{"id":2822,"date":"2010-07-26T09:45:16","date_gmt":"2010-07-26T08:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2822"},"modified":"2010-07-26T09:45:16","modified_gmt":"2010-07-26T08:45:16","slug":"thomas-s-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-5-forts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-s-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-5-forts\/","title":{"rendered":"Thomas S. Kuhn: \u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c (5. Forts.)"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotor\" style=\"text-align: center; width: 190px;\">\n<dt><img decoding=\"async\" title=\"Buchcover\" src=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Buch-Cover-Struktur-Revolutionen.jpg\" alt=\"\" \/> <\/dt>\n<dd style=\"text-align: left;\"><\/dd>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch<br \/>\n<strong><a title=\"Permanenter Link zu Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c\" href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-samuel-kuhn-%e2%80%9edie-struktur-wissenschaftlicher-revolutionen%e2%80%9c\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c<\/span><\/a><br \/>\n<\/strong>bringe ich nun eine weitere Leseprobe (Seiten 132 bis 134) aus dem Kapitel:<br \/>\n<strong>\u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c <\/strong>der 2. deutschen Auflage von 1976:\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">M\u00fcssen wir jedoch wirklich das, was Galilei von Aristoteles, oder Lavoisier von Priestley trennt, als eine Umwandlung des Sehens beschreiben? <em>Sahen<\/em> diese M\u00e4nner tats\u00e4chlich Verschiedenes, wenn sie die gleiche Art von Objekten betrachteten? K\u00f6nnen wir in irgendeinem vern\u00fcnftigen Sinne sagen, sie h\u00e4tten ihre Forschung in verschiedenen Welten durchgef\u00fchrt? Diese Fragen d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger aufgeschoben werden, denn es gibt nat\u00fcrlich einen anderen und weit \u00fcblicheren Weg, alle die angef\u00fchrten geschichtlichen Beispiele zu beschreiben. Viele Leser werden sicher sagen wollen, da\u00df sich mit dem Paradigma nur die Interpretation des Wissenschaftlers \u00e4ndert, w\u00e4hrend die Beobachtungen selbst ein f\u00fcr allemal durch die Natur der Umwelt und des Wahrnehmungssystems fixiert sind.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Nach dieser Anschauung haben Priestley wie Lavoisier Sauerstoff gesehen, aber sie interpretierten ihre Beobachtungen unterschiedlich; Aristoteles wie Galilei sahen Pendel, aber ihre Interpretationen dessen, was sie gesehen hatten, wichen voneinander ab.\u00a0 Ich m\u00f6chte gleich sagen, da\u00df diese sehr g\u00e4ngige Anschauung von dem, was geschieht, wenn Wissenschaftler ihre Ansichten \u00fcber grundlegende Dinge \u00e4ndern, weder ganz falsch noch ein blo\u00dfer Irrtum sein kann. Es ist vielmehr ein wesentlicher Teil eines philosophischen Paradigmas, das von Descartes ins Leben gerufen und gleichzeitig mit der Newtonschen Dynamik entwickelt wurde. Dieses Paradigma hat der Naturwissenschaft und der Philosophie gute Dienste geleistet. Seine Ausnutzung, wie auch die der Dynamik selbst, war f\u00fcr ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis, das vielleicht auf andere Weise nicht h\u00e4tte erreicht werden k\u00f6nnen, sehr fruchtbar. Wie aber das Beispiel der Newtonschen Dynamik ebenfalls zeigt, bietet selbst der eindrucksvollste Erfolg in der Vergangenheit keine Gew\u00e4hr, da\u00df eine Krise auf unbegrenzte Zeit vermieden werden kann. Heutige Forschungsarbeiten auf Teilgebieten der Philosophie, Psychologie, Linguistik und sogar der Kunstgeschichte konvergieren alle in dem Hinweis darauf, da\u00df das traditionelle Paradigma irgendwie schief liegt. Diese mangelnde \u00dcbereinstimmung mit der Wirklichkeit wird auch durch das Studium der Wissenschaftsgeschichte, dem unsere Aufmerksamkeit hier in erster Linie gilt, immer deutlicher gemacht.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Keiner dieser krisenf\u00f6rdernden Bereiche hat bisher eine lebensf\u00e4hige Alternative f\u00fcr das traditionelle erkenntnistheo- retische Paradigma hervorgebracht; sie beginnen aber anzudeuten, welches einige der Eigenschaften des neuen Paradigmas sein werden. Ich bin mir beispielsweise v\u00f6llig der Schwierigkeiten bewu\u00dft, die dadurch entstehen, da\u00df ich sage: als Aristoteles und Galilei schwingende Steine betrachteten, sah der erste einen gehemmten Fall, der zweite ein Pendel. Die gleichen Schwierigkeiten werden in einer noch grundlegenderen Form durch die Einleitungss\u00e4tze dieses Abschnitts beschworen: Wenn auch die Welt mit dem Wechsel eines Paradigmas nicht wechselt, so arbeitet doch der Wissenschaftler danach in einer anderen Welt. Trotzdem bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df wir lernen m\u00fcssen, Behauptungen, die diesen zumindest \u00e4hnlich sind, einen Sinn abzugewinnen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Was w\u00e4hrend einer wissenschaftlichen Revolution geschieht, kann nicht vollst\u00e4ndig auf eine neue Interpretation einzelner und stabiler Daten zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Zun\u00e4chst einmal sind die Daten nicht eindeutig stabil. Ein Pendel ist kein fallender Stein, und Sauerstoff ist keine entphlogistizierte Luft. Folglich sind die von Wissenschaftlern gesammelten Daten \u00fcber diese unterschiedlichen Objekte an sich schon verschieden, wie wir bald sehen werden. Und was noch wichtiger ist, der Proze\u00df, in dem entweder der einzelne oder die Gemeinschaft den \u00dcbergang vom gehemmten Fall zum Pendel oder von der entphlogistizierten Luft zum Sauerstoff vollzieht, \u00e4hnelt nicht einer Interpretation. Wie k\u00f6nnte er auch, da es f\u00fcr den Wissenschaftler gar keine feststehenden Daten zu interpretieren gab! Der Wissenschaftler, der sich ein neues Paradigma zu eigen macht, ist weniger ein Interpret, als da\u00df er einem gleicht, der Umkehrlinsen tr\u00e4gt. Er steht derselben Konstellation von Objekten gegen\u00fcber wie vorher, und obwohl er das wei\u00df, findet er sie doch in vielen ihrer Einzelheiten durch und durch umgewandelt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende) <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Weitere Informationen zu <span style=\"text-decoration: underline;\">Thomas Samuel Kuhn<\/span> finden Sie <strong><a href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=1577\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">hier.<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe<strong> <a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a>\u00a0<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c bringe ich nun eine weitere Leseprobe (Seiten 132 bis 134) aus dem Kapitel: \u201eX. 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