{"id":2814,"date":"2010-07-05T12:03:36","date_gmt":"2010-07-05T11:03:36","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2814"},"modified":"2010-07-05T12:03:36","modified_gmt":"2010-07-05T11:03:36","slug":"thomas-samuel-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-1-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-samuel-kuhn-%e2%80%9ex-revolutionen-als-wandlungen-des-weltbildes%e2%80%9c-1-fortsetzung\/","title":{"rendered":"Thomas Samuel Kuhn: \u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c (1. Fortsetzung)"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotor\" style=\"text-align: center; width: 190px;\">\n<dt><img decoding=\"async\" title=\"Buchcover\" src=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Buch-Cover-Struktur-Revolutionen.jpg\" alt=\"\" \/> <\/dt>\n<dd style=\"text-align: left;\"><\/dd>\n<\/dl>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch<br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c\" href=\"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/thomas-samuel-kuhn-%e2%80%9edie-struktur-wissenschaftlicher-revolutionen%e2%80%9c\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c<\/span><\/a><br \/>\nbringe ich jetzt eine weitere Leseprobe (Seiten 124 bis 126) aus dem Kapitel:<br \/>\n\u201eX. Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes\u201c der 2. deutschen Auflage von 1976:\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Versuchspersonen bei dem in Abschnitt VI. besprochenen Experiment mit den ver\u00e4nderten Spielkarten erlebten eine ganz \u00e4hnliche Umwandlung. Bevor sie durch verl\u00e4ngerte Darbietung gelehrt worden waren, da\u00df die Welt ver\u00e4nderte Spielkarten enthielt, sahen sie nur die Karten, auf die sie durch ihre fr\u00fcheren Erfahrungen eingestellt waren. Nachdem die Erfahrung sie aber mit den erforderlichen zus\u00e4tzlichen Kategorien vertraut gemacht hatte, waren sie in der Lage, alle anomalen Karten bei der ersten Betrachtung, die lang genug war, um \u00fcberhaupt eine Identifizierung zu gestatten, zu erkennen. Andere Experimente zeigen, da\u00df auch die wahrgenommene Gr\u00f6\u00dfe, Farbe usw. von experimentell dargebotenen Objekten je nach der fr\u00fcheren \u00dcbung und Erfahrung der Versuchspersonen variiert [Anmerkung 2].<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Bei einer \u00dcberpr\u00fcfung der reichen Experimentalliteratur, der diese Beispiele entnommen sind, kommt der Verdacht auf, da\u00df f\u00fcr die Wahrnehmung selbst etwas \u00c4hnliches wie ein Paradigma vorausgesetzt werden mu\u00df. Was ein Mensch sieht, h\u00e4ngt sowohl davon ab, worauf er blickt, wie davon, worauf zu sehen ihn seine visuell-begriffliche Erfahrung gelehrt hat. Bei mangelnder \u00dcbung darin kann es nur, wie William James es ausdr\u00fcckt, \u00bbeine verteufelt wilde Verwirrung\u00ab geben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In den letzten Jahren haben einige von denen, die sich mit der Geschichte der Wissenschaft befassen, Experimente wie die soeben beschriebenen \u00e4u\u00dferst anregend gefunden. Besonders N. R. Hanson hat Gestaltdemonstrationen verwendet, um einige der auch mich hier besch\u00e4ftigenden Konsequenzen wissenschaftlicher \u00dcberzeugung herauszuarbeiten [Anmerkung 3].<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Andere Kollegen haben wiederholt festgestellt, da\u00df die Wissenschaftsgeschichte einen besseren und geschlosseneren Sinn erg\u00e4be, wenn man annehmen k\u00f6nnte, da\u00df auch Wissenschaftler gelegentlich Wahrnehmungsverschiebungen wie die vorher beschriebenen erleben. Aber so anregend psychologische Experimente auch sind, sie k\u00f6nnen nach der Natur der Dinge nicht mehr sein als das. Sie zeigen zwar Eigenschaften der Wahrnehmung, die f\u00fcr die wissenschaftliche Entwicklung zentral sein <em>k\u00f6nnten,<\/em> sie beweisen aber nicht, ob die von einem Forscher ge\u00fcbte sorgf\u00e4ltige und kontrollierte Beobachtung \u00fcberhaupt an diesen Eigenschaften teilhat. Au\u00dferdem macht gerade die Eigenart solcher Experimente jede unmittelbare Demonstration dieses Punktes unm\u00f6glich. Wenn geschichtliche Beispiele die psychologischen Experimente als relevant erscheinen lassen sollen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst feststellen, welche Daten wir von der Geschichte erwarten k\u00f6nnen und welche nicht.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Versuchsperson bei einer Gestaltdemonstration wei\u00df, da\u00df sich ihre Wahrnehmung verschoben hat, da sie diese wiederholt wechseln lassen kann, w\u00e4hrend sie dasselbe Buch oder St\u00fcck Papier in der Hand h\u00e4lt. Der Tatsache bewu\u00dft, da\u00df sich in ihrer Umwelt nichts ver\u00e4ndert hat, richtet sie ihre Aufmerksamkeit in steigendem Ma\u00dfe nicht auf die Figur (Ente oder Kaninchen), sondern auf die Linien auf dem Papier, auf das sie blickt. Schlie\u00dflich kann sie sogar lernen, die Linien zu sehen, ohne eine der Figuren wahrzunehmen, und sie vermag dann zu sagen (was sie vorher nicht einwandfrei konnte), da\u00df sie wirklich diese Linien sieht, jedoch abwechselnd einmal <em>als<\/em> Ente und einmal <em>als<\/em> Kaninchen. Aus dem gleichen Grund wei\u00df die Versuchsperson bei dem Experiment mit den anomalen Spielkarten (oder genauer gesagt, sie kann dazu gebracht werden zu wissen), da\u00df ihre Wahrnehmung sich verschoben haben mu\u00df, weil eine \u00e4u\u00dfere Autorit\u00e4t, n\u00e4mlich der Experimentator, sie \u00fcberzeugt, da\u00df sie ohne R\u00fccksicht darauf, was sie <em>gesehen<\/em> hat, die ganze Zeit auf eine schwarze Herz F\u00fcnf <em>geblickt<\/em> hat. In beiden F\u00e4llen, wie auch bei allen \u00e4hnlichen psychologischen Experimenten, liegt die Wirksamkeit der Demonstration darin, da\u00df sie auf diese Weise analysiert werden kann. Solange es keine \u00e4u\u00dfere Norm gibt, im Hinblick auf welche ein Wechsel der Sehweise demonstriert werden k\u00f6nnte, ist es nicht m\u00f6glich, zu einem Schlu\u00df \u00fcber alternative Wahrnehmungsm\u00f6glichkeiten zu kommen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende)<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe<strong> <a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a>\u00a0<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem bereits als Buchempfehlung genannten Buch Thomas Samuel Kuhn: \u201eDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen\u201c bringe ich jetzt eine weitere Leseprobe (Seiten 124 bis 126) aus dem Kapitel: \u201eX. 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