{"id":2767,"date":"2010-04-07T09:21:47","date_gmt":"2010-04-07T08:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2767"},"modified":"2010-04-07T09:21:47","modified_gmt":"2010-04-07T08:21:47","slug":"albert-einstein-behauptet-beim-wiederabdruck-1913-seiner-ersten-arbeit-von-1905-die-arbeit-von-lorentz-1904-nicht-gekannt-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/albert-einstein-behauptet-beim-wiederabdruck-1913-seiner-ersten-arbeit-von-1905-die-arbeit-von-lorentz-1904-nicht-gekannt-zu-haben\/","title":{"rendered":"Albert Einstein behauptet beim Wiederabdruck (1913) seiner ersten Arbeit von 1905, die Arbeit von Lorentz 1904 nicht gekannt zu haben"},"content":{"rendered":"<p>Ich bringe nun <strong>Fehler Nr. 9<\/strong> \u00a0aus dem Abschnitt <strong>Darstellungen<\/strong> zur Relativit\u00e4tstheorie aus<strong> <a title=\"Kapitel 2, Fehler-Katalog\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/kap2.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Kapitel 2, Fehler-Katalog<\/span><\/a>\u00a0 <\/strong>der Dokumentation der Forschungsgruppe<strong> <a title=\"G. O. Mueller\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=597\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">G. O. Mueller<\/span><\/a><\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p>S: Darstellungen \/ Fehler Nr. 9<br \/>\n<strong>Albert Einstein behauptet beim Wiederabdruck (1913) seiner ersten Arbeit von 1905, die Arbeit von Lorentz 1904 nicht gekannt zu haben<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Behauptung Albert Einsteins, die 1904 ver\u00f6ffentlichte Arbeit von Lorentz bei der Abfassung seiner ersten Arbeit zur SRT 1905 nicht gekannt zu haben, findet sich in einer Fu\u00dfnote zum Wiederabdruck seiner Arbeit in dem Sammelband: Das Relativit\u00e4tsprinzip. Lorentz, Einstein, Minkowski. 1. Aufl. 1913, S. 27; 5. Aufl. 1923, S. 26.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Anla\u00df f\u00fcr diese Behauptung waren mehrere Umst\u00e4nde:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify; PADDING-LEFT: 60px\"><!--more-->(1) die Tatsache, da\u00df Lorentz bereits 1904 die Transformationsgleichungen ver\u00f6ffentlicht hat, die sp\u00e4ter auch in der SRT verwendet werden;<br \/>\n(2) die Tatsache, da\u00df Albert Einstein in seiner Arbeit von 1905 keine einzige Literaturangabe macht, also den Eindruck erweckt, er habe alles in seiner Theorie selbst entwickelt;<br \/>\n(3) durch den sp\u00e4teren Wiederabdruck beider Arbeiten nacheinander in dem Sammelband &#8222;Das Relativit\u00e4tsprinzip&#8220; wurde die weitgehende \u00dcbereinstimmung der Transformationsgleichungen offensichtlich; Lorentz hatte in einer Fu\u00dfnote (datiert 1912) zum Wiederabdruck (1913: S. 10) angemerkt, da\u00df er &#8222;in dieser Abhandlung die Transformationsgleichungen der Einsteinschen Relativit\u00e4tstheorie nicht ganz erreicht&#8220; hat; au\u00dferdem weist Lorentz in derselben Fu\u00dfnote darauf hin, da\u00df Voigt bereits 1887 eine Transformation angewandt hat, die seiner, Lorentz&#8216; eigener, &#8222;\u00e4quivalent&#8220; ist. Lorentz stellt also in aller K\u00fcrze die Genealogie der Transformationsgleichungen auf: Voigt 1887 &#8211; Lorentz 1904 &#8211; Einstein 1905.\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Gegen diese Abh\u00e4ngigkeit wehrt sich Albert Einstein 1913 durch die Fu\u00dfnote. Er h\u00e4tte diese Fu\u00dfnote 1913 nicht n\u00f6tig gehabt, wenn er in seiner ersten Arbeit 1905 den international \u00fcblichen Standard an intellektueller Redlichkeit gewahrt und seine Quellen und den vorgefundenen Kenntnisstand korrekt referiert h\u00e4tte: wenn in seiner damaligen \u2013 nicht gelieferten &#8211; &#8222;Literaturliste&#8220; die Arbeit von Lorentz 1904 nicht aufgef\u00fchrt worden w\u00e4re, so h\u00e4tte das seine Unkenntnis dieser Arbeit zwar nicht bewiesen, aber immerhin nahe liegend erscheinen lassen. Wer gar keine Quellen angibt, kann sp\u00e4ter zwar alles behaupten, aber man glaubt ihm nicht so leicht, weil das Mi\u00dftrauen geweckt ist.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Nachdem nun Lorentz im Wiederabdruck 1913 den Nachweis der Entwicklung des Kenntnisstands geleistet hatte, den Albert Einstein 1905 verweigert hatte, konnte von einer Priorit\u00e4t Albert Einsteins f\u00fcr die Transformationsgleichungen nicht mehr die Rede sein. Um aber wenigstens eine Selbst\u00e4ndigkeit seiner Ableitungen in zeitlicher Parallelit\u00e4t zu Lorentz zu behaupten, erkl\u00e4rte Albert Einstein 1913 in der Fu\u00dfnote, die Arbeit von Lorentz 1904 nicht gekannt zu haben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Diese Schutzbehauptung Albert Einsteins ist durch seine Anh\u00e4nger stets als v\u00f6llig unzweifelhaft hingestellt worden, obwohl von den sp\u00e4teren Relativisten niemand 1905 dabei gewesen ist und beurteilen konnte, was Albert Einstein bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannt hat. Die Relativisten wie A. Pais 1996 (S. 121) halten die Nicht-Kenntnis f\u00fcr erwiesen: &#8222;It follows &#8230; that in 1905 Einstein did not know of Lorentz transformations.&#8220; Er betont es in seiner Zusammenfassung (S. 133): &#8222;He did not know the Lorentz transformations.&#8220;<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Kritiker bezweifeln Schutzbehauptungen prinzipiell. Wer seine Karten nicht offen legen will, hat wahrscheinlich etwas zu verbergen. L. Galgani 1996 hat die Frage der Kenntnis der Lorentz&#8217;schen Arbeit von 1904 analysiert und folgendes herausgefunden (S. 176): der ber\u00fchmte Relativit\u00e4tsfaktor [1 \/ Wurzel aus 1 &#8211; v\u00b2\/c\u00b2] wurde um 1905 von zwei Autoren behandelt, n\u00e4mlich von Poincar\u00e9 und von Lorentz; Poincar\u00e9 bezeichnete den Relativit\u00e4tsfaktor mit dem Buchstaben &#8222;k&#8220;, Lorentz bezeichnet ihn 1904 mit dem griechischen [Beta]; und AE 1905 bezeichnet den Faktor ebenfalls mit [Beta]. Damit ist die Nicht-Kenntnis der Lorentz&#8217;schen Arbeit von 1904 zumindest ziemlich unwahrscheinlich. Alle gegenteiligen Beteuerungen helfen wenig.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Galgani 1996 behandelt noch einen anderen wichtigen Aspekt der Literaturkenntnis Albert Einsteins, n\u00e4mlich seine Kenntnis der Arbeiten von Poincar\u00e9, wobei auch Poincar\u00e9s Verh\u00e4ltnis zur SRT zur Sprache kommt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wie schon bei anderer Gelegenheit betont, geht es hier nicht um pers\u00f6nliche Eitelkeiten, die f\u00fcr die Physik irrelevant sind, sondern um die sachlichen Abh\u00e4ngigkeiten und daraus resultierende Anspr\u00fcche einer Theorie. Die von Lorentz in seiner Fu\u00dfnote 1912 klargestellte Genealogie der Transformationsformeln zeigt ihre Unabh\u00e4ngigkeit von der SRT.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Auch in dieser Frage zeigt sich die Vorliebe der Relativisten f\u00fcr riskante Nicht-Existenz-Behauptungen, die sie um so sicherer proklamieren, je weniger sachliche Gr\u00fcnde sie daf\u00fcr vorbringen k\u00f6nnen. K\u00fchnheit ist ihr Wappenspruch, und die K\u00fchnheit r\u00fchmen seit Planck und M. v. Laue und Born schon mehrere Relativistengenerationen.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n<em>Lorentz, Hendrik Antoon: Electromagnetic phenomena in a system moving with any velocity smaller than that of light. <\/em><em>In: Koninklijke Akademie van Wetenschappen, <\/em><em>Amsterdam<\/em><em>. <\/em><em>Proceedings. 6. 1904, S. 809 &#8211; 831. Dt. \u00dcbersetzung abgedruckt in: Das Relativit\u00e4tsprinzip. <\/em><em>H. A. Lorentz, A. Einstein, H. Minkowski. 1913; 5. Aufl. 1923, S. 6 &#8211; 25. &#8211; AE 1905. &#8211; Pais, Abraham: &#8222;Subtle is the Lord &#8230;\u201c: the science and the life of Albert Einstein. <\/em><em>11. impr. Oxford (usw.): Oxford Univ. Pr., 1996. 552 S. &#8211; Galgani, Luigi: Einstein e Poincar\u00e9. In: Fondamenti e filosofia della fisica. Atti del Convegno, 1994. Cesena 1996, S. 163 &#8211; 178. <\/em>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende) <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Den Originaltext zu diesem Zitat finden Sie<strong> <a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/kap2.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">hier<\/span><\/a> <\/strong>(Seiten 169 bis 170).<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Beste Gr\u00fc\u00dfe<strong> <a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bringe nun Fehler Nr. 9 \u00a0aus dem Abschnitt Darstellungen zur Relativit\u00e4tstheorie aus Kapitel 2, Fehler-Katalog\u00a0 der Dokumentation der Forschungsgruppe G. O. Mueller. 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