00fcche unabh\u00e4ngig von ihrem Ursprung vorg\u00e4ngig gebildeten unpers\u00f6nlichen Kriterien unterworfen werden m\u00fcssen: \u00dcbereinstimmung mit Beobachtung und mit bereits best\u00e4tigtem Wissen. Die Annahme oder Ablehnung der Anspr\u00fcche h\u00e4ngt nicht von personalen oder sozialen Eigenschaften ihrer Protagonisten ab; seine Rasse, Nationalit\u00e4t, Religion, Klassenzugeh\u00f6rigkeit oder pers\u00f6nlichen Qualit\u00e4ten sind als solche irrelevant.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">. Kommunismus bedeutet, dass die \u201ematerielle Ergebnisse der Wissenschaft (\u2026) ein Produkt sozialer Zusammenarbeit (sind) und (\u2026) der Gemeinschaft zugeschrieben\u201c werden. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">. Organisierter Skeptizismus ist \u201esowohl ein methodologisches wie auch ein institutionelles Mandat. Die Zur\u00fcckhaltung des endg\u00fcltigen Urteils bis \u201edie Fakten zur Hand sind\u201d und die unvoreingenommene Pr\u00fcfung von Glaubenshaltungen und \u00dcberzeugungen aufgrund empirischer und logischer Kriterien\u2026\u201d.[&#8230;]<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Gegenkr\u00e4fte<br \/>\n<\/strong>[&#8230;] Jeder Soziologe, so Merton, w\u00fcrde geneigt sein festzustellen, dass er unter diesen ver\u00e4nderten Bedingungen ein neues Ethos der Wissenschaft, einen neuen Satz von Werten und institutionell gepr\u00e4gten Motiven geben m\u00fcsse. Er f\u00fchrte (vor f\u00fcnfundzwangig Jahren!) die inzwischen allseits beschworenen Ph\u00e4nomene an: die fr\u00fche Ver\u00f6ffentlichung von Ergebnissen und Modellen, bevor die Theorie best\u00e4tigt ist, auf Kosten von vorsichtigeren Konkurrenten; die intensivierte Rivalit\u00e4t aufgrund erh\u00f6hter Spezialisierung und den damit scheinbar einhergehenden Zynismus; die Amoralit\u00e4t und die Desillusionierung der Wissenschaftler.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">[&#8230;] Es fragt sich ohnehin, ob die systematischen Ursachen der Krise, wenn es sich denn um eine solche handelt, au\u00dferhalb der Wissenschaft zu suchen sind oder innerhalb der Wissenschaft von ihr selbst erzeugt werden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">[&#8230;] Die Erosion des Vertrauens in die Wissenschaftler schreitet in dem Ma\u00df voran, in dem offenkundig wir, dass die individuellen Experten und die Institutionen, von deren Wissensproduktion (\u2026) die postmoderne Gesellschaft abh\u00e4ngt, an Interessen gebunden sind. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Ethos ohne Zukunft?<br \/>\n<\/strong>[&#8230;] Die erw\u00e4hnten Entwicklungen tangieren also sehr wahrscheinlich die zentralen Elemente des Ethos der Wissenschaft. Damit w\u00fcrden seine zentralen Funktionen, die der sich weitgehend selbst steuernden Wissensproduktion und die Selbstlegitimation gegen\u00fcber der Gesellschaft, au\u00dfer Kraft gesetzt.<br \/>\n<strong><em>(Ende der Zitate)<\/em><\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><a href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Weingart-Wissenschafts-Ethos.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">\u2026 den ganzen Artikel lesen<\/span><\/a>\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\" title=\"Ekkehard Friebe\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a><\/strong>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist das Wissenschafts-Ethos noch zu retten? Peter Weingart Zeitschrift Gegenworte, 2. Heft 1998, Seiten 12 \u2013 17: Zitate: Aufgeschreckt durch einen eklatanten Betrugsfall in der Forschung, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 1997 einen \u201eEhrenkodex\u201d f\u00fcr die Wissenschaft verk\u00fcndet. Darin wurden u. a. 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