{"id":2942,"date":"2011-03-12T09:46:15","date_gmt":"2011-03-12T08:46:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2942"},"modified":"2011-03-12T09:46:15","modified_gmt":"2011-03-12T08:46:15","slug":"10-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/10-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"10 &#8211; Dr. Reinhard Schl\u00f6gl: \u201eAussenseiter der Naturwissenschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Abschnitt 10<\/span>\u00a0 der Dissertation von <strong><a href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?s=Dr.+Reinhard+Schl%C3%B6gl%3A+%E2%80%9EAussenseiter+der+Naturwissenschaft%E2%80%9C\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Dr. Reinhard Schl\u00f6gl<\/span><\/a><\/strong>.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong><em>Kapitel 1: EINLEITUNG<\/em><\/strong><em>\u00a0 (Fortsetzung),\u00a0 Z<\/em><strong><em>itat: <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1.8.1.1 <\/strong><em><strong>Die Bewahrung der Gruppenidentit\u00e4t<br \/>\n<\/strong><\/em>Dazu schreibt Eibl-Eibesfeldt: \u201e&#8230;Die bindende Vertrautheit der Gruppenmitglie\u00adder basiert&#8230; auch darauf, dass eigentlich alle mehr oder weniger nach gleichen Nor\u00admen handeln und sich damit auch gegenseitig verstehen&#8230; Zugleich ist die Einhaltung der gruppenspezifischen Norm ein Mittel der Absetzung gegen andere, die als Fremde nicht den gleichen Normen anh\u00e4ngen&#8230; Die Gruppennorm wird verteidigt. Es gibt eine normangleichende Aggression, die sich gegen solche Gruppenmitglieder wendet, die in auff\u00e4lliger Weise von der Gruppennorm abweichen. Diese normangleichende oder normerhaltende Aggression durchl\u00e4uft verschiedene Eskalationsstufen, und zwar in allen Kulturen in sehr \u00e4hnlicher Weise. Sie f\u00fchrt schliesslich zu einer Ausstossungsreaktion, wenn der Abweichende sich nicht angleichen kann.\u201c <strong><em>[Anmerkung 36: <\/em><\/strong><em>I .Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S.409<strong>]\u00a0<br \/>\n<\/strong><\/em>Eibl-Eibesfeldt erw\u00e4hnt in diesem Buch Arbeiten von A. Seywald aus den Jahren 1977 und 1980 und berichtet, dass Seywald ein Gedicht aus dem Jahr 1780 aus dem \u201eNieders\u00e4chsischen Wochenblatt f\u00fcr Kinder\u201c <strong><em>[Anmerkung 37: <\/em><\/strong><em>Nieders\u00e4chsisches Wochenblatt f\u00fcr Kinder, 1780, 3.Teil, Bremen<strong>]<\/strong><\/em> entdeckt hatte, das \u201edie Problematik so treffend beschreibt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Dieses Gedicht tr\u00e4gt den Titel:<br \/>\n<em><strong>Das Land des Hinkenden:<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Vor Zeiten gab &#8217;s ein kleines Land,<br \/>\nWorin man keinen Menschen fand,<br \/>\nDer nicht gestottert, wenn er redte,<br \/>\nNicht, wenn er gieng, gehinket h\u00e4tte;<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Denn beydes hielt man f\u00fcr galant.<br \/>\nEin Fremder sah den \u00dcbelstand;<br \/>\nHier dacht\u2019 er, wird man dich im gehn bewundern m\u00fcssen;<br \/>\nUnd gieng einher mit steifen F\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Er gieng, ein Jeder sah in an,<br \/>\nUnd alle lachten, die ihn sahn,<br \/>\nUnd jeder blieb vor Lachen stehen,<br \/>\nUnd schrie: Lehrt doch den Fremden gehen!<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Der Fremde hielt&#8217;s f\u00fcr seine Pflicht,<br \/>\nDen Vorwurf von sich abzulehnen.<br \/>\nIhr, rief er, hinkt! Ich aber nicht:<br \/>\nDen Gang m\u00fcsst ihr euch abgew\u00f6hnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Das L\u00e4rmen wird noch mehr vermehrt,<br \/>\nDa man den Fremden sprechen h\u00f6rt:<br \/>\nEr stammelt nicht; genug zur Schande!<br \/>\nMan spottet sein im ganzen Lande.<br \/>\n<\/em><strong><em>[Anmerkung 38: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S.409f<strong>]<\/strong> <\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1.8.1.2 <em>Das Verspotten des Aussenseiters &#8211; der Aussenseiter als Sonderling<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eibl-Eibesfeldt geht auf verschiedene Formen des Verspottens ein: \u201eGleicht die Person &#8211; allen normangleichenden Aggressionen zum Trotz &#8211; ihr abwei\u00adchendes Verhalten nicht an die Gruppennorm an, &#8230;dann kann es geschehen, dass sie zum Aussenseiter wird, zum \u201eSonderling&#8220;, oder \u201eEigenbr\u00f6tler&#8220;, der dann, wie die Worte es trefflich beschreiben, abgesondert ist und sein Brot allein verzehrt. Im Ernstfall kann er sogar von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Diese Ausstossreaktionen sind dann besonders grausig, wenn der Betreffende gar nichts f\u00fcr sein abweichendes Verhal\u00adten kann, etwa weil es sich um eine geistige Verwirrung handelt.\u201c<br \/>\n<strong><em>[Anmerkung 39: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S. 411<strong>] <\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eibl-Eibesfeldt berichtet, dass normerhaltende Aggressionen gegen Abweichende auch von Schimpansen und von einer ganzen Reihe anderer Wirbeltiere her bekannt seien. Das spricht f\u00fcr die Deutung, dass stammensgeschichtliche Anpassungsmechanis\u00admen wirksam sind. <strong><em>[Anmerkung 40: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S. 414<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eibl-Eibesfeldt vertritt die Ansicht, dass die Einhaltung bestimmter kultureller Nor\u00admen die rasche Abgrenzung gegen \u201eandere&#8220; gestattet und damit die kulturelle Evolu\u00adtion f\u00f6rdert. Aber: In der modernen pluralistischen Gesellschaft sei die normerhaltende Aggression eher st\u00f6rend. Auch an dieser Stelle bricht Eibl-Eibesfeldt eine Lanze f\u00fcr die Aussenseiter: \u201eGerade die Aussenseiter tragen durch ihre k\u00fcnstlerischen und wis\u00adsenschaftlichen Leistungen entscheidend zum Wohlergehen der Gemeinde bei. Eine Erziehung zur Toleranz ist daher in unserer Gesellschaft angebracht, und zwar zu To\u00adleranz im Sinne einer Verstehensbereitschaft, was nicht mit genereller Annahme jeder Art von Abweichung gleichzusetzen ist.\u201c<br \/>\n<strong><em>[Anmerkung 41: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S. 415<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Und Eibl-Eibesfeldt setzt fort: \u201eAls Biologe bin ich grunds\u00e4tzlich Pluralist&#8230; selbst wenn es gel\u00e4nge, eine einheitliche Menschheit zu erzwingen, bed\u00fcrfe es danach st\u00e4ndi\u00adgen Zwanges, sie in diesem Zustand der \u201eGleichheit&#8220; zu erhalten, denn jede neue Idee, \u00fcber die sich eine Gruppe neue Lebensformen erschliessen k\u00f6nnte, m\u00fcsste der Einheit\u00adlichkeit zuliebe unterdr\u00fcckt werden.\u201c<br \/>\n<strong><em>[Anmerkung 42: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S. 416<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eibl-Eibesfeldt res\u00fcmiert, dass alle Menschengruppen ein Wir-Gef\u00fchl entwickeln und sich von anderen oft in Kontrastbetonung kultureller Besonderheiten abgrenzen. Die gruppenspezifische Norm wird dabei verteidigt: \u201eGruppenmitglieder, die von der Norm abweichen, werden zum Ziel erzieherischer Aggressionen, die in allen uns be\u00adkannten Kulturen nach einem prinzipiell gleichen Schema ablaufen. Man spottet \u00fcber das abweichende Verhalten, spricht dar\u00fcber und \u201erichtet&#8220; so den Abweichenden \u201eaus&#8220;. Gelingt es diesem nicht, sich dem Sozialdruck zu f\u00fcgen, dann l\u00e4uft er Gefahr, ausgestossen zu werden.&#8220; Und Eibl-Eibesfeldt betont noch einmal: \u201eIn der Kleingruppe war es wohl wichtig, dass sich alle voraussagbar, d.h. den Gruppennormen entsprechend, verhielten. In einer pluralistischen Gesellschaft wirkt sich diese Neigung zur Intoleranz st\u00f6rend aus. Ihr entgegenzuwirken, ist eine Aufgabe der Erziehung.\u201c<br \/>\n<strong><em>[Anmerkung 43: <\/em><\/strong><em>Zit. nach I. Eibl-Eibesfeldt, \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, S. 417<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende,<\/strong> Fortsetzung folgt<strong>)<\/strong><br \/>\nBeste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 Abschnitt 10\u00a0 der Dissertation von Dr. Reinhard Schl\u00f6gl.\u00a0 Kapitel 1: EINLEITUNG\u00a0 (Fortsetzung),\u00a0 Zitat: 1.8.1.1 Die Bewahrung der Gruppenidentit\u00e4t Dazu schreibt Eibl-Eibesfeldt: \u201e&#8230;Die bindende Vertrautheit der Gruppenmitglie\u00adder basiert&#8230; auch darauf, dass eigentlich alle mehr oder weniger nach gleichen Nor\u00admen handeln und sich damit auch gegenseitig verstehen&#8230; Zugleich ist die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2942","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschsprachige-kritik-der-relativitatstheorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2942"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2942"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2942\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}