{"id":1551,"date":"2009-03-26T11:26:34","date_gmt":"2009-03-26T10:26:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/?p=1551"},"modified":"2009-03-26T11:47:33","modified_gmt":"2009-03-26T10:47:33","slug":"wissenschaftstheorie-und-didaktik-der-physik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wissenschaftstheorie-und-didaktik-der-physik\/","title":{"rendered":"Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik"},"content":{"rendered":"<p><strong><a title=\"Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/KUHN1984.htm\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik<br \/>\n<\/span><\/a><\/strong>Von Prof. Dr. Wilfried Kuhn, Institut f\u00fcr Didaktik der Physik, Universit\u00e4t Gie\u00dfen<\/p>\n<p><strong>Quelle:<\/strong><br \/>\nKUHN, W. (1984): &#8222;Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik&#8220;,<br \/>\nDPG-Didaktik-Tagungsband 1984, S. 1 &#8211; 25. Hrsg.: Prof. Dr. Wilfried Kuhn,<br \/>\nDirektor des Instituts f\u00fcr Didaktik der Physik der Universit\u00e4t Gie\u00dfen<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"1\" cellpadding=\"0\" width=\"90%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-left: 30px;\">\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Zitat:<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Formulierung des Themas Wissenschaftstheorie \u201eund&#8220; Didaktik der Physik sollte nicht in dem Sinne mi\u00dfverstanden werden, als k\u00f6nnten diese beide Disziplinen in einfacher Weise in Verbindung gebracht werden. Die Konjunktion will vielmehr ihre komplexen und sehr tief gehenden Wechselbeziehungen bewu\u00dft machen und auf daraus resultierende, vielf\u00e4ltige Konsequenzen f\u00fcr den Vermittlungsproze\u00df physikalischer Erkenntnisse verweisen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>1. Grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen <\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wissenschaftstheorie wie Didaktik entspringen dem kritischen Nachdenken \u00fcber das Faktum Wissenschaft. Im Hinblick auf ihre Bezugswissenschaft &#8211; in unserem Falle die Physik &#8211; nehmen sie die gleiche erkenntnistheoretische Position ein. Diese ist gekennzeichnet sowohl durch ihre sehr enge Verbindung, als auch zugleich durch eine kritisch-reflektierende Distanz. Solcher Reflexion geht es beiden Disziplinen um das zentrale Problem, die Proze\u00dfstruktur physikalischer Begriffs- und Theorienbildung zu \u201eerkl\u00e4ren&#8220; und zu \u201everstehen&#8220;.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><!--more-->Die dabei gewonnenen Einsichten sind von grundlegender Bedeutung f\u00fcr den Lehr- und Lernproze\u00df physikalischer Inhalte; denn erst nach eingehender wissenschaftstheoretischer Analyse kann entschieden werden, worin eigentlich das Wesentliche der Bezugsdisziplin besteht, und welche Inhalte, bzw. welche methodischen Konzepte dementsprechend Lehrgegenst\u00e4nde sein sollten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der Physikdidaktik f\u00e4llt dabei die sehr wichtige Aufgabe zu, in zwei grunds\u00e4tzlich verschiedenen Richtungen zu argumentieren und zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Physik-P\u00e4dagogen, die ihre Arbeit als spezielle Anwendung allgemeiner P\u00e4dagogik oder sozialwissenschaftlicher Lehren verstehen, glauben, ihre \u201ecorricularen Entscheidungen&#8220; prim\u00e4r \u201ep\u00e4dagogisch&#8220; &#8211; nicht selten unter dem korrodierten bildungspolitischen Damoklesschwert endlos zu garantierender Chancengleichheit &#8211; verantworten zu m\u00fcssen. F\u00fcr eine wissenschaftstheoretisch intendierte Physik-Didaktik stellt sich die Frage, ob dabei denn auch Wesentliches der Bezugsdisziplin, d.h. grundlegende, strukturelle Einsichten in den physikalischen Erkenntnisproze\u00df vermittelt werden, die sich nicht \u201espielerisch&#8220;, sondern nur durch harte intellektuelle Anstrengungen erschlie\u00dfen, denen oberfl\u00e4chlicher Zeitgeist gar nicht hold zu sein scheint.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Aber auch in anderer Richtung ist Aufmerksamkeit geboten, n\u00e4mlich gegen\u00fcber jenen Fachspezialisten, die in der Befangenheit ihres fachspezifisch verengten, wissenschaftstheoretischen Verst\u00e4ndnishorizontes im Lehr- und Lernproze\u00df auftretende, schwierige begriffliche Probleme mit erstaunlicher und zuweilen such peinlich wirkender Harmlosigkeit ganz unwissenschaftlich erledigen, obwohl sie sich sonst gerne als Gralsh\u00fcter der Wissenschaftlichkeit geben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wissenschaftstheoretisch Unreflektiertes von Fachspezialisten plakativ und forsch ex cathedra verk\u00fcndet, macht es gerade intellektuell anspruchsvollen und kritischen H\u00f6rern schwer, weil sie die Physik nicht nur \u201ehandhaben&#8220;, sondern such \u201everstehen&#8220; wollen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Wenn Fachspezialisten sich gelegentlich veranla\u00dft sehen, wissenschaftstheoretisch Flagge zeigen zu m\u00fcssen, dann ist es meist die etwas zerschlissene Standarte des logischen Empirismus oder die eines Induktionismus BACONscher Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Hinter diesen Fahnen marschieren auch Physikdidaktiker, die meinen, in jener Phalanx Gesinnungsgenossen zu haben, die ihren rein \u201eempirischen&#8220; Arbeiten, orientiert an sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethoden, wissenschaftliche Dignit\u00e4t schwerlich versagen k\u00f6nnten. Als Organisatoren von \u201eeffektiven Lernprozessen&#8220; &#8211; wobei immer zu bedenken ist, da\u00df man mit optimalen Methoden und unter Einsatz modernster Medien auch ganz Unwesentliches vermitteln kann &#8211; ist ihnen nicht selten die Anerkennung auch jener sicher, denen aus oben genannten Gr\u00fcnden wissenschaftstheoretisch orientierte Physikdidaktik nicht ohne Vorsicht und Zur\u00fcckhaltung begegnet.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>2. Kritik veralteter wissenschaftstheoretischer Positionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Physikdidaktik, Wissenschaftstheorie und ihrer Bezugsdisziplin sollen nun n\u00e4her beleuchtet werden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Ein Blick in Lehrb\u00fccher der Physik zeigt, da\u00df h\u00e4ufig ein konsistentes wissenschaftstheoretisches Konzept \u00fcberhaupt nicht vorhanden ist, oder unbewu\u00dft bzw. bewu\u00dft veraltete wissenschaftstheoretische Positionen vertreten werden. Gerne peitscht man die toten Pferde eines naiven Positivismus, Instrumentalismus und Operationalismus. Wen wundert es dann, wenn Vertreter einer instrumentalisch orientierten Didaktik ihre Thesen mit Argumenten veralteter wissenschaftstheoretischer Standorte zu legitimieren versuchen. Dabei werden meist folgende Behauptungen kolportiert:<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">1. Beobachtung und Experiment sind alleinige Quellen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">2. Naturwissenschaftliche Begriffsbildungen werden nur aus Beobachtungen und Experimenten gewonnen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">3. Naturwissenschaftliche Begriffe m\u00fcssen durch operationale Definitionen exakt festgelegt und veranschaulicht werden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">4. Hypothesenbildung erfolgt ausschlie\u00dflich aufgrund empirischer Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">5. Naturwissenschaftliche Gesetze und Theorien lassen sich direkt durch Verallgemeinerung spezieller empirischer Daten im Proze\u00df der generalisierenden Induktion finden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">6. Theorien sind effektive Verfahren zur \u00f6konomischen Beschreibung von Sinneswahrnehmungen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">7. In Form eines sogenannten \u201eexperimentum crucis&#8220; f\u00fchrt ein Experiment eine Entscheidung zwischen einander widersprechenden Theorien herbei.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">8. Theorien haben lediglich syntaktische Funktion als formaler \u00dcbersetzungsmechanismus von empirischen Daten in mathematische Beschreibungen (\u201eDatenm\u00fchlen&#8220;). Sie zielen nicht auf Wirklichkeitsstrukturen, sondern fungieren als mathematische Br\u00fccken zwischen tats\u00e4chlichen und m\u00f6glichen Beobachtungen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">9. Modelle vermitteln keinen Einblick in Wirklichkeitsstrukturen. Indem sie lediglich der Vorhersage und instrumenteller Manipulation der Ph\u00e4nomene dienen, haben sie rein praktischen, utilitaristischen Charakter. Es ist zweckm\u00e4\u00dfig, von Fall zu Fall unterschiedliche Modelle auch nebeneinander zu benutzen. Da sie nur \u201eDenkhilfen&#8220; sind, ist die Problematik einer Synthese sich gegenseitig ausschlie\u00dfender Modellvorstellungen im Sinne der Idee einer einheitlichen Wirklichkeitsstruktur ausgeklammert. Dieser ontologische Verzicht wird im Sinne einer \u201eKomplementarit\u00e4t der Modelle&#8220; legitimiert bzw. zum methodischen Prinzip erhoben.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Da derartige dogmatische Behauptungen nicht blo\u00df in \u201eEinleitungen&#8220; und \u201eBemerkungen zu Methode der Physik&#8220; von Physiklehrb\u00fcchern, sondern auch in den Pr\u00e4ambeln und Handreichungen zahlreicher Lehrpl\u00e4ne sogar als \u201emethodische Empfehlungen&#8220; herumgeistern &#8211; einige davon sind ihnen w\u00f6rtlich entnommen &#8211; ist es notwendig, sie zu diagnostizieren. Dabei ist das Hauptaugenmerk auf das Problem der Begriffsbildung und Theoriendynamik gerichtet. Sollte sich jemand bei dieser Diagnose ertappt oder betroffen f\u00fchlen, dann mag es f\u00fcr ihn tr\u00f6stlich sein, sich in guter Gesellschaft jener Fachspezialisten zu befinden, auf die die bekannte Metapher von LAKATOS zielt, diese verst\u00fcnden von der Methode ihres Faches so viel wie die Fische von der Hydrodynamik.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die folgende Kritik ist vor dem Hintergrund einer historischen Analyse der Entwicklung der Methode der Physik und von der heutigen wissenschaftstheoretischen Position eines hypothetischen Realismus zu sehen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>(Zitatende)<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Lesen Sie bitte weiter unter:<\/p>\n<p><strong><a title=\"Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/KUHN1984.htm\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik Von Prof. Dr. Wilfried Kuhn, Institut f\u00fcr Didaktik der Physik, Universit\u00e4t Gie\u00dfen Quelle: KUHN, W. (1984): &#8222;Wissenschaftstheorie und Didaktik der Physik&#8220;, DPG-Didaktik-Tagungsband 1984, S. 1 &#8211; 25. Hrsg.: Prof. Dr. Wilfried Kuhn, Direktor des Instituts f\u00fcr Didaktik der Physik der Universit\u00e4t Gie\u00dfen Zitat: Die Formulierung des Themas Wissenschaftstheorie \u201eund&#8220; Didaktik [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschsprachige-kritik-der-relativitatstheorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1551"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1551"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1551\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ekkehard-friebe.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}