{"id":2941,"date":"2011-03-10T10:07:13","date_gmt":"2011-03-10T09:07:13","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2941"},"modified":"2011-03-10T10:07:13","modified_gmt":"2011-03-10T09:07:13","slug":"09-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/09-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"09 &#8211; Dr. Reinhard Schl\u00f6gl: \u201eAussenseiter der Naturwissenschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Abschnitt 9<\/span>\u00a0 der Dissertation von <strong><a href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?s=Dr.+Reinhard+Schl%C3%B6gl%3A+%E2%80%9EAussenseiter+der+Naturwissenschaft%E2%80%9C\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Dr. Reinhard Schl\u00f6gl<\/span><\/a><\/strong>.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong><em>Kapitel 1: EINLEITUNG<\/em><\/strong><em>\u00a0 (Fortsetzung), <\/em><strong><em>Zitat: <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1.8<\/strong><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Der Aussenseiter im Rahmen der Gesellschaft<br \/>\n<\/em><\/strong>R. Riedl vertritt die Ansicht: \u201eEin Aussenseiter wird durch seine Gesellschaft zum Aussenseiter. Sein Milieu macht ihn dazu. Wenn jemand eine Entdeckung macht, die beweisen soll, dass das bisherige Paradigma ver\u00e4ndert werden muss, dann kann dieser Entdecker ja gar nicht von seiner wissenschaftlichen Gesellschaft, in der er sich befindet, als Entdecker gefeiert werden, sonst w\u00e4re \u201ees&#8220; ja den anderen auch schon aufgefallen; sondern er wird behandelt, wie jener schlechte Tischler, der den missgl\u00fcckten Tisch, den er gemacht hat, auf schlechtes Werkzeug zur\u00fcckf\u00fchrt. Ihm wird gesagt: Wenn Sie <em>uns er <\/em>Paradigma verwendet h\u00e4tten, dann w\u00e4ren Sie gar nicht erst in Schwierigkeiten ge\u00adkommen. Sie verwenden offenbar ein <em>anderes <\/em>Paradigma (ein anderes Werkzeug)&#8230; kein Wunder, dass der Tisch, den Sie fabriziert haben, in unser Muster nicht hineinpasst! Das ist Soziologie der Wissenschaft. Das heisst, es gibt den Bund der Wissenschaftler, der festlegt, was Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit ist und was nicht.\u201c <strong><em>[Anmerkung 28:<\/em><\/strong><em> R. Riedl in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->1.8.1 <em>Der Aussenseiter repr\u00e4sentiert Fremdartiges. Die Reaktion der Gesellschaft, auf ihre Aussenseiter. Ein Exkurs in die Ethologie<br \/>\n<\/em>I. Eibl-Eibesfeldt schreibt: \u201eDass gerade bei geselligen Tieren der fremde Artgenosse Flucht oder Angriff ausl\u00f6st, also das agonische Verhalten aktiviert, ist ein nahezu durch\u00adgehendes Prinzip im Tierreich. Dieses Verhalten bewirkt eine zwar nicht absolute, aber doch eine ziemliche Geschlossenheit der Gruppe&#8230; Auch wir Menschen entwickeln be\u00adreits sehr fr\u00fch Fremdenfurcht, ohne dass es dazu schiechter Erfahrungen mit Fremden bedarf&#8230; Eine wenig untersuchte, aber \u00fcberaus bemerkenswerte Form der Aggression ist die Aussto\u00dfreaktion, die sich nicht gegen gruppenfremde Tiere, sondern ausschliesslich gegen Gruppenmitglieder richtet.\u201c <strong><em>[Anmerkung 29: <\/em><\/strong><em>I. Eibl-Eibesfeldt (1967): \u201eGrundri\u00df der Vergleichenden Verhaltensforschung&#8220;, Z\u00fcrich, S.434<strong>]<\/strong> <\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Eibl-Eibesfeldt erw\u00e4hnt sodann eine Arbeit von Th. Schelderup-Ebbe, der 1923 ent\u00addeckte, dass H\u00fchner Gruppenmitglieder heftig angreifen und unter Umst\u00e4nden sogar t\u00f6ten, wenn sie von der Norm abweichen, sei es durch Schw\u00e4che oder k\u00f6rperliches Ge\u00adbrechen. Er konnte die Reaktion dadurch k\u00fcnstlich ausl\u00f6sen, dass er zum Beispiel den Kamm eines Huhns mit einem Farbfleck markierte. <strong><em>[Anmerkung 30: <\/em><\/strong><em>Vgl. I. Eibl-Eibesfeldt, ib S.435<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Ch. Kearton beschreibt 1935, wie derlei abweichend gef\u00e4rbte Pinguine st\u00e4ndig von ihres\u00adgleichen angegriffen wurden. Junge Silberm\u00f6ven attackierten eines ihrer Geschwister, das einen verklebten After hatte. <strong><em>[Anmerkung 31: <\/em><\/strong><em>Vgl. I. <\/em>Eibl-Eibesfeldt, ib<strong>]<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">J. van Lawick-Goodall beobachtete 1971, dass Schimpansen ihre durch Kinderl\u00e4hmung im Verhalten ver\u00e4nderten Gruppenmitglieder f\u00fcrchteten, sie verliessen und gelegentlich sogar angriffen. Eibl-Eibesfeldt beschreibt die Situation so:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u201eDie vorher voll in die Gruppe integrierten M\u00e4nnchen Pepe und McGregor l\u00f6sten nun\u00admehr auf Grund ihres ver\u00e4nderten Verhaltens, Aggressionen aus. Wenn Pepe sich seiner Gruppe n\u00e4herte &#8211; er konnte nur mehr auf dem Ges\u00e4ss rutschen und schleppte den Arm nach -, dann umarmten sich die anderen Schimpansen mit Angstgrinsen und starrten den Kr\u00fcppel an, der selbst nicht wusste, dass er der Anlass ihrer Furcht war und \u00e4ngst\u00adlich nach r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber die Schulter blickte. Alle mieden ihn. McGregor, der noch schlimmer gel\u00e4hmt war, l\u00f6ste durch seine Ann\u00e4herung an die Gruppe Imponiergehabe und den Angriff der M\u00e4nnchen aus. Sp\u00e4ter gew\u00f6hnten sich die Gesunden an die Kran\u00adken, sie verweigerten ihnen jedoch weiter den Anschluss an die Gruppe.\u201c <strong><em>[Anmerkung 32:<\/em><\/strong><em> I. Eibl-Eibesfeldt, ib<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Auch in seinem Buch \u201eDie Biologie des menschlichen Verhaltens&#8220; verweist Eibl-Eibesfeldt auf jene bereits in seinem Buch \u201eGrundriss der Verhaltensforschung&#8220; geschilderten Be\u00adobachtungen von Schimpansen und deren Ausstossreaktionen bez\u00fcglich Aussenseitern. Eibl-Eibesfeldt schreibt dort: \u201eEinige der Behinderten wurden&#8230; t\u00e4tlich angegriffen, so der gel\u00e4hmte McGregor, den Hugo von Lawick zuletzt sch\u00fctzen musste. Allm\u00e4hlich gew\u00f6hnte sich die Gruppe an die Kranken; sie gew\u00e4hrte ihnen aber keinen k\u00f6rperlichen Kontakt, was f\u00fcr die Abgelehnten&#8230; schwer zu ertragen war, denn Schimpansen lausen sich gegenseitig als Zeichen der Verbundenheit und bed\u00fcrfen ganz offensichtlich dieser Kontakte.\u201c <strong><em>[Anmerkung 33:<\/em><\/strong><em> I.<strong> <\/strong>Eibl-Eibesfeldt (1984): \u201eBiologie des menschlichen Verhaltens&#8220;, Z\u00fcrich, S.415<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Menschen neigen ebenfalls dazu, von der Norm abweichende Gruppenmitglieder zu verstossen&#8230; In gemilderter Form beobachtet man dies auch in Schulklassen oder beim Milit\u00e4r. Ein Dicker, ein Schielender oder ein Mensch mit abweichenden Gewohnheiten wird h\u00e4ufig geh\u00e4nselt, ausgelacht, und gelegentlich auch misshandelt. Diese Aggression gegen abweichende Gruppenmitglieder bewirkt nach Eibl-Eibesfeldt eine gewisse Ho\u00admogenit\u00e4t der Gruppe, die unter gewissen Bedingungen von selektionistischem Vorteil ist. Es ist zum Beispiel wichtig, dass das Verhalten jedes Gruppenmitgliedes f\u00fcr die anderen Mitglieder der Gruppe voraussagbar ist. Dies kann durch \u201eGleichschaltung&#8220; erreicht werden. Ausserdem verringern sich bei der Angleichung zwangsl\u00e4ufig soziale Spannungen. Eibl-Eibesfeldt schreibt:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u201eVon der Gruppennorm Abweichende werden zun\u00e4chst einmal geh\u00e4nselt und ausge\u00adlacht. Das Auslachen d\u00fcrfte eine stammensgeschichtlich recht alte Form des Hassens sein&#8230; Das Auslachen macht den Ausgelachten auf sein Anstoss erregendes Verhalten aufmerksam und gibt ihm die Chance, sich der Norm anzugleichen, so dass er nicht mehr auff\u00e4llt. Das Auslachen ist eine gemeinsame und damit verbindende Form des Drohens gegen den Ausgelachten.\u201c <strong><em>[Anmerkung 34: <\/em><\/strong><em>I Eibl-Eibesfeldt, ib S.410<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beim Menschen kann das H\u00e4nseln (nach Eibl-Eibesfeldt) als leichte Form der Ausstossungsreaktion (als eine Art Erziehungsmechanismus) bewirken, dass sich der Aus\u00adsenseiter der Gruppe angleicht, indem ihm auf diese Weise abweichende, \u201easoziale&#8220; Ge\u00adwohnheiten \u201eabdressiert&#8220; werden. Wo das nicht gelingt, kann es zu einer sehr heftigen Ausstossreaktion kommen. Die Aggression \u00e4ussert sich dann viel st\u00e4rker und grausa\u00admer als bei einer Auseinandersetzung mit Feinden, die man weniger kennt, vielleicht weil das gemeinsame, die Gruppenmitglieder auch mit dem Aussenseiter verbindende Band zerst\u00f6rt werden muss. Diese normerhaltende Funktion der Ausstossreaktion ist in der heutigen menschlichen Gesellschaft nicht durchwegs von selektionistischem Vorteil; sind doch gerade \u201eAussenseiter&#8220; oft besonders hoch begabte und wertvolle Menschen.&#8220; <strong><em>[Anmerkung 35:<\/em><\/strong><em> I. Eibl-Eibesfeldt, Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung, S.434f<strong>]<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende,<\/strong> Fortsetzung folgt<strong>)<\/strong><br \/>\nBeste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 Abschnitt 9\u00a0 der Dissertation von Dr. Reinhard Schl\u00f6gl.\u00a0 Kapitel 1: EINLEITUNG\u00a0 (Fortsetzung), Zitat: 1.8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Aussenseiter im Rahmen der Gesellschaft R. Riedl vertritt die Ansicht: \u201eEin Aussenseiter wird durch seine Gesellschaft zum Aussenseiter. Sein Milieu macht ihn dazu. 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