{"id":2859,"date":"2010-10-07T09:16:25","date_gmt":"2010-10-07T08:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2859"},"modified":"2010-10-07T09:16:25","modified_gmt":"2010-10-07T08:16:25","slug":"helmut-hille-das-realprinzip-als-erkenntnisstrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/helmut-hille-das-realprinzip-als-erkenntnisstrategie\/","title":{"rendered":"Helmut Hille: &#8222;Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Heute m\u00f6chte ich noch einmal an die zahlreichen erkenntniswissenschaftlichen Arbeiten von Herrn <strong><a title=\"Helmut Hille\" href=\"http:\/\/www.worldnpa.org\/php2\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=503\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Helmut Hille<\/span><\/a><\/strong> erinnern. Zun\u00e4chst bringe ich davon nur einen kleinen Auszug:<br \/>\n<strong><a title=\"Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie\" href=\"http:\/\/www.helmut-hille.de\/lt3.html\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie<\/span> <\/a><\/strong>von <strong><a title=\"Helmut Hille\" href=\"http:\/\/www.worldnpa.org\/php2\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=503\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Helmut Hille<\/span><\/a><\/strong>, Deutschland<br \/>\nVortrag auf der DPG-Physikertagung M\u00e4rz 1995 in Duisburg FV DD, Tagungsband S. 176-181\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1. Der Faktor \u201cBeziehung\u201d\u00a0<br \/>\n<\/strong>Anl\u00e4\u00dflich zweier Vortr\u00e4ge \u00fcber die Relativit\u00e4t von Wirklichkeit im Rahmen der \u201cWiener Vorlesungen\u201d im Rathaus von Wien, \u201ceinem internationalem Forum f\u00fcr bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten\u201d, hat der bekannte Philosoph und Psychologe <strong>Paul Watzlawick<\/strong> \u201czur Erweiterung unserer Sichtweise durch den Faktor \u2018Beziehung\u2019\u201d auf folgendes hingewiesen.<br \/>\n<em>\u201cWir m\u00fcssen umdenken lernen. Wie das aussehen kann, daf\u00fcr bietet uns Bertrand Russell einen sehr wichtigen und brauchbaren Hinweis. Er verweist darauf, da\u00df ein h\u00e4ufiger Fehler in der Wissenschaft darin liege, zwei Sprachen zu vermengen, die streng voneinander getrennt sein m\u00fc\u00dften. N\u00e4mlich die Sprache, die sich auf die Objekte bezieht, und die, die sich auf Beziehungen bezieht. Ein Beispiel: wenn ich sage, dieser Apfel ist rot, dann habe ich in der Objektsprache eine Eigenschaft dieses Objektes Apfel bezeichnet. Sage ich dagegen, dieser Apfel ist gr\u00f6\u00dfer als jener, dann habe ich eine Aussage \u00fcber die Beziehung gemacht, die sich nicht mehr auf den einen oder den anderen Apfel zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4\u00dft. Die Eigenschaft des Gr\u00f6\u00dferseins kann nur in Bezug auf die Beziehung verstanden werden. Das ist so schwer zu begreifen. Unser beginnendes Verst\u00e4ndnis der Eigenschaften von Beziehungen ist noch ein sehr rudiment\u00e4res und gibt uns bisher eigentlich mehr R\u00e4tsel auf als Erkl\u00e4rungen.\u201d <\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Beziehungen oder lat. Relationen existieren rein mental im Anschauungsraum des Beobachters und entstehen durch geistige Verkn\u00fcpfungen, z. B. von Objekten. Durch Verkn\u00fcpfung ordnen wir Objekten uns Verst\u00e4ndnis gebende Eigenschaften zu, die sie nicht f\u00fcr sich selber haben, z. B. die des Gr\u00f6\u00dferseins. Wollen wir der Klarheit und Wahrheit wegen die verf\u00e4lschende Vermischung von Ebenen vermeiden, dann m\u00fcssen wir als erstes aufh\u00f6ren, Aussagen zu Relationen mit dem Pr\u00e4dikat \u201cobjektiv\u201d zu belegen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>Objektiv kann immer nur etwas sein, was einem Objekt und ihm allein zugeh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Dagegen geh\u00f6ren alle nichtkausalen Beziehungen in die Sph\u00e4re des Subjekts und haben ihre Wahrheit einzig durch sein Verst\u00e4ndnis von Objekten. Erst wenn wir aufh\u00f6ren, uns dar\u00fcber Illusionen zu machen und wenn wir Relationen als Relationen erkennen, lernen wir, zwischen Objekt- und Subjektebene und letztlich auch zwischen Denken und Sein zu unterscheiden und die verf\u00e4lschende Vermengung der Ebenen zu vermeiden. Je klarer jemand durch die Erweiterung seiner Sichtweise erkennt, zu welcher Ebene seine jeweilige Aussage geh\u00f6rt, ein um so besseres Objektverst\u00e4ndnis kann er gewinnen. Oder wie Parmenides sagte: \u201cDenn nicht ohne das Sein \u2026 wirst Du das Erkennen finden.\u201d<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Meiner \u00dcberzeugung nach mu\u00df es das Ziel in den Naturwissenschaften sein, gedanklich so weit wie m\u00f6glich aus der Ebene der Relationen in die Objektebene vorzusto\u00dfen und von ihr aus zu argumentieren. Diesen anzustrebenden Argumentationsgrundsatz nenne ich das \u201cRealprinzip\u201d. Ich verstehe ihn als einen Grundsatz, den die Vernunft mir nahelegt, wenn ich erkenne, da\u00df ich zwischen Relationen und Realit\u00e4ten unterscheiden mu\u00df und zu bedenken habe, da\u00df nur vom Realen und nicht von Relationen kausale Wirkungen ausgehen k\u00f6nnen: Nur Sachen k\u00f6nnen Ursache sein! Gingen von Relationen, die nur mental existieren, also vom Gedachten, Wirkungen aus, dann fielen diese nicht mehr in den Bereich der Wissenschaft, als der Kunde vom Seienden, sondern in den der Magie.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><em>So verk\u00f6rpert das Realprinzip als Denkprinzip den Geist der Wissenschaftlichkeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In seinem Sinne werden von mir im folgenden Text die Eigenschaften \u201cobjektiv\u201d und \u201csubjektiv\u201d, rein sachlich, auf die ontisch unterschiedlichen Ebenen verweisend, ohne jede qualifizierende oder emotionale Wertung gebraucht.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>2. Wie objektiv ist Bewegung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wenn wir zur Wahrung des Realprinzips immer nur &#8222;objektiv&#8220; nennen wollen, was einem Objekt von sich aus zugeh\u00f6rt und keine Zugabe des Beobachters ist, so ist die Selbstbewegung eines Lebewesens mittels seiner Muskeln etwas Objektives, weil es sein eigener und aktiver Zustand ist. Wenn jedoch ein Objekt, das zu verschiedenen Zeitpunkten in unterschiedlichen Relationen gesehen wird, z. B. ein fliegender Pfeil, <em>nur durch die Verkn\u00fcpfung abfolgender Beobachtungen und deren Vergleich als &#8222;bewegt&#8220; erscheint,<\/em> w\u00e4hrend dieser Zeit selbst aber im immer gleichen Zustand ist, dann ist &#8222;Bewegung&#8220; kein objektiver Zustand des &#8222;Bewegten&#8220;. Wirkungen k\u00f6nnen daher von ihm erst dann ausgehen, wenn aus der sog. &#8222;Bewegung&#8220; eine reale Begegnung wird, z. B. mit einem Vogel, der dann getroffen vom Himmel f\u00e4llt. Ein nat\u00fcrlicher physikalischer Gegenstand mag <em>uns<\/em> daher im Relationenvergleich ruhend oder bewegt <em>erscheinen,<\/em> doch <em>f\u00fcr sich<\/em> verharrt er lediglich in seinem Zustand, &#8222;sofern er nicht durch eingedr\u00fcckte Kr\u00e4fte zur \u00c4nderung seines Zustands gezwungen wird.&#8220; (Newton, 1. Axiom<sup>2)<\/sup>) Indem der Realist Newton den objektiven Realzustand kraftfreier K\u00f6rper erkannte, konnte er die Dynamik begr\u00fcnden. Die klassische Dynamik ist zugleich die klassische Anwendung des Realprinzips. Wenn ihre Axiome heute so wenig Verst\u00e4ndnis finden, dann liegt dies auch an der Vermischung der Ebenen durch Newton, der trotz der Erkenntnis, da\u00df ein kraftfreier K\u00f6rper lediglich in seinem Zustand verharrt, im gleichen Atemzug von &#8222;<em>seinem<\/em> Zustand der Ruhe oder der &#8230; Bewegung&#8220; sprach, der aber nur eine Wertung des vergleichenden Denkens ist. Unterscheidet man am K\u00f6rper jedoch Sein und Schein, dann gibt es kein Problem: <em>F\u00fcr sich<\/em> verharrt er, <em>f\u00fcr uns<\/em> ist er im Zustand der Ruhe oder der Bewegung!<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Da die Evolution nur durch Versuch und Irrtum am Erfolg ausgerichtete Erkenntnismechanismen entwickeln kann, geh\u00f6rt zu allen Aussagen, die nicht rein logisch sind, ein meist nicht bewu\u00dftes, am Erfolg ausgerichtetes Hintergrunddenken, mit dessen Hilfe wir unsere Urteile bilden. Wenn wir, <em>aller Logik und Erfahrung trotzend,<\/em> hartn\u00e4ckig darauf bestehen, da\u00df auch tote Dinge objektiv bewegt sind, wenn wir sie bewegt sehen, obgleich sie nichteinmal Bewegungsorgane haben, um einer solchen Rede auch nur den Anschein von Objektivit\u00e4t geben zu k\u00f6nnen, so verdanken wir dies einem nicht bewu\u00dft gemachten, von unseren Vorfahren \u00fcberkommenen Rest animistischen Verstehens. In Ermangelung objektiver Kriterien gewinnt das animistische Denken sein Verst\u00e4ndnis, indem es von sich auf anderes schlie\u00dft. Sieht es etwas aus seinem Umfeld <em>herausgehoben<\/em> bewegt, z. B. entgegen einer vom Wind verursachten allgemeinen Bewegung, versteht es dieses Verhalten, in Analogie zu sich selbst als Animalischem, spontan als eine aktive und damit reale Eigenbewegung des durch sein Verhalten auffallenden Objekts &#8211; womit es in den f\u00fcr sein \u00dcberleben relevanten F\u00e4llen des Beutemachens und Gejagtwerdens auch richtig liegt. Und wegen der langen Erfolgsgeschichte dieser n\u00fctzlichen Hypothese h\u00e4lt der alte Beutegreifer in uns an der Objektivit\u00e4t jeder Bewegung fest. Wenn sie sich bei Messungen nicht best\u00e4tigt, ist er lieber bereit, die Me\u00dfmittel f\u00fcr fehlerhaft zu halten, als seine nat\u00fcrliche \u00dcberzeugung infragezustellen. Trotzdem ist sie nur eine unzul\u00e4ssige Analogie zum Lebendigen, die Physiker, samt dem unangepa\u00dften biomorphen Vokabular, schleunigst ablegen sollten. 100 Jahre Kino sollten Beweis genug sein, da\u00df Bewegung ein Ph\u00e4nomen ist, das im Kopf des Zuschauers entsteht, wenn er wechselnde Bilder miteinander vergleicht &#8211; im Kino wie im Leben. Nicht das Kino erzeugt irgendeine Illusion sondern die eingefahrene Sehweise des Zuschauers tut dies von sich aus. Kino und TV machen sich diese nur zunutze und die \u00dcberzeugung von der unterschiedslosen Objektivit\u00e4t <em>jeder<\/em> Bewegung wird jeden Tag noch etwas anachronistischer. Dabei wu\u00dften und sagten schon die vorsokratischen Eleaten, &#8222;da\u00df Bewegung nicht existiert&#8220;, n\u00e4mlich als eine objektive Eigenschaft des Bewegten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitatende<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Lesen Sie bitte <strong><a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.helmut-hille.de\/lt3.html\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">hier<\/span><\/a><\/strong> weiter!<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Siehe auch:<br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.helmut-hille.de\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">WEGE DES DENKENS<\/span><\/a>\u00a0<br \/>\n<\/strong><strong><a href=\"http:\/\/www.helmut-hille-philosophie.de\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">ZEIT UND SEIN<\/span><\/a>\u00a0<br \/>\n<\/strong><strong><a title=\"Permanenter Link zu Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie\" href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/das-realprinzip-als-erkenntnisstrategie\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie<\/span><\/a>\u00a0<\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a>\u00a0 <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich noch einmal an die zahlreichen erkenntniswissenschaftlichen Arbeiten von Herrn Helmut Hille erinnern. Zun\u00e4chst bringe ich davon nur einen kleinen Auszug: Das Realprinzip als Erkenntnisstrategie von Helmut Hille, Deutschland Vortrag auf der DPG-Physikertagung M\u00e4rz 1995 in Duisburg FV DD, Tagungsband S. 176-181 Zitat: 1. Der Faktor \u201cBeziehung\u201d\u00a0 Anl\u00e4\u00dflich zweier Vortr\u00e4ge \u00fcber die Relativit\u00e4t [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2859","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschsprachige-kritik-der-relativitatstheorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2859"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2859"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2859\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}