{"id":2937,"date":"2011-03-02T09:35:29","date_gmt":"2011-03-02T08:35:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2937"},"modified":"2011-03-02T09:35:29","modified_gmt":"2011-03-02T08:35:29","slug":"05-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/05-dr-reinhard-schlogl-%e2%80%9eaussenseiter-der-naturwissenschaft%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"05 &#8211; Dr. Reinhard Schl\u00f6gl: \u201eAussenseiter der Naturwissenschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Abschnitt 5<\/span> \u00a0der Dissertation von <strong><a href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?s=Dr.+Reinhard+Schl%C3%B6gl%3A+%E2%80%9EAussenseiter+der+Naturwissenschaft%E2%80%9C\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Dr. Reinhard Schl\u00f6gl<\/span><\/a><\/strong>.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Kapitel 1: <\/strong><strong>EINLEITUNG<\/strong> \u00a0(Fortsetzung)<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1.3\u00a0 <em>Versuch einer Begriffskl\u00e4rung<\/em><\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Aussenseiter ist eine Person dann, wenn sie entweder von Anfang an \u201eaussen&#8220; steht, \u201evon aussen&#8220; kommt oder \u201enach aussen&#8220; gedr\u00e4ngt wird; wobei \u201eaussen&#8220; \u201eausserhalb der Gemeinschaft&#8220; bedeutet. Es wird sich zeigen, dass der Begriff \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220; \u00e4usserst vielschichtig ist: Zun\u00e4chst l\u00e4sst sich ein Einteilungsschema aufstellen, in dem Aussenseiter beurteilt werden nach:\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1.3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>sozialer und beruflicher (\u201eausserwissenschaftlicher&#8220;) Herkunft<br \/>\n<\/em>Beispiele: Michael Faraday war urspr\u00fcnglich Buchbinder und von niedriger sozialer Herkunft; Alfred Russell Wallace war ebenfalls von niedriger sozialer Herkunft und zun\u00e4chst Vermessungsgehilfe.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->1.3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>dem Wechsel der Fachrichtung<br \/>\n<\/em>Beispiele: Ernst Florens Chladni war urspr\u00fcnglich Rechtsanwalt und Robert Mayer war seiner Ausbildung nach Arzt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1.3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>abweichenden Ideen, Hypothesen oder Theorien<br \/>\n<\/em>Beispiele: Newton und seine Besch\u00e4ftigung mit Alchemie geh\u00f6rt ebenso hierher wie Piazzi Smyth und seine \u201ePyramidenspekulationen&#8220; <strong><em>[Anmerkung 9: <\/em><\/strong><em>Vgl. 2. Kapitel<\/em><strong><em>]<\/em><\/strong><em>;<\/em> auch Linne kann zu jenen Aussenseitern der Wissenschaft gez\u00e4hlt werden, die neben ihren wissenschaftlich anerkannten Ideen auch noch ganz andersartige Ideen vertreten hatten. In seinem Fall sind das zum Beispiel seine \u201eletzten Endes religi\u00f6s motivierten Ideen von der Unver\u00e4nderlichkeit der Art, was ja nichts anderes bedeutet als die Vorstellung und Hoffnung, dass Gott die Welt von Anfang an so geschaffen hat, wie sie jetzt ist und dass sich keine Ver\u00e4nderungen ergeben; weder im Schlechten, noch im Guten,&#8230; was ihn nat\u00fcrlich auf ethisch-moralischem Gebiet zu einem Vertreter einer rigorosen Ethik gemacht hat.\u201c <strong><em>[Anmerkung 10: <\/em><\/strong><em>E. Oeser in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>]<\/strong><\/em><em><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1.3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Erfolg und Anerkennung<br \/>\n<\/em><em>a) Teilweiser Erfolg und Anerkennung<br \/>\n<\/em>Beispiele: Joseph Loschmidt war zwar als Physiker hochgeachtet, hatte jedoch als Chemiker keinerlei Erfolg. <strong><em>[Anmerkung 11: <\/em><\/strong>Vgl. 2.Kapitel] Hans Hass war und ist als Meeresforscher \u00e4usserst erfolgreich; was jedoch seine \u201eEnergontheorie&#8220; betrifft, so hat er damit nur m\u00e4\u00dfigen Erfolg. <strong><em>[Anmerkung 12: <\/em><\/strong><em>Vgl. 3. Kapitel<strong>]<\/strong><\/em><em> <\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>b) Nahezu g\u00e4nzlich fehlender Erfolg und Anerkennung<br \/>\n<\/em>Beispiele: Stefan Marinov und Gotthard Barth, denen im 3. Kapitel -\u201eGegenwart&#8220;-gr\u00f6ssere Abschnitte gewidmet sind.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wie bereits angedeutet, kann jede derartige Einteilung nur einen ganz groben Raster darstellen, innerhalb dessen sich sozusagen das Kontinuum der Realit\u00e4t abspielt. Es wird sich im Laufe dieser Arbeit herausstellen, dass in der Realit\u00e4t praktisch jede be\u00adliebige Kombination dieser Einteilungskriterien vorkommt und dass es praktisch keine scharfe Abgrenzungen gibt. Dies betrifft selbstverst\u00e4ndlich auch die soeben angef\u00fchr\u00adten Beispiele.<br \/>\n&#8222;Aussenseiter der Wissenschaft&#8220; kann also vielerlei bedeuten: So kann man zum Beispiel dann von einem Aussenseiter sprechen, wenn es sich etwa um jefnanden han\u00addelt, der von Haus aus einen ganz anderen Beruf hat, wie das bei Joule der Fall war; Joule &#8211; von Beruf Bierbrauer &#8211; war also nicht im Bereich akademisch anerkannter Wis\u00adsenschaft t\u00e4tig, machte aber dennoch Entdeckungen von grosser Bedeutung f\u00fcr die Wis\u00adsenschaft. Bei dieser Gruppe von Aussenseitern kann es mitunter zu besonders schroffer Ablehnung seitens der Fachwissenschafter kommen, da hier das Misstrauen dem Eindringling gegen\u00fcber naturgem\u00e4ss (aus psychologischen und soziologischen Gr\u00fcnden) besonders gross ist. Au\u00dferdem d\u00fcrfte das gefl\u00fcgelte Wort eine gewisse G\u00fcltigkeit besitzen, das da lautet:<br \/>\n<em>Fachleute sind immer b\u00f6se, wenn ein Laie auch einmal eine gute Idee hat.&#8220; <\/em>Statt \u201egute Idee&#8220; k\u00f6nnte auch \u201eneue Idee&#8220; stehen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Jede Neuerung st\u00f6sst zun\u00e4chst auf den Widerstand der Fachkollegen, da jeder Mensch eine \u201enat\u00fcrliche Form des Konservativismus&#8220; besitzt und nicht gern von seinen erlernten Ideen abweicht. H. Pietschmann:<br \/>\n<em>\u201eEine Neuerung spielt sich&#8230; in der Physik immer so ab, dass jemand sozusagen sein Ansehen riskiert, indem er sagt: ich glaube, dass wir anders denken oder anders rech\u00adnen m\u00fcssen; weil er ja zum Zeitpunkt, wo er so etwas proklamiert, noch nicht weiss, ob seine Gedanken sp\u00e4ter auch experimentell best\u00e4tigt werden bzw. Aufnahme in die Theorie finden. Das kann man ja erst im Nachhinein wissen.\u201c<\/em> <strong><em>[Anmerkung 13:<\/em><\/strong><em> H. Pietschmann in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>] <\/strong><\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das bedeutet auch, dass jede Neuerung \u00fcberdies grossen pers\u00f6nlichen Einsatz und Mut erfordert: Mut, sich gegen die Str\u00f6mung zu stellen oder gar gegen sie zu schwimmen. Auf diesen Punkt werde ich innerhalb dieses Kapitels noch genauer eingehen. Es fragt sich auch, \u201ewie stark&#8220; die Rolle des Aussenseiters sein muss; in bestimmtem Grad ist sie sicherlich notwendig, wenn sich der Neuerer mit seinen Ideen durchsetzen will. H. Pietschmann: \u201eManchmal ist sozusagen die Gemeinschaft der Physiker besonders festgefahren und h\u00e4lt sehr gerne an den Traditionen fest,&#8230; dann kann die Neuerung nur durch einen \u201eechten&#8220; Aussenseiter kommen; von jemandem, der \u00fcberhaupt ausserhalb dieser Gemeinschaft steht&#8230; ich m\u00f6chte als Beispiel Albert Einstein nennen, der ja auch zun\u00e4chst ausserhalb der Gemeinschaft der Physiker gestanden ist, dann allerdings wegen seiner Leistungen in diese Gemeinschaft integriert wurde.\u201c <strong><em>[Anmerkung 14: <\/em><\/strong><em>H. Pietschmann in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">An dieser Stelle w\u00e4re auch auf den Umstand hinzuweisen, der sp\u00e4ter bez\u00fcglich der unterschiedlichen Bewertung von \u201ehistorischen&#8220; und \u201egegenw\u00e4rtigen&#8220; Aussenseitern bedeutungsvoll wird, dass n\u00e4mlich nur jene Aussenseiter ber\u00fchmt wurden, die mit ihren Ideen recht behalten haben; jene, die unrecht gehabt haben, wurden vergessen. Letztere k\u00f6nnen also trivialerweise in diese Betrachtung gar nicht miteinbezogen werden. Die Mehrzahl jener Aussenseiter, die einen Irrweg beschritten hatten, wurden vergessen. Dazu wieder H. Pietschmann: \u201eIch w\u00fcrde sogar sagen, dass die Mehrzahl der Aussenseiter unrecht hat&#8230; und dass nur die wenigen, die recht haben, integriert und bekannt werden und dann in der Wissenschaftsgeschichte als ber\u00fchmte Aussenseiter dargestellt werden&#8230; es handelt sich dann eben immer um die ganz grossen Namen, wie Faraday, Chladni, Einstein&#8230;.\u201c <strong><em>[Anmerkung 15: <\/em><\/strong><em>H. Pietschmann in R. Schl\u00f6gl (1988): \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220;, Radiokolleg<strong>] <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In dieser Arbeit werden viele Beispiele f\u00fcr jene Aussenseiter, die sich zweifellos positiv auf die Entwicklung der Naturwissenschaften ausgewirkt haben, ausgef\u00fchrt; es liessen sich jedoch auch viele Beispiele f\u00fcr jene Gruppe von Aussenseitern anf\u00fchren, die die Entwicklung der Wissenschaft eher gest\u00f6rt haben. Dies w\u00fcrde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Es gibt jedenfalls beide Varianten.<br \/>\nWichtig erscheint mir auch, schon hier zu bemerken, dass das Thema \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220; sozusagen nur den Schatten des allgemeinen Aussenseiterproblems darstellt. Es gibt also meiner Auffassung nach einen intensiven Zusammenhang zwischen der Frage, wie Aussenseiter der Gesellschaft (aus welchen Gr\u00fcnden sie dies auch sein m\u00f6gen) von dieser behandelt werden und jener Frage, wie \u201eAussenseiter der Wissenschaft&#8220; von der etablierten Wissenschaft (im Sinne von \u201escientific Community&#8220;) beurteilt und behandelt werden. Mit diesem Themenkreis werde ich mich im 4. Kapitel eingehender auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende,<\/strong> Fortsetzung folgt<strong>)<\/strong><br \/>\nBeste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt jetzt in dieser Fortsetzungsreihe der\u00a0 Abschnitt 5 \u00a0der Dissertation von Dr. Reinhard Schl\u00f6gl. Kapitel 1: EINLEITUNG \u00a0(Fortsetzung) Zitat: 1.3\u00a0 Versuch einer Begriffskl\u00e4rung Aussenseiter ist eine Person dann, wenn sie entweder von Anfang an \u201eaussen&#8220; steht, \u201evon aussen&#8220; kommt oder \u201enach aussen&#8220; gedr\u00e4ngt wird; wobei \u201eaussen&#8220; \u201eausserhalb der Gemeinschaft&#8220; bedeutet. 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