{"id":2815,"date":"2010-07-07T09:03:29","date_gmt":"2010-07-07T08:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2815"},"modified":"2010-07-07T09:10:37","modified_gmt":"2010-07-07T08:10:37","slug":"thomas-s-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-2-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-s-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-2-fortsetzung\/","title":{"rendered":"Thomas S. Kuhn: \u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c        (2. Fortsetzung)"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotor\" style=\"text-align: center; width: 190px;\">\n<dt><img decoding=\"async\" title=\"Buchcover\" src=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Buch-Cover-Struktur-Revolutionen.jpg\" alt=\"\" \/> <\/dt>\n<dd style=\"text-align: left;\"><\/dd>\n<\/dl>\n<p>Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch<br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c\" href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-samuel-kuhn-%e2%80%9edie-struktur-wissenschaftlicher-revolutionen%e2%80%9c\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c<\/span><\/a><br \/>\nbringe ich jetzt eine weitere Leseprobe (Seiten 126 bis 128) aus dem Kapitel:<br \/>\n\u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c der 2. deutschen Auflage von 1976:<\/p>\n<p><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Bei der wissenschaftlichen Beobachtung ist die Situation jedoch genau umgekehrt. Der Wissenschaftler kann nichts heranziehen, was jenseits dessen l\u00e4ge, was er mit den Augen und seinen Apparaten zu erfassen vermag. G\u00e4be es eine h\u00f6here Autorit\u00e4t, die ihm best\u00e4tigen k\u00f6nnte, da\u00df seine Sehweise sich verschoben hat, dann w\u00fcrde diese Autorit\u00e4t selbst zur Quelle seiner Sinnesdaten, und das Verhalten seiner Sehweise w\u00fcrde zu einer Quelle von Problemen (wie es das Verhalten der Versuchsperson f\u00fcr den Psychologen ist). Die gleichen Probleme w\u00fcrden sich ergeben, wenn der Wissenschaftler so wie die Versuchsperson bei den Gestaltexperimenten bald die eine, bald die andere Wahrnehmung hervorrufen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Die Periode, in der das Licht \u00bbmanchmal eine Welle und manchmal ein Partikel\u00ab war, war eine Krisenzeit &#8212; eine Periode, in der etwas nicht stimmte &#8211;, und sie endete erst mit der Entwicklung der Wellenmechanik und der Erkenntnis, da\u00df das Licht eine selbst\u00e4ndige Entit\u00e4t ist, unterschieden von Wellen wie von Partikeln. Wenn also in den Wissenschaften Wahrnehmungsverschiebungen die Paradigmawechsel begleiten, k\u00f6nnen wir von den Wissenschaftlern nicht erwarten, da\u00df sie diese Ver\u00e4nderungen unmittelbar bezeugen. Beim Betrachten des Mondes sagt einer, der sich zum Kopernikanismus bekehrt hat, nicht: \u00bbIch pflegte einen Planeten zu sehen, jetzt aber sehe ich einen Trabanten.\u00ab Diese Art der Formulierung w\u00fcrde implizieren, da\u00df das Ptolem\u00e4ische System in einem bestimmten Sinne einmal richtig war. Der zur neuen Astronomie Bekehrte sagt vielmehr: \u00bbIch hielt einst den Mond f\u00fcr (oder sah den Mond als) einen Planeten, ich hatte aber unrecht.\u00ab Diese Art der Feststellung h\u00f6rt man oft im Gefolge wissenschaftlicher Revolutionen. Wenn sie gew\u00f6hnlich eine Verschiebung des wissenschaftlichen Sehens oder eine andere geistige Umwandlung von gleicher Wirkung verbirgt, k\u00f6nnen wir kein unmittelbares Zeugnis f\u00fcr diese Verschiebung erwarten. Wir m\u00fcssen vielmehr nach mittelbaren und aus dem Verhalten hervorgehenden Beweisen daf\u00fcr suchen, da\u00df der Wissenschaftler mit einem neuen Paradigma anders sieht, als er vorher zu sehen pflegte.<\/p>\n<p>Kehren wir also zum historischen Material zur\u00fcck und fragen, welche Ver\u00e4nderungen in der Welt des Wissenschaftlers ein Historiker, der an solche Wechsel glaubt, entdecken kann. Sir William Herschels Entdeckung des Uranus gibt uns ein erstes Beispiel, und zwar eines, das eine enge Parallele zu dem Experiment mit den anomalen Karten bietet. Bei mindestens siebzehn verschiedenen Gelegenheiten hatten von 1690 bis 1781 mehrere Astronomen, darunter einige der hervorragendsten europ\u00e4ischen Beobachter, einen Fixstern in Positionen gesehen, von denen wir heute annehmen m\u00fcssen, da\u00df sie zu jener Zeit von Uranus eingenommen wurden. Einer der besten Beobachter in dieser Gruppe hatte 1769 den Stern sogar in vier aufeinander folgenden N\u00e4chten gesehen, ohne eine Bewegung festzustellen, die eine andere Identifizierung h\u00e4tte nahe legen k\u00f6nnen. Als Herschel zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter das gleiche Objekt zum ersten Mal beobachtete, hatte er ein stark verbessertes, selbstgebautes Teleskop. Dadurch war er in der Lage, einen scheinbaren Durchmesser der Scheibe festzustellen, die f\u00fcr Fixsterne zumindest ungew\u00f6hnlich war. Irgend etwas stimmte nicht, und er verschob deshalb die Identifizierung, um weitere Nachforschungen anzustellen. Durch diese Untersuchungen wurde die Bewegung des Uranus entdeckt, und Herschel verk\u00fcndete daher, er habe einen neuen Kometen entdeckt! Erst einige Monate sp\u00e4ter, nach vergeblichen Versuchen, die beobachtete Bewegung in eine Kometenbahn einzupassen, kam Lexell darauf, da\u00df die Bahn m\u00f6glicherweise die eines Planeten sei [Anmerkung 4]. Als man diese Anregung akzeptiert hatte, gab es in der Welt der Fachastronomen einige Fixsterne weniger und einen Planeten mehr. Ein Himmelsk\u00f6rper, der fast ein Jahrhundert lang ab und zu beobachtet worden war, wurde nach 1781 anders gesehen, da er, genau wie eine anomale Spielkarte, nicht l\u00e4nger in die von dem fr\u00fcher vorherrschenden Paradigma gelieferten Wahrnehmungskategorien (Fixstern oder Komet) eingeordnet werden konnte.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">(Zitatende)<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe<strong> <a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a>\u00a0<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c bringe ich jetzt eine weitere Leseprobe (Seiten 126 bis 128) aus dem Kapitel: \u201eX. 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