{"id":267,"date":"2008-12-23T15:14:10","date_gmt":"2008-12-23T14:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=267"},"modified":"2008-12-24T07:33:38","modified_gmt":"2008-12-24T06:33:38","slug":"267","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/267\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Rolle des \u00c4thers in der Physik"},"content":{"rendered":"<dl class=\"clearfix fotor\">\n<dt><img decoding=\"async\" title=\"Walter Ritz\" src=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/RITZ-WAL-2.JPG\" alt=\"Walter Ritz\" \/>\u00a0<\/dt>\n<\/dl>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Quelle:<br \/>\n<\/strong>WALTER RITZ (1908): <strong><a title=\"\u201e\u00dcber die Rolle des \u00c4thers in der Physik\u201c\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Ritz-b.htm\">\u201e\u00dcber die Rolle des \u00c4thers in der Physik\u201c<\/a><\/strong>.<br \/>\n(Aus Scientia 1908, Nr. VI: \u201eDu r\u00f4le de l&#8217;\u00e9ther en physique\u201c)<br \/>\nEntnommen aus dem Buch:<br \/>\n\u201eTheorien \u00fcber \u00c4ther, Gravitation, Relativit\u00e4t und Elektrodynamik\u201c<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt und mit einem Nachwort versehen von Dr. Karl D\u00fcrr,<br \/>\nSchritt-Verlag, Bern und Badisch-Rheinfelden 2. Auflg. (1965), S. 15 &#8211; 28.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Unter den wichtigsten und am allgemeinsten anerkannten physikalischen Theorien spielen zwei eine ganz besonders grundlegende Rolle: die Atom- und die \u00c4therhypothese. Beide wurzeln in metaphysischen Anf\u00e4ngen, die heute kaum noch Anh\u00e4nger f\u00e4nden, beide hatten im Lauf der Zeit wechselvolle Schicksale. In den letzten Jahren war indes ihr Bestehen vor der Kritik und der Erfahrung ein ungleiches. Von gr\u00f6\u00dfter Fruchtbarkeit war fast in allen Gebieten der Physik und Chemie der Atombegriff, der neuestens durch die Entwicklung der Ionen- und Elektronentheorie Triumphe feierte, da\u00df wir die elektrischen Ladungen der Atome fast mit H\u00e4nden greifen. Dagegen scheint man von der Philosophie her der Atomtheorie ihre etwas zweifelhafte Herkunft noch nicht ganz verzeihen zu wollen. So behandelt sie Ostwald\u00a0mit einer Strenge, die er gegen\u00fcber andern Dingen, etwa dem \u00c4therbegriff, vermissen l\u00e4\u00dft. An diesem letzterem hinwiederum hat die Kritik kaum Anstand genommen. Der Erfolg der Wellentheorie des Lichtes, insbesondere in der Maxwell&#8217;schen Fassung, hat jede Kritik zum Verstummen gebracht, und die Frage, in wieweit dieser an sich bestimmt wichtige Begriff beim <strong>heutigen<\/strong> Zustand der Theorie auch unabh\u00e4ngig von dieser besonderen Form gefordert wird, ist kaum gestellt worden. Und doch zeigt schon ein kurzer geschichtlicher \u00dcberblick, wie wenig der \u00c4therbegriff die heute allseitig genossene Gunst verdient.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><!--more-->Der \u00c4ther hat philosophische Urspr\u00fcnge und ist erst durch Huygens, den Sch\u00f6pfer der Wellentheorie des Lichts, in die Physik eingef\u00fchrt worden. Zu jener Zeit war er eines neben vielen \u00e4hnlichen Fluiden (das magnetische, das elektrische, das W\u00e4rmefluidum usw.), das von den Physikern sicher ohne Widerstreben geschluckt worden w\u00e4re &#8211; w\u00e4re nicht die Autorit\u00e4t Newton&#8217;s dazwischengetreten, der f\u00fcr lange Zeit der Emanationstheorie des Lichtes zum Sieg verhalf. Die Gr\u00fcnde Newton&#8217;s lohnen einiges Verweilen. Sie sind typisch.<\/span><\/span><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Aus der Beobachtung der verschiedenen Brechungserscheinungen, vor allem der Newton-Ringe, ging schon zu jener Zeit hervor, da\u00df das Licht eine periodische Erscheinung ist, d. h. aus einer Folge von Zust\u00e4nden besteht, die sich nach einer bestimmten, \u00e4u\u00dferst kurzen Zeit genau gleich im gleichen Raumpunkt wiederholen. Das traf auch auf den Ton zu und war die Grundlage der Theorie von Huygens. Die weit getriebenen mathematischen Untersuchungen dieses Gelehrten, welche die erste Grundlage der Wellentheorie bilden, gelten unabh\u00e4ngig von der <strong>Natur<\/strong> der Erscheinung sofern nur die Periodizit\u00e4t in der Zeit und im Raum nach dem mathematischen Gesetz von Huygens gewahrt ist. Aber Huygens nahm au\u00dferdem an, das Licht m\u00fcsse als Schwingung eines unw\u00e4gbaren K\u00f6rpers betrachtet werden, der im ganzen Raume verteilt sei. Und da die w\u00e4gbaren K\u00f6rper von seiten dieses &#8222;\u00c4thers&#8220; keinen Widerstand finden, gleichg\u00fcltig ob man irdische Bewegungen oder die Bahnen der Himmelsk\u00f6rper betrachtet, wo die Genauigkeit besonders gro\u00df ist, mu\u00dfte der \u00c4ther als eine \u00e4u\u00dferst feine <strong>Fl\u00fcssigkeit<\/strong> begriffen werden. Nun k\u00f6nnen Fl\u00fcssigkeiten lediglich L\u00e4ngsschwingungen ausf\u00fchren, Schwingungen also, deren Richtung mit der Ausbreitungsrichtung der Welle zusammenf\u00e4llt und die in jedem Punkt durch eine einzige Gr\u00f6\u00dfe, die Dichte der Fl\u00fcssigkeit in diesem Punkte, gekennzeichnet sind.<\/span><\/span>\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Von dieser Art sind die Schwingungen der Luft, die wir als T\u00f6ne wahrnehmen, Dagegen sind die Schwingungen einer gestrichenen Violinsaite, einer angeschlagenen Stange, oder die von einem ins Wasser geworfenen Stein erzeugten Wasserwellen ganz anderer Art, nicht mit einem Wechsel der Dichte verbunden und nicht in die Ausbreitungsrichtung gerichtet: in einem unbegrenzten festen K\u00f6rper liegt die Schwingungsrichtung in einer senkrecht auf der Ausbreitungsrichtung stehenden Ebene und bedarf zu ihrer vollst\u00e4ndigen Kennzeichnung der Angabe der Richtung in dieser Ebene, also <strong>zweier<\/strong> Komponenten. So findet die Ausbreitung der Schwingung einer Saite l\u00e4ngs der schwingenden Saite, die Schwingung aber senkrecht dazu statt, und zwar in der Richtung in der die Saite gezupft worden ist. In keinem Fall gen\u00fcgt eine einzige Gr\u00f6\u00dfe zur Beschreibung des Vorganges: es braucht deren zwei. Nun zeigten die eigenen Untersuchungen von Huygens am isl\u00e4ndischen Spath &#8211; also \u00fcber Polarisation -, da\u00df das Licht durch eine Richtung oder, wie wir sagen, einen Vektor gekennzeichnet ist, also durch eine Mehrheit von Gr\u00f6\u00dfen.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Huygens war daher au\u00dferstande, diese Beobachtungen zu erkl\u00e4ren, und Newton, der die Transversalschwingungen fester K\u00f6rper sicher kannte, aber nicht zulassen konnte, da\u00df ein fester K\u00f6rper durch verschiedenste K\u00f6rper hindurchdringen k\u00f6nne, ohne ihnen einen Widerstand entgegenzusetzen, verwarf die Huygens\u00b4sche Theorie trotz ihrer offensichtlichen Vorz\u00fcge. So ist bei Huygens von Anfang an die Verstofflichung einer an sich fruchtbaren mathematischen Vorstellung dieser abtr\u00e4glich gewesen. Ein gleicher Sachverhalt begegnet uns in der weiteren Geschichte des \u00c4thers immer wieder bis auf den heutigen Tag.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Fast hundert Jahre lang war nun der \u00c4ther in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. Als ihn die Arbeiten eines Fresnel wieder zu Ehren brachten und die Auffassungen von Huygens anscheinend denen von Newton turmhoch \u00fcberlegen wurden, war dies zu einem guten Teil der genialen Unbek\u00fcmmertheit zuzuschreiben, mit der der gro\u00dfe Fresnel diesen Teil seiner Theorie durchf\u00fchrte. Rein am Studium der Erscheinungen aus gerichtet, suchte und fand er mathematische Gesetze, die man in ihrer allgemeinsten Form durch eine partielle Differentialgleichung zweiter Ordnung und durch gewisse Bedingungen ausdr\u00fccken kann, denen das Licht an der Trennfl\u00e4che zweier verschiedener K\u00f6rper oder des \u00c4thers und eines K\u00f6rpers unterworfen ist, Bei der Schwierigkeit, einen K\u00f6rper sich frei durch den festen \u00c4ther hindurch bewegen zu lassen, hielt er sich nicht auf; er nahm sogar an, um die Aberration zu erkl\u00e4ren, da\u00df der \u00c4ther die Bahnbewegung der Erde nicht mitmache, so da\u00df ein \u00c4therwind von 30 km Sekundengeschwindigkeit durch alle Dinge und die uns umgebende Luft hindurchginge, ohne in selbst allergenauesten Versuchen festgestellt zu werden&#8230; Seine Theorie stand mit der Erfahrung in Einklang; die genannte Schwierigkeit konnte nicht un\u00fcberwindlich sein. Er nahm an, da\u00df verfeinerte Versuche diese Bewegung der irdischen Dinge im Verh\u00e4ltnis zum \u00c4ther noch offenbaren w\u00fcrden oder da\u00df sich eine theoretische Erkl\u00e4rung der Unbemerkbarkeit des \u00c4therwinds werde finden lassen. Hand aufs Herz: sind wir heute weiter?<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Theorie von Fresnel war rein ph\u00e4nomenologisch. Aus der Gesamtheit seiner Formeln mu\u00dfte nun eine zusammenh\u00e4ngende Theorie der Elastizit\u00e4t des \u00c4thers abgeleitet werden. Die gro\u00dfe Entwicklung der bisher recht k\u00fcmmerlichen Elastizit\u00e4tstheorie fester K\u00f6rper in den H\u00e4nden von Navier, Poisson, Green und Cauchy steht in diesem Zusammenhang: sie machte es m\u00f6glich, die allgemeinste Schwingung eines festen K\u00f6rpers &#8211; und mithin auch des Fresnel&#8217;schen \u00c4thers &#8211; durch partielle Differentialgleichungen zweiter Ordnung und gewisse Grenzfl\u00e4chenbedingungen der K\u00f6rper auszudr\u00fccken, wie es Fresnel f\u00fcr das Licht gezeigt hatte. Nur waren leider die beiden Erscheinungen nicht identisch, und die Unterschiede zeigten sich grade an den entscheidenden Punkten. So gen\u00fcgen gewisse allgemeine \u00dcberlegungen, wie die Umkehrbarkeit einer durch einen Vektor gekennzeichneten Erscheinung, die Isotropie und die Stetigkeit, um bis auf zwei willk\u00fcrliche Koeffizienten die Form der partiellen Differentialgleichungen zu bestimmen, denen der Vektor gen\u00fcgt. Demzufolge begegnen uns entsprechende Gleichungen in den verschiedensten Gebieten der mathematischen Physik, z. B. in der W\u00e4rmelehre, beim Potential, beim Gleichgewicht elastischer K\u00f6rper usw., ohne da\u00df man deswegen auf einen Zusammenhang dieser Erscheinungen schlie\u00dfen w\u00fcrde k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Um nun von den Gleichungen f\u00fcr den als elastisch aufgefa\u00dften \u00c4ther zu den Gleichungen von Fresnel \u00fcberzugehen, mu\u00df man einer der Konstanten einen unm\u00f6glichen Wert beimessen: der Widerstand des K\u00f6rpers gegen eine gleichf\u00f6rmige Zusammendr\u00fcckung, oder, was das selbe besagt, die Geschwindigkeit der L\u00e4ngsschwingungen soll null sein! Cauchy und Green haben daher diese Hypothese verworfen und im Gegenteil den \u00c4ther als unzusammendr\u00fcckbar angenommen, so da\u00df Kompressionswellen nicht entstehen k\u00f6nnen. Um folgerichtig zu verfahren, m\u00fc\u00dfte man im Rahmen dieser letzteren Hypothese einen hydrostatischen Druck einf\u00fchren, den Faktor von Lagrange, welcher der Bedingung der Inkompressibilit\u00e4t entspricht. Aber in diesem Falle stimmt die Rechnung nicht mehr mit den Formeln von Fresnel \u00fcberein. Man lie\u00df daher ohne viel Aufhebens diesen Druck beiseite. Das ist aber nicht alles. Unter den Bedingungen, die an der Trennfl\u00e4che der beiden K\u00f6rper erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, finden sich solche &#8211; die Stetigkeitsbedingungen -, welche der Optik und der Elastizit\u00e4tslehre gemein sind; das sind jedoch grade jene, die in keiner Weise kennzeichnend sind und die die physikalischen Konstanten der beiden K\u00f6rper nicht enthalten. Dagegen mu\u00dfte man die Bedingungen fallen lassen welche diese Konstanten enthalten, weil sie mit den Beobachtungen von Fresnel unvereinbar waren. Man ersetzte sie durch andere, welche neue Annahmen in sich schlie\u00dfen: namentlich hat die Atomhypothese es Kirchhoff erlaubt, die einleuchtendste mechanische Deutung dieser schwierigen Angelegenheit zu geben.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Sp\u00e4ter fand Lord Kelvin, da\u00df trotz all dieses Zurechtdr\u00fcckens die These der Inkompressibilit\u00e4t bei Kristallen zu nichts Rechtem f\u00fchre, und ging auf die von Cauchy und Green verworfene Annahme eines unendlich kompressiblen \u00c4thers zur\u00fcck: er zeigte, da\u00df diese Annahme nicht notwendig absurd ist, wenn der \u00c4ther als unendlich angenommen wird. Sonderbar bleibt sie immerhin, denn sie l\u00e4uft darauf hinaus, die ganze potentielle Energie des \u00c4thers den Richtungs\u00e4nderungen seiner Volumelemente zuzuschreiben, obwohl diese \u00c4nderungen f\u00fcr die Elastizit\u00e4t endlicher fester K\u00f6rper v\u00f6llig belanglos sind und im Fall des \u00c4thers nur eine wenigstens scheinbare Rolle spielen k\u00f6nnen, weil dieser sich laut Hypothese in seiner Gesamtheit nicht wie ein fester K\u00f6rper verhalten kann.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Es bleibt noch die Schwierigkeit, da\u00df eine unendlich kleine Zusammendr\u00fcckung eine endliche Dichte\u00e4nderung in einem \u00c4therpunkt bewirken soll. Lord Kelvin nimmt daher an, da\u00df die \u00c4therenergie Glieder enth\u00e4lt, die sich der Zusammendr\u00fcckung widersetzen, aber von h\u00f6herer als zweiter Ordnung sind, so da\u00df sie in der Optik, die mit unendlich kleinen Verformungen arbeitet, vernachl\u00e4ssigt werden k\u00f6nnen. Die Grenzbedingungen fallen nunmehr mit denjenigen von Fresnel zusammen. Weitere Schwierigkeiten scheinen nicht zu bestehen, und wenn auch der Begriff eines elastischen \u00c4thers bei der Entdeckung der optischen Gesetze keine Dienste geleistet hatte, so schien er doch dieselben nachtr\u00e4glich zu deuten. Jedoch gab Lord Kelvin diese Hypothese auf zugunsten einer verfeinerten, n\u00e4mlich der Annahme eines gyrostatischen \u00c4thers, und zwar hat ihn wohl die von Maxwell entdeckte \u00dcbereinstimmung zwischen den Lichterscheinungen und den elektrischen Schwingungen dazu bewogen.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Maxwell ging bekanntlich von dem durch Faraday ausgesprochenen Grundsatz aus, da\u00df die elektrischen und elektromagnetischen Anziehungen und Absto\u00dfungen nicht auf eine Fernwirkung, sondern auf eine Art Druck zur\u00fcckgehen, welche von dem umgebenden Medium auf die Ladungstr\u00e4ger ausge\u00fcbt wird. Dieses Medium selber wird von einem Punkt zum andern durch die Anwesenheit elektrischer Ladungen ver\u00e4ndert. Maxwell zeigte, wie die elektrischen Gleichungen umgeformt und erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen, damit sie diesem neuen Gesichtspunkt gen\u00fcgen. F\u00fcr die elektrischen Schwingungen fand er genau die von Fresnel aufgestellte Gleichungsform und deren Nebenbedingungen &#8211; nicht mehr nur,wie mit der Theorie des elastischen \u00c4thers, ein beinah Gleiches. Die auf rein elektrischem Weg bestimmten Konstanten waren genau jene der Optik. Mit dieser sch\u00f6nen Entdeckung war die elektromagnetische Lichttheorie geboren. Diese l\u00e4\u00dft zwar die M\u00f6glichkeit einer mechanischen Erkl\u00e4rung durch mechanische Eigenschaften des \u00c4thers offen, fordert aber, da\u00df sich eine solche Erkl\u00e4rung gegebenenfalls nicht nur auf die Optik, sondern, entsprechend verwickelter, auch auf die Gesetze der Elektrizit\u00e4t und des Magnetismus anwenden lasse. F\u00fcr ruhende, stromdurchflossene K\u00f6rper hat Maxwell selber eine solche Erkl\u00e4rung gegeben; da\u00df er aber dem \u00c4ther eine \u00e4u\u00dferst verwickelte Struktur geben mu\u00dfte, ist mehr als ein Hinweis auf die Schwierigkeit der Frage, denn als eine L\u00f6sung zu werten.<\/span><\/span>\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">F\u00fcr bewegte K\u00f6rper und f\u00fcr elektrostatische Wirkungen hat Maxwell keine entsprechende Deutung finden k\u00f6nnen, und in seiner endg\u00fcltigen Fassung der Theorie hat er dementsprechend diese seine urspr\u00fcngliche Deutung fallen gelassen Es ist schwer zu sagen, wie weit seine Spekulationen \u00fcber die Struktur des \u00c4thers ihm bei seinen Entdeckungen geholfen haben. Eine enge Beziehung zwischen Licht und Elektrizit\u00e4t war schon von Gau\u00df vermutet worden, und die bedeutende Entdeckung von Wilhelm Weber und Kohlrausch, da\u00df das Verh\u00e4ltnis der elektrostatischen und der elektrodynamischen Einheit gleich der Lichtgeschwindigkeit ist, hatte schon den ber\u00fchmten Mathematiker B. Riemann zu Gr\u00fcbeleien \u00fcber den Gegenstand veranla\u00dft und auch Maxwell beeindrucken m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Da die Gleichungen der Optik nur ein Sonderfall der elektrodynamischen Gleichungen sind, m\u00fcssen die mechanischen Deutungen der letzteren blo\u00dfe Verallgemeinerungen der mechanischen Lichttheorien sein. Die Auswahl ist indessen klein, und trotz der Arbeit zahlreicher Forscher, unter ihnen Lord Kelvin vor allem, ist keine L\u00f6sung gefunden worden. Ich \u00fcbergehe dabei, wohlverstanden, die geistreichen und gesuchten Mechanismen zur Deutung dieses oder jenes Sonderfalles, auch die allgemeinen \u00dcberlegungen, in denen sinnenhaft nicht wahrnehmbare Massen auftreten, deren genaue Bewegung nicht angegeben wird, da es angeblich nur auf ihre kinetische und potentielle Energie ankomme. Es ist allerdings gesagt worden, da\u00df es gen\u00fcgt nachzuweisen, da\u00df das Prinzip des kleinsten Zwanges gilt, wenn Glieder dieser Art in die Systemenergie eingef\u00fchrt werden, um die R\u00fcckf\u00fchrbarkeit auf die Gesetze der Mechanik dargetan zu haben. Dabei mu\u00df man aber Folgendes im Auge behalten: wenn man Fernwirkungen zwischen den Teilen dieses Mechanismus ausschlie\u00dft und au\u00dferdem die Undurchdringbarkeit und Unzerst\u00f6rbarkeit der unsichtbaren Massen fordert, h\u00f6rt diese R\u00fcckf\u00fchrung <strong>im allgemeinen<\/strong> auf, m\u00f6glich zu sein, und das Problem ist so ungel\u00f6st wie vorher.<\/span><\/span>\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Schwierigkeit des \u00dcberganges von einer elastischen Lichttheorie zu einer elektrodynamischen ist leicht ersichtlich. \u00dcberall, wo eine elektrische Ladung vorhanden ist, werden die Gleichungen inhomogen: unabh\u00e4ngig von den \u00fcber Bewegung und Verformung des \u00c4thers in einem gegebenen Feld gemachten Annahmen l\u00e4uft alles so ab, wie wenn zu den elastischen Wirkungen eine weitere Kraft hinzuk\u00e4me, welche die elektrische Ladung auf den sie ber\u00fchrenden \u00c4ther aus\u00fcbt. Betrachten wir etwa eine kugelf\u00f6rmige elektrische Ladung. Ihre Wirkung auf den umgebenden \u00c4ther wird aus Symmetriegr\u00fcnden auf einen Druck oder eine Spannung radialer Richtung hinauslaufen. Ist der \u00c4ther nicht zusammendr\u00fcckbar &#8211; eine der beiden in der Optik zul\u00e4ssigen Annahmen &#8211; so wird ihn dieser Druck nicht beeinflussen. Ist er dagegen &#8211; nach der Annahme von Lord Kelvin &#8211; unendlich kompressibel, so wird sich ein st\u00e4ndiger \u00c4therflu\u00df radial einstellen und es mu\u00df auf die Unzerst\u00f6rbarkeit des \u00c4thers verzichtet werden.<\/span><\/span>\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Soll man, wie in der Optik, zu Gliedern h\u00f6herer Ordnung Zuflucht nehmen? Solche Glieder k\u00f6nnen hier nicht mehr als vernachl\u00e4ssigbar gelten, weil gerade von ihnen die Erscheinungen abh\u00e4ngen; wir w\u00fcrden uns also in Widerspruch zu den elektrischen Gesetzen begeben, welche solche Glieder nicht zulassen. Poincar\u00e9 (Electricit\u00e9 et optique, Paris 1901) hat den allgemeinen Charakter dieser Schwierigkeiten deutlich herausgestellt, und deren L\u00f6sung blieb aus, selbst in der Larmor&#8217;schen Theorie, Diese letztere beruht auf der Annahme eines gyrostatischen \u00c4thers, die eine kurze Er\u00f6rterung verdient. Wenn ein Apparat eine in schnelle Umdrehung versetzte Masse enth\u00e4lt, so sucht er bekanntlich seine Richtung zu bewahren und bietet der Hand, die seine Richtung zu \u00e4ndern sucht, einen Widerstand. Ebenso widersteht ein Kreisel der Schwerkraft, die ihn erst dann zu Boden zieht, wenn er durch Reibung gen\u00fcgend von seiner Rotationsgeschwindigkeit verloren hat. Nehmen wir eine solche rotierende Masse in jedem Volumelement des \u00c4thers an, so wird ein solches einer Richtungs\u00e4nderung einen gewissen Widerstand leisten, genau das, was die Optik braucht, wenn man auf die Inkompressibilit\u00e4t verzichtet. Diesen genialen Gedanken hat Larmor auf die elektrischen Erscheinungen angewandt, ohne aber mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden (Poincar\u00e9 a. a. 0. ), und unersichtlich bleibt, wie sich der Begriff der elektrischen Ladung aus solchen \u00dcberlegungen ergibt &#8211; man wolle denn auf die Unzerst\u00f6rbarkeit des \u00c4thers verzichten. Es ist tats\u00e4chlich bemerkenswert, da\u00df man, wenn man die Materie als eine st\u00e4ndige Quelle oder Versickerungsstelle von \u00c4ther auffa\u00dft, mit Riemann (dessen Untersuchungen Brill wiederaufnahm) zu einer hydrostatischen Erkl\u00e4rung der in der Elektrostatik und Gravitation auftretenden Anziehungen und Absto\u00dfungen kommt, Aber das Wort &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220; ist hier fehl am Platz: es handelt sich hier bestenfalls um eine Entsprechung.<\/span><\/span>\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\">Lesen Sie bitte <a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Ritz-b.htm\"><strong>hier<\/strong><\/a> weiter! <\/span><\/span><\/div>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 Quelle: WALTER RITZ (1908): \u201e\u00dcber die Rolle des \u00c4thers in der Physik\u201c. (Aus Scientia 1908, Nr. VI: \u201eDu r\u00f4le de l&#8217;\u00e9ther en physique\u201c) Entnommen aus dem Buch: \u201eTheorien \u00fcber \u00c4ther, Gravitation, Relativit\u00e4t und Elektrodynamik\u201c \u00dcbersetzt und mit einem Nachwort versehen von Dr. Karl D\u00fcrr, Schritt-Verlag, Bern und Badisch-Rheinfelden 2. Auflg. (1965), S. 15 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-267","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschsprachige-kritik-der-relativitatstheorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}