{"id":2943,"date":"2011-03-17T09:04:52","date_gmt":"2011-03-17T08:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2943"},"modified":"2011-03-17T09:04:52","modified_gmt":"2011-03-17T08:04:52","slug":"11-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/11-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"11 &#8211; Dr. Reinhard Schl\u00f6gl: \u201eAussenseiter der Naturwissenschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Abschnitt 11<\/span>\u00a0 der Dissertation von <strong><a href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?s=Dr.+Reinhard+Schl%C3%B6gl%3A+%E2%80%9EAussenseiter+der+Naturwissenschaft%E2%80%9C\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Dr. Reinhard Schl\u00f6gl<\/span><\/a><\/strong>. <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong><em>Kapitel 1: EINLEITUNG<\/em><\/strong><em>\u00a0 (Fortsetzung), <\/em><strong><em>Zitat: <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1.9 <\/strong><em><strong>Der wissenschaftssoziologische Aspekt <\/strong><br \/>\n<\/em>Der Sozialphilosoph G. Schwarz bezeichnet diesen Aspekt als \u201eevolutiven Aspekt&#8220;, der ja zun\u00e4chst <em>den <\/em>Sinn hat, die Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich zu machen. Bei Untersuchungen, deren Anf\u00e4nge bis in die 30-er Jahre zur\u00fcck\u00adreichen und in den 50-er und 60-er Jahren intensiviert wurden, hat sich gezeigt, dass bestimmte Personen nicht anerkannt bzw. akzeptiert werden und aus Gruppen aus\u00adgeschlossen werden. G. Schwarz: \u201eDas ist immer dann der Fall, wenn jemand neu in eine Gruppe hineinkommt&#8230;\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist noch nicht ganz gelungen, aber ein wichtiger Punkt ist sicher der, dass jemand, der neu zu einer Gruppe dazukommt, deren Struktur ver\u00e4ndert. <strong><em>[Anmerkung 44: <\/em><\/strong><em>Dies gilt nur f\u00fcr kleine Gruppen. Das Eindringen in gr\u00f6ssere Gruppen ist leichter, als das Ein\u00addringen in kleinere, geschlossene Gruppen. Anders verh\u00e4lt es sich bei Gruppen, die nur einen lockeren inneren Zusammenhalt haben.<strong>]<\/strong><\/em>\u2026&#8230;.Viele Aussenseiter sind dadurch charakterisiert, dass sie eine von der Gruppenmeinung abweichende Meinung haben und diese abweichende Meinung wird von der Gruppe eben nicht akzeptiert.&#8220;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Schwarz weist in diesem Zusammenhang auf folgendes Experiment, hin: Eine innerhalb einer Gruppe beliebte Person wird dazu aufgefordert, eine von der Gruppe abwei\u00adchende Meinung zu vertreten. Diese beliebte Person gelangt sodann mehr und mehr unter Druck. Umfragen unter den Gruppenmitgliedern w\u00e4hrend des Experimentes er\u00adgaben das Aufkommen wachsenden Unmutes \u00fcber die urspr\u00fcnglich so beliebte Person. Im Extremfall kann es sogar dazu kommen, dass die ehemals so beliebte Person, so sie nicht \u201eumf\u00e4llt&#8220; und weiterhin auf ihrer von der Gruppenmeinung abweichenden Mei\u00adnung beharrt, aus der Gruppe ausgeschlossen wird.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Angewandt auf unsere Problemstellung bedeutet dies, dass dieser Umstand auch jene Wissenschafter betrifft, die integriert waren, dann aber wegen ihrer \u201eAussenseitermei\u00adnung&#8220; in Schwierigkeiten gekommen waren. Piazzi Smyth etwa ist ein solches histori\u00adsches Beispiel. Ein Beispiel in der Gegenwart ist R. Riedl. <strong><em>[Anmerkung 45: <\/em><\/strong><em>Vgl. 3. Kapitel<\/em><strong>] <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wieder G. Schwarz: \u201eViele Wissenschafter der Gegenwart, die Neues bringen, werden h\u00e4ufig zun\u00e4chst einmal abgelehnt. Dies dient zun\u00e4chst dem Schutz der Gesellschaft. Wenn man das Ph\u00e4nomen evolutiv betrachtet&#8230; dann w\u00fcrde ich sagen: es hat seinen guten Sinn. Neuigkeiten, wie zum Beispiel neue Theorien, stellen ja immer Altherge\u00adbrachtes in Frage. Die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umge\u00adkehrt, &#8230;hat das Weltbild des Mittelalters ersch\u00fcttert&#8230; die Tatsache, dass wir in einer linearen Abstammungslinie von Vorg\u00e4ngern des Menschen abstammen, hat das Welt\u00adbild der Renaissance ersch\u00fcttert&#8230;usw. &#8230;immer wenn das Normensystem ersch\u00fcttert wird, haben die Menschen Angst, dass sie mit dem neuen Normensystem nicht mehr so erfolgreich sein werden, wie mit dem alten. Es muss also ein Anpassungs- bzw. Leidens\u00addruck schon sehr stark sein, damit man sozusagen freiwillig das Normensystem \u00e4ndert. Und nun kann man \u00fcberlegen: Das Normensystem muss sicher nicht ge\u00e4ndert werden, wenn die Umwelt gleich bleibt und man unter gleichbleibenden Bedingungen sozusagen keine \u00dcberlebensprobleme hat. Solange zum Beipiel die J\u00e4ger gen\u00fcgend Wild fanden, solange war jener der T\u00fcchtigste, der sozusagen der Aggressivste war. Seit jener Zeit aber, da die Ressourcen schwanden, die Welt also \u201eleer gejagt&#8220; war&#8230; die Menschen also keine grossen \u00dcberlebensm\u00f6glichkeiten mehr durch die Jagd hatten, mussten sie Tiere z\u00fcchten. Und pl\u00f6tzlich stellte sich heraus, dass derjenige der T\u00fcchtigste war, der etwas vom Z\u00fcchten der Tiere versteht&#8230; also der \u201eBewahrende&#8220;, nicht mehr der Aggressivste war nun der T\u00fcchtigste. Seither also waren die \u201eJ\u00e4gereigenschaften&#8220; auch nicht mehr in demselben Ma\u00df gefragt, wie vorher.\u201c <strong><em>[Anmerkung 46: <\/em><\/strong><em>G. Schwarz in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Derartige Wandlungen (also Anpassungen des Verhaltens an ge\u00e4nderte Bedingungen) vollziehen sich freilich nur langsam; und zwar unter Mitwirkung von Aussenseitern: \u201eIch glaube, dass Aussenseiter hier die wichtigste Rolle spielen, denn sie bereiten die Allgemeinheit darauf vor, dass neue Normensysteme notwendig sind. W\u00fcrde es keine Aussenseiter geben, also Personen, die die Gesellschaft auf Neues vorbereiten, dann w\u00fcrde eine solche Anpassungsleistung der Gesellschaft nicht m\u00f6glich sein. Umgekehrt: W\u00fcrde jeder, der eine abweichende Meinung vertritt, Zustimmung finden und nicht abgelehnt werden, dann w\u00fcrde zu grosse Unsicherheit eintreten und man w\u00fcrde zu rasch das Normensystem \u00e4ndern. Das bedeutet: das pl\u00f6tzliche \u00c4ndern des Normensystems, also die pl\u00f6tzliche \u00c4nderung der Gruppenmeinung, ist ebenso undenkbar und sch\u00e4dlich wie das Festhalten am alten Normensystem, das gar keine \u00c4nderungen zul\u00e4sst. In der menschlichen Kultur und Tradition Hessen sich hiezu viele Beispiele f\u00fcr beide Extreme anf\u00fchren; man denke nur an das Zugrundegehen der Mayas: Ihre B\u00f6den waren auf Grund falsch betriebener Landwirtschaft ver\u00f6det, weil sie keinen D\u00fcnger einsetzten. Der vor den K\u00fcsten lagernde Vogelmist, der als D\u00fcnger geeignet gewesen w\u00e4re, hatte f\u00fcr die Mayas m\u00e4nnliche totemistische Struktur und eben wegen dieser Struktur konn\u00adten sie diesen Mist nicht als D\u00fcnger verwenden. Dieses Prinzip war im Rahmen ihrer Kultur nicht zu ver\u00e4ndern.\u201c <strong><em>[Anmerkung 47: <\/em><\/strong><em>G. Schwarz in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Ein anderes Beispiel bezieht sich auf Kreta: \u201eDort galt einst das Prinzip, dass die H\u00e4user der Toten aus Stein zu sein hatten und die H\u00e4user der Lebenden aus Holz. Die Priester hielten an diesem Prinzip fest und die W\u00e4lder wurden abgeholzt. Hinterher, als kein Holz mehr vorhanden war, mussten auch die H\u00e4user der Lebenden aus Stein gebaut werden. Das bedeutet: H\u00e4tte der Lernprozess fr\u00fcher eingesetzt, dann w\u00e4ren die W\u00e4lder auf Kreta m\u00f6glicherweise bis heute erhalten geblieben.\u201c <strong><em>[Anmerkung 48: <\/em><\/strong><em>G. Schwarz in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1.10\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Der Aussenseiter als M\u00e4rtyrer?<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In seinem Buch \u201eLohn und Strafe in der Wissenschaft argumentiert der Wissen\u00adschaftshistoriker F. Stuhlhofer: \u201eDer Titel eines M\u00e4rtyrers in der Wissenschaft wird vor allem solchen Wissenschaftern verliehen, denen andere Menschen Schwierigkeiten gemacht haben&#8230; Zu Schwierigkeiten mit der Umwelt kam es oft dann, wenn Forscher sich f\u00fcr neue Theorien fanatisch einsetzten bzw. diese f\u00fcr neue Weltanschauungen ver\u00adwerten wollten oder wenn sie Andersdenkende provozierten. Diese n\u00e4heren Umst\u00e4nde bei der Entstehung von Schwierigkeiten werden oft \u00fcbersehen &#8211; die Wissenschaftsge\u00adschichtsschreibung sieht dann nur noch den Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Wahrheit, dem eine wahrheitsscheue Umwelt das Leben schwer gemacht hat.\u201c <strong><em>[Anmerkung 49: <\/em><\/strong><em>F. Stuhlhofer (1987): \u201eLohn und Strafe in der Wissenschaft&#8220;, S. 265<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende,<\/strong> Fortsetzung folgt<strong>)<\/strong><br \/>\nBeste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 Abschnitt 11\u00a0 der Dissertation von Dr. Reinhard Schl\u00f6gl. Kapitel 1: EINLEITUNG\u00a0 (Fortsetzung), Zitat: 1.9 Der wissenschaftssoziologische Aspekt Der Sozialphilosoph G. Schwarz bezeichnet diesen Aspekt als \u201eevolutiven Aspekt&#8220;, der ja zun\u00e4chst den Sinn hat, die Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich zu machen. 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