{"id":2667,"date":"2009-11-22T11:38:00","date_gmt":"2009-11-22T10:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=2667"},"modified":"2009-11-22T11:38:00","modified_gmt":"2009-11-22T10:38:00","slug":"schildburger-auf-der-suche-nach-der-versprochenen-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/schildburger-auf-der-suche-nach-der-versprochenen-zeit\/","title":{"rendered":"Schildb\u00fcrger auf der Suche nach der versprochenen Zeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Von einem Kenner der Relativit\u00e4tstheorie Einsteins erhielt ich folgenden Bericht zugeschickt, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten m\u00f6chte. Der Autor dieses Berichtes hat mir diesen zwar unter dem Betreff: <em>\u201eErheiterndes zur Physik\u201c<\/em> geschickt, aber trotzdem k\u00f6nnten vielleicht einzelne meiner Leser glauben, hierin deutliche Parallelen zur derzeitigen \u201emodernen\u201c Physik zu erkennen. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4ren diese Leser eindeutig auf dem Holzwege. Denn wir wissen doch alle, dass die <em>\u201eZeit\u201c<\/em> kein Gegenstand ist, der\u00a0 &#8211;\u00a0 trotz des Sprichwortes <em>\u201eZeit ist Geld\u201c<\/em>\u00a0 &#8211;\u00a0 nicht in Banktresoren und \u00c4hnlichem aufbewahrt werden kann, oder?\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat: <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die etwas andere Zeitgeschichte<br \/>\n<strong><a title=\"Schildb\u00fcrger auf der Suche nach der versprochenen Zeit\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/Die etwas andere Zeitgeschichte\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Schildb\u00fcrger auf der Suche nach der versprochenen Zeit<\/span><\/a><\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wie jedermann wei\u00df, hatten die B\u00fcrger von Schilda beim Bau ihres Rathauses die Fenster vergessen. Ihre Versuche, das Licht in S\u00e4cke einzufangen und es ins Rathaus zu tragen, waren fehlgeschlagen. Um den Baumangel zu vertuschen, beschlossen sie, das fensterlose Rathaus als Kornspeicher zu nutzen und daneben ein neues Rathaus zu bauen. Leider jedoch geh\u00f6rte das Grundst\u00fcck, auf dem sie bauen wollten, dem Gro\u00dfherzog. Sie schickten deshalb eine Abordnung in die ferne Residenz zum Gro\u00dfk\u00e4mmerer des Gro\u00dfherzogs mit dem Wunsch, ihnen diesen Grund zu \u00fcberlassen, sei es durch Tausch oder Kauf. Doch es vergingen Wochen ohne ein Lebenszeichen der Delegation.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Endlich, bei einer Ratssitzung im Dorfkrug, erschien ein reitender Bote mit der Nachricht, man sei im guten Gespr\u00e4ch mit dem Gro\u00dfk\u00e4mmerer, <em>doch brauche man mehr Zeit.<\/em> Erleichtert dar\u00fcber, dass nicht <em>mehr Geld<\/em> oder auch diesmal wieder, wie beim Rathaus, <em>mehr Licht<\/em> verlangt wurde, sandten die R\u00e4te den Boten mit dem Versprechen zur\u00fcck, die ben\u00f6tigte Zeit bald zu schicken, denn Zeit h\u00e4tte man in Schilda genug. Kaum jedoch war der Bote davon geritten, ging in Schilda ein gro\u00dfes Suchen nach der versprochenen Zeit los. \u00dcberall wurde nach ihr gefahndet: in Speichern, Kellern, Schr\u00e4nken, unter Matratzen, auf Dachb\u00f6den, selbst in den Taschen der Tagediebe, denn diese schienen die meiste Zeit zu haben. Doch immer ohne Ergebnis. Daher kamen die R\u00e4te zusammen und \u00fcberlegten, ob man denn \u00fcberhaupt wisse, wie die Zeit aussieht. Vielleicht hatte man sie nur nicht erkannt. Sie fragten sich: ist die Zeit dick oder d\u00fcnn, kurz oder lang, dunkel oder hell, leicht oder schwer, gerade oder gebogen, denn von einigen dieser Eigenschaften der Zeit hatte man schon geh\u00f6rt. Und wie soll man ihrer habhaft werden? Soll man K\u00f6der auslegen oder Fallen aufstellen? Sollte man es noch mal mit den S\u00e4cken versuchen oder es doch lieber gleich mit Bestechung probieren? Oder sollte man gar die h\u00fcbsche, noch ledige Tochter des B\u00fcrgermeisters als Preis f\u00fcr den aussetzen, der die Zeit beibringt? Letztere Idee fanden einige M\u00e4nner von Schilda verlockend. Doch war der B\u00fcrgermeister dagegen, der bei der Wahl seines Schwiegersohnes schon gern ein Wort mitreden wollte.\u00a0 In Bedr\u00e4ngnis geraten schlug er daher vor, trotz einiger Bedenken den Fachschullehrer Blaustein zu fragen, der als ziemlich schlau galt. Der hatte w\u00e4hrend seines Studiums zwar auch keine Universit\u00e4t von innen gesehen, doch hatte er sich viel umgeh\u00f6rt und sich selbst schon einige Gedanken gemacht. Also wurde Blaustein vor den Rat zitiert und gefragt, was zu tun sei, um der Delegation mehr Zeit schicken zu k\u00f6nnen. Der \u00fcberlegte nicht lange und sagte, gewitzt wie er war: Wenn ihr <em>mehr Zeit<\/em> nicht finden k\u00f6nnt, dann m\u00fcsst ihr eben <em>die vorhandene Zeit dehnen.<\/em> Das schien ein plausibler Ausweg zu sein. Die st\u00e4rksten M\u00e4nner des Ortes begannen gleich mit Dehn\u00fcbungen. Sie streckten und reckten sich, einige griffen beherzt nach den dicken \u00c4sten der Dorflinde und lie\u00dfen sich an ihr baumeln, manchmal zwei, drei M\u00e4nner aneinander h\u00e4ngend. Die Frauen und Kinder des Ortes fanden dass echt lustig. Aber wo war nun die Zeit, die es zu dehnen galt? Wieder schlich sich Ratlosigkeit in die Gesichter der B\u00fcrger. Blaustein, mit der Situation konfrontiert, \u00fcberlegte abermals nicht lange und sagte: Wenn ihr die Zeit nicht finden und damit auch nicht dehnen k\u00f6nnt, dann m\u00fcsst ihr eine Uhr nehmen und einfach sagen, <em>das ist die Zeit.<\/em> (Wo Sachverstand fehlt, stellen sich Sprachspiele ein.) Ja aber, sagte der Schultes, wie dehnen wir dann die Uhr? (Uhren aus Gummi waren noch nicht erfunden.) Ganz einfach, sagte Blaustein, denn er wollte allen einfachen Gem\u00fctern auch immer alles ganz einfach erkl\u00e4ren, was ja nicht unbedingt richtig hei\u00dft, ihr m\u00fcsst nur die Uhr sehr schnell bewegen, dann kommt die Anzeige nicht mehr nach und die Uhr geht langsamer <em>und damit ist die Zeit gedehnt.<\/em> Zwar konnten die B\u00fcrger Schildas Blausteins Ideen gedanklich nicht nachvollziehen, doch meinten sie, es l\u00e4ge <em>an ihrer<\/em> mangelnden Bildung und Blaustein w\u00e4ren ihnen geistig hoch \u00fcberlegen, was ja auf eine gewisse Weise auch stimmte, denn er wusste immerhin, aus seinem Nichtwissen etwas zu machen. So gaben sie ihrem schnellsten Boten alle Sonnen- und Sanduhren mit auf den Weg in die Residenz (denn die Taschenuhr wurde in N\u00fcrnberg gerade erst erfunden), in der Hoffnung, die Zeit m\u00f6ge der Delegation nun reichen, dem Gro\u00dfk\u00e4mmerer das gew\u00fcnschte Grundst\u00fcck abzuhandeln.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Schildb\u00fcrger selbst jedoch hatte das Forschungsfieber gepackt und sie wollten wissen, ob die Zeit wirklich durch Bewegung gedehnt werden kann und um wieviel. Um das herauszufinden, stand ihnen allerdings nur noch die Kirchturmuhr zur Verf\u00fcgung. Sie war zudem so gro\u00df und schwer und soweit da droben, dass sie von ihnen nicht bewegt werden konnte. Doch wieder wusste Blaustein Rat und sagte: da es auf dasselbe herauskommt, ob die Uhr oder ihr Betrachter bewegt ist, w\u00fcrde es gen\u00fcgen, wenn alle B\u00fcrger vor der Uhr auf dem Kirchplatz schnell im Kreis herumliefen und sie dabei anblickten. So w\u00fcrde die Zeit nicht nur gedehnt, sondern auch gleich noch gebogen. Und so liefen Gro\u00df und Klein los, die K\u00f6pfe verrenkend immer den Blick nach oben auf die Kirchturmuhr gerichtet, weshalb es auf dem holprigen Platz zu zahlreichen Massenst\u00fcrzen kam. Doch f\u00fcr die Wissenschaft bringt man ja gern ein Opfer. Mal liefen die neuen Wissenschaftler rechts, mal links im Kreis auf den Platz vor der Kirche herum, mal &#8211; wie raffiniert! &#8211; gegenl\u00e4ufig, also mit doppelter Laufgeschwindigkeit und mit gro\u00dfem &#8222;Hallo!&#8220; einander begegnend, auf diese Weise schneller als von Blaustein erlaubt, an dessen Weisheit sowieso erste Zweifel aufkamen. Nachdem sich in keinem Fall ein Zeiteffekt zeigte, schon weil es an einer nicht betroffenen Vergleichsuhr fehlte, an dem man ihn h\u00e4tte ablesen k\u00f6nnen, stie\u00dfen sie zuletzt &#8211; ob aus Eifer oder Wut &#8211; die sture Uhr einfach vom Turm, wodurch das teure St\u00fcck zwar am Ende seines Falles sehr schnell wurde und nach dem Aufprall auch noch in alle Richtungen ganz wunderbar gebogen und gedehnt &#8211; aber leider auch so stark, dass es nicht mehr ging. Da, wie wir alle in unserem Bildungsnotstand zu wissen glauben, Uhr und Zeit dasselbe sind, blieb in Schilda nicht nur die einzige Uhr, sondern auch gleich noch die Zeit stehen. Es war pl\u00f6tzlich wie in der Traumzeit, in der es kein Vorher und Nachher gibt. Im einf\u00f6rmigen Singsang bewegte sich alles Leben und Denken nur noch im Kreise. Kein neuer Gedanke kam mehr auf. Auch die neuesten B\u00fccher pflegten nur alte Parolen. Und wenn sie nicht gestorben sind, machen die braven Schildb\u00fcrger noch heute mit teuren Uhren Versuche, die Zeit zu dehnen &#8211; praktische Gummiuhren gibt es noch immer nicht &#8211; , da sie auch nach Hunderte von Jahren in ihrer Biederkeit nicht glauben wollen, dass der schlaue Blaustein, der Schelm, ihnen einst einen B\u00e4ren aufgebunden hatte. Doch wer sich einen solchen aufbinden l\u00e4sst, statt sich als geistig herausgefordert zu erkennen, ist selber schuld. F\u00fcr seinen Verstand und dessen Gebrauch oder Nichtgebrauch ist jeder selbst verantwortlich. Vielleicht war es das, was Blaustein den Menschen demonstrieren wollte und sie haben es bis heute nicht begriffen.<\/p>\n<p align=\"center\">Narren werden nicht gemacht, sondern vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: left\"><strong>(Zitatende) \u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: left\">Lesen Sie hierzu erg\u00e4nzend folgenden Beitrag:<br \/>\n<strong><a title=\"Das Relativit\u00e4tsm\u00e4rchen und die Fakten\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/kap3.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Das Relativit\u00e4tsm\u00e4rchen und die Fakten<\/span><\/a>\u00a0<\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: left\">Beste Gr\u00fc\u00dfe <strong><a title=\"Ekkehard Friebe\" href=\"http:\/\/www.worldsci.org\/php\/index.php?tab0=Scientists&amp;tab1=Display&amp;id=494\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Ekkehard Friebe<\/span><\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem Kenner der Relativit\u00e4tstheorie Einsteins erhielt ich folgenden Bericht zugeschickt, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten m\u00f6chte. 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